Posted by: Anna | 7. Mai 2008

60 Jahre Israel

Von den Feierlichkeiten zu Israels 60. Unabhängigkeitstag bekomme ich live rein gar nichts mit. Ich habe ausgerechnet morgen keine Zeit und kann nicht zu der Mega-Veranstaltung in der Gemeinde gehen. Im Fernsehen laufen anscheinend zur Zeit alle möglichen Dokumentationen über die Staatsgründung, die israelisch-arabischen Kriege, den Nahostkonflikt und das aktuelle Problem mit den Palästinensern. Soweit ich da mal reingeschaut habe, war das sehr sachlich und historisch korrekt. Anders geht es da schon bei Al-Jazeera zu: unter einem sehr durchsichtigen Denkmäntelchen der neutralen Berichterstattung wir da mithörbar für die ganze Welt auf Englisch so schön einseitig Stimmung für die Palästinenser gemacht, dass einem die manchmal kuriose Berichterstattung in deutschen Medien schon wieder perfekt ausgewogen erscheint.

Aber jetzt erstmal ein bisschen Musik zum 60. israelischen Unabhängigkeitstag:

 

 

Posted by: Anna | 24. April 2008

Der Benzinpreis oder Die teure Mobilität

Auf EUR 1,49 hat der Benzinpreis heute morgen gestanden! Das sind fast drei Mark. Drei Mark! Für einen Liter Benzin! Dieser Wahnsinn erinnert mich an das Horrorszenario der Grünen, die vor Jahren schon den Benzinpreis auf 5 Mark sehen wollten, um die Leute zum Umsteigen auf öffentliche Verkehrsmittel zu zwingen. Ich fürchte, bald sind wir da, wo die uns einst haben wollten. Dann bleibt das Auto vor der Tür stehen, und wir fahren wieder Rad. Mein lieber Mann und ich haben da nur ein winziges praktisches Problem: Wir brauchen unsere Autos, um zur Arbeit zu kommen. Und wir haben so weite Wege, dass wir beide einmal die Woche tanken müssen. Zwei Tankfüllungen pro Woche - das muss man sich erst mal leisten können! Wir arbeiten an unterschiedlichen Orten und haben unseren Wohnort strategisch genau in die Mitte gelegt. Damit haben wir im Grunde nur das getan, was unsere Politiker uns jahrelang gepredigt haben: wir sind flexibel und mobil - wir nehmen brav und engagiert auch weite Wege zur Arbeit in Kauf. Und bevor jetzt die Umweltschützer die Kommentarfunktion stürmen: nein, wir können in unserer jetzigen Lebenssituation nicht auf unsere Autos “verzichten” und “entspannt” auf öffentliche Verkehrsmittel ausweichen (die übrigens auch immer teurer werden). Ich wäre, ohne dass ich dabei etwas sparen würde, drei Stunden am Tag mit der Bahn unterwegs, und mein Mann müsste vom nächstgelegenen Bahnhof zu seinem Arbeitsplatz sogar noch 5 km laufen. Das geht also gar nicht. Oder - etwas geht doch: ich höre auf zu arbeiten, weil der Weg zur Arbeit unbezahlbar wird :mrgreen: Oh Mann, ich bin echt angeätzt heute.

Posted by: Anna | 23. April 2008

Ein perfekter Sederabend

So formvollendet haben wir das zu Hause noch nicht hinbekommen: der Sederabend in der Gemeinde war vorbildlich wie aus dem Lehrbuch, sehr stilvoll und natürlich 150% koscher. Im Unterschied zu unseren Wenigkeiten hatte der Rabbiner selbstredend kein Problem damit, wann die Matzot aufgedeckt werden und wann man sie wieder zuzudecken hat. Bei uns zu Hause sorgen solche Kleinigkeiten alljährlich für muntere Verwirrung, weil bei uns 10 Leute mindestens 11 verschiedene Haggadot mit entsprechend verschiedenen “Regieanweisungen” verwenden.

Und weil uns genau diese familiäre Kompomente gefehlt hat, wollen wir den Seder im nächsten Jahr doch wieder zu Hause machen. Vorausgesetzt, dass die Familie sich einmal nicht über die Feiertage geschlossen ins Ausland absetzt. Sonst müssten wir uns eben mal wieder bei der Familie in Israel einladen. Dort haben die Auswahl zwischen einem eher säkularen Seder, einem traditionell-orthodoxen Seder und sogar einem ultraorthodoxen Seder in Bnei Brak. 

Am Samstagabend war ich überrascht darüber, wie  viele Leute allein zum Seder in die Gemeinde gekommen sind, weil sie offensichtlich keine Familie hatten, mit der sie den Sederabend verbringen konnten. Das kenne ich aus eigener Erfahrung G-tt sei Dank überhaupt nicht. Ich habe sowohl in Deutschland wie auch in Israel eine sehr große jüdische Familie und muss auf keinen öffentlichen Sederabend zurückgreifen. Für die vielen Alleinstehenden, die dieses Glück nicht haben, war der Sederabend in der Gemeinde aber wirklich eine adäquate und schön gestaltete Alternative.

Noch ein paar schöne Pessach-Tage!

Posted by: Anna | 13. April 2008

Pessach naht

… und als anständige jüdische Bloggerin müsste ich eigentlich schon längst einen ordentlichen Beitrag über unsere Pessach-Vorbereitungen geschrieben haben. Das Problem ist bloß: Wir haben noch gar nichts vorbereitet. Okay, wir haben uns schon mit einem Basis-Vorrat an Matzot (ungesäuertes Brot) eingedeckt, damit wir am nächsten Samstag nicht total “mittellos” dastehen, aber mehr auch nicht. Kein Hausputz, keine Sederabend-Rezept-und-Gäste-Planung. Wir haben dieses Jahr einfach nicht viel Zeit dafür. Heute Nachmittag werden wir alle Räume bis auf die Küche einmal ordentlich saubermachen. Die Küche ist im Laufe der Woche, kurz vor Pessach, dran. Dann bringen wir auch unser restliches Chametz (Brot, Brötchen und alle anderen Nahrungsmitel aus Sauerteig) aus dem Haus und holen unser Pessach-Geschirr aus dem Keller - und gut ist. Hausputz-Orgien, die am Sederabend im totalen Erschöpfungszustand der Hausfrau enden, gibt es bei uns nicht. Wir werden also mit Sicherheit nicht die Einbauküche demontieren, nur weil sich hinter dem Ofen auch noch ein allerletztes Krümelchen Brot verstecken könnte. Ja, und der Seder-Abend, den werden wir dieses Jahr gar nicht zu Hause abhalten. Wir gehen in die Gemeinde und lassen uns von vorne und hinten bedienen. Das ist einmal eine wirklich entspannende Aussicht. Ich glaube, wenn uns das dieses Mal gefällt, werden wir das dann noch öfter machen wollen ;)

Ich wünsche euch allen heute schon חג פסח כשר ושמח ומועדים לשמחה - Chag Pessach Kascher we-Sameach, ein schönes und koscheres Pessach-Fest.

Eure Anna

Posted by: Anna | 6. April 2008

Die Kopfbedeckung bei jüdischen Frauen

Jüdische Frauen tragen, sofern sie verheiratet, geschieden oder verwitwet sind und religiös leben, eine Kopfbedeckung. Das kann eine Kappe, ein Hut, eine Perücke oder auch ein Kopftuch sein. Eine Leserin hat mich nun gefragt, ob jüdischen Frauen in Deutschland, die ihre Haare bedecken, die gleiche Intoleranz entgegenschlägt wie den muslimischen, kopftuchtragenden Frauen. Ehrlich gesagt ist das nicht so einfach zu beantworten. Erstens sehen nämlich die jüdischen Kopfbedeckungen ganz anders aus als die muslimischen. Es gibt zwar auch das Kopftuch (hier schön anzuschauen), aber in Deutschland habe ich noch keine jüdische Frau mit Kopftuch außerhalb der Synagoge gesehen. Die üblichen Kopfbedeckungen von jüdischen Frauen sind für den Außenstehenden eher unauffällig: eine Perücke ist eine Perücke, und eine Kappe oder ein Hut sind modische Accessoires, die auch von nichtjüdischen Frauen und ohne religiöse Motivation getragen werden können. Darüber hinaus gibt es nur wenige jüdische Frauen in Deutschland, die so observant leben, dass sie in der Öffentlichkeit eine Kopfbedeckung tragen. Und von diesen wenigen ist anscheinend keine im staatlichen Schuldienst oder als hessische Beamtin tätig. Die deutsche Öffentlichkeit braucht sich also gar nicht mit der jüdischen Kopfbedeckung zu beschäftigen und kann sich ganz in Ruhe auf die Stimmungsmache gegen die islamische Kopfbedeckung konzentrieren. Interessant wird es erst werden, wenn einmal eine jüdische Lehrerin oder sonstige Beamtin in Hessen auf ihrer Kopfbedeckung besteht: dann werden die deutschen Politiker und die deutsche Öffentlichkeit Farbe bekennen müssen, ob es ihnen nur um die Ablehnung des Islams geht oder ob eine echte staatliche Neutralität gewünscht wird, in der die Symbole aller Religionen im öffentlichen Dienst verboten sind.

Ich persönlich habe noch keine Probleme mit der Kopfbedeckung gehabt. Ich bedecke meine Haare aber auch nicht immer, wenn ich draußen bin. Vor allem an meinem Arbeitsplatz trage ich keine Kopfbedeckung. Ich will es einfach nicht. Ich müsste mir mit einer Kopfbedeckung im Beruf noch weitere Einschränkungen auferlegen, die ich für schlichtweg unvereinbar mit den hier üblichen Gepflogenheiten im Geschäftsleben halte. Wenn ich so religiös leben wollte, dass ich nur noch mit Kopfbedeckung arbeiten kann, dann dürfte ich nämlich auch meinen männlichen Kollegen nicht mehr die Hand geben und könnte mit keinem Kollegen oder gar Vorgesetzten kein vertrauliches Gespräch mehr hinter geschlossenen Türen führen. Das würde mir definitiv zu weit gehen. Ich will nicht jedem Kollegen, mit dem ich mal zu tun habe, die Umgangsregeln zwischen den Geschlechtern im Judentum erklären müssen, und ich will meine nichtjüdischen Kollegen auch gar nicht dazu nötigen, sich in ihrem eigenen Verhalten so weit an meine Minderheitenbedürfnisse anzupassen. Deshalb trage ich eine Kopfbedeckung ausschließlich im Privatleben - wozu dann aber meistens auch schon der Weg zur Arbeit und zurück gehört. Ich nehme meistens so eine Art Bandana, im Sommer oft auch mal eine Schildkappe und im Winter oft einfach einen großen Schal. In der Synagoge und für die zentralen religiösen Handlungen wie zum Beispiel Kerzenzünden trage ich generell ein Kopftuch, da ich dort dann wirklich Wert darauf lege, dass die Haare auch alle schön bedeckt sind ;)

An einer anderen Stelle auf meinem Blog hat Leser Christian mir einen Kommentar geschrieben, den ich hier in einem eigenen Beitrag noch einmal aufgreifen will.

Der Ausgangspunkt ist die Behauptung von Leserin Astrid, dass das Neue Testament ein “jüdisches Buch” sei. Leserin Schoschana und ich haben diese Einschätzung aus unserer jüdischen Sicht sachlich bestritten. Daraufhin schreibt Christian folgendes:

“Ich finde es lediglich bedauerlich festzustellen, dass einige Juden, denen ich begegnet bin, die das Neue Testament [...] inhaltlich ablehnen, auch ansonsten kein gutes Haar daran lassen. Damit meine ich deine und Schoschanas - aus meiner Sicht - ungerechtfertigten Verriss des Neuen Bundes. Ich lese dein Blog gerne, und bin froh, hier mit dir und anderen Juden Gedanken austauschen zu dürfen; in meinem persönlichen Umfeld habe ich nämlichen keine deutschen jüdischen Kontakte; mehr in Israel und den USA.”

Christian bringt hier also seine Enttäuschung darüber zum Ausdruck, dass einige Juden in seiner Umgebung negativ auf das Thema “Neues Testament” reagiert haben. Ich weiß nicht, mit welcher Absicht er mit diesen Leuten über das Neue Testament gesprochen hat und welche Antworten er erwartet hat. Ich weiß aber, welche Gefahren in solchen Gesprächen lauern und wie heftig (”ungerechtfertigter Verriss des Neuen Bundes”) die Enttäuschung auf christlicher Seite ausfallen kann, wenn die beteiligten Juden sich nicht auf eine Diskussion auf der Grundlage der christlichen Sichtweise einlassen und, wenn überhaupt, lieber ihre jüdische Sicht der Dinge zum Ausdruck bringen. Ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, dass das theologische Gespräch suchende Christen oft drei Punkte außer Acht lassen:

  1. Das Neue Testament ist eine dem Judentum fremde heilige Schrift einer anderen Religion. Ein Jude wird das Neue Testament im Rahmen seiner religiösen Studien normalerweise nicht lesen, um herauszufinden, ob Jesus nicht etwa doch der Messias ist, denn diese Frage ist jüdischerseits bereits vor 2000 Jahren entschieden worden. Ein Jude, der das Neue Testament überhaupt liest, wird dies also aus der gleichen Motivation tun, aus der ein Christ den Koran oder die Lehren Buddhas liest:  zum Zwecke der Information und der Allgemeinbildung oder im Rahmen eines wissenschaftlichen Studiums. 
  2. Die Inhalte des Neuen Testaments laufen den jüdischen Glaubensprinzipien total zuwider: die Vorstellungen von Jesus als dem erwarteten Messias und von einem Mensch gewordenen Gott sind dem Judentum fremd, so fremd, dass der Islam dem Judentum sogar noch näher steht. Nicht wenige Juden betrachten die Verehrung Jesu als Gott sogar als Götzendienst.
  3. Historisch ist das Neue Testament für die Juden in Europa mit Unterdrückung, Verfolgung, Vertreibung und Tod verbunden. Unter dem christlichen Antijudaismus haben Juden fast zweitausend Jahre lang gelitten. Offenheit und Interesse für Gespräche über die christliche Lehre gehen allein schon deshalb oft gegen Null, sind von einer negativen Grundhaltung getragen oder werden aus Furcht vor Mission abgeblockt.

Daraus folgt: Wer als Christ für die Meinung seines jüdischen Gesprächspartners nicht wirklich erwartungslos offen ist und mit etwaigem Desinteresse und offener Ablehnung nicht gut umgehen kann, sollte auf Gespräche mit Juden über das Neue Testament besser verzichten. Juden werden solche Gespräche, so hart das klingen mag, im Normalfall sowieso nicht vermissen.

In diesem Sinne: eine gute Woche!

Anna

NACHTRAG: Dieser Beitrag ist keine Einladung zur Darstellung und Diskussion christlicher Themen hier auf diesem Blog. ”mittendrin” ist eine jüdische Plattform und weder eine Informationsstelle zum Thema “Judentum für Christen” noch ein Forum für Gespräche über das Christentum mit Juden. Auch wenn bei einigen von euch das Thema Christen-Juden-Jesus jetzt an Ostern wieder einmal hoch im Kurs zu stehen scheint: das Blog “mittendrin” steht dafür nicht zur Verfügung, und entsprechende Kommentare werden gelöscht.

Posted by: Anna | 20. März 2008

“wie sagt man auf jüdisch frohe ostern”

Seit ein paar Tagen suchen hier Leute nach einer Antwort auf diese und ähnliche absurde Fragen  - und werden nicht fündig. Natürlich nicht.

Ich frage mich: Wie ist es mittlerweile eigentlich um die Allgemeinbildung bestellt? Auch wer kein oder auf nur dem Papier Christ ist, der kann doch rudimentäres Wissen darüber haben, was an diesem hohen Feiertag, der in unserem Kalender mit einem viertätigen Wochenende honoriert wird, überhaupt gefeiert wird. Lernt man so etwas denn nicht einmal mehr in der Schule? In Geschichte, wenn die Reformation durchgenommen wird, oder im Zusammenhang mit Judenverfolgung und Antisemitismus? Ich kann mich über die allgemeine Unwissenheit, zumindest soweit sie sich in meiner Besucherstatistik widerspiegelt, nur wundern.

Ansonsten - Purim Sameach!

Posted by: Anna | 17. März 2008

Jüdisch, religiös, erwachsen, unverheiratet

Das ist nicht der Anfang einer Kontaktanzeige, sondern eine Kombination von Eigenschaften, die zumindest in religiöser Hinsicht auf die Dauer ziemlich frustrierend sein muss. Das Judentum ist nämlich keine Religion, die sich darin erfüllt, dass man in die Synagoge geht, die Gebete spricht, koscher isst und im Umgang mit den Mitmenschen ethische Prinzipien pflegt. Das Judentum lebt vor allem in und mit der Familie. Das gemeinsame Essen am Schabbat und der Seder-Abend an Pessach sind, um nur einmal zwei bekannte Beispiele zu nennen, wichtige Bestandteile des jüdischen Lebens, die man als Single kaum mit sich allein veranstalten kann. Während man bei den einmal im Jahr stattfindenden Ereignissen wie dem Pessach-Seder noch in der Gemeinde, bei Verwandten oder Freunden unterkommen kann, lässt sich für den wöchentlich wiederkehrenden Schabbat kaum regelmäßig eine adäquate Alternative für die vertraute, warme Atmosphäre in der eigenen Familie finden. Leute, die religiös leben wollen, müssen sich darüber im klaren sein, dass sie, wenn sie nicht heiraten, einen wesentlichen Aspekt des jüdischen Lebens verpassen werden. Vor allem Leute, die mich auf einen Übertritt zum Judentum ansprechen, weise ich immer wieder darauf hin, dass sie die Bedeutung des Familienlebens im Judentum bloß nicht unterschätzen sollen. Wer religiös leben will, sollte bald nach dem Übertritt (oder bei geborenen Juden: nach der Entscheidung für ein religiöses Leben) die Gründung einer Familie als nächstes Lebensziel anvisieren. Selbstgewähltes Alleinsein oder gar Seder- und Schabbat-Hopping sind auf die Dauer kein befriedigender Ersatz für ein eigenes jüdisches Familienleben.

Posted by: Anna | 4. März 2008

Woche der Brüderlichkeit

Die “Woche der Brüderlichkeit” geistert zur Zeit durch jüdische und andere Blogs. Mir fällt dazu beim besten Willen nichts ein. Ich fühle mich nicht angesprochen - so wie ich mich von den Veranstaltungen der Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit grundsätzlich nicht angesprochen fühle.  Die Themen dieser Gruppen mit mehrheitlich christlichen Mitgliedern sind nicht meine Themen. Deshalb: kein Kommentar zur Woche der Brüderlichkeit.

Mein altes Auto habe ich heute an einen eingebürgerten Afghanen verkauft. Nach allem, was ich mir in den letzten Tagen von deutschen Interessenten am Telefon angehört habe, habe ich beschlossen, das Auto nur noch an einen Ausländer zu verkaufen. Der perfekte Gebrauchtwagen für den gewöhnlichen deutschen Autokäufer auf dem Privatmarkt sieht nämlich so aus: kostet fast nix, ist aber auch nach 10 Jahren noch fast wie neu, hat allen erdenklichen Komfort und - ganz wichtig, ja schon heilig - kommt mit einem tadellosen Service-Heft voller Stempelchen. Bei derart hochgeschraubten Ansprüchen ist der Ärger hinterher wahrscheinlich vorprogrammiert. Und somit habe ich es dem Afghanen verkauft. Der hatte so viel Sachverstand, dass er erkannt hat, dass das Auto sein Geld wert ist und hat auch sofort bezahlt. Morgen bekommt er das Auto auf der Zulassungsstelle übergeben, nachdem ich es abgemeldet habe - und gut ist.

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