Jüdische Frauen tragen, sofern sie verheiratet, geschieden oder verwitwet sind und religiös leben, eine Kopfbedeckung. Das kann eine Kappe, ein Hut, eine Perücke oder auch ein Kopftuch sein. Eine Leserin hat mich nun gefragt, ob jüdischen Frauen in Deutschland, die ihre Haare bedecken, die gleiche Intoleranz entgegenschlägt wie den muslimischen, kopftuchtragenden Frauen. Ehrlich gesagt ist das nicht so einfach zu beantworten. Erstens sehen nämlich die jüdischen Kopfbedeckungen ganz anders aus als die muslimischen. Es gibt zwar auch das Kopftuch (hier schön anzuschauen), aber in Deutschland habe ich noch keine jüdische Frau mit Kopftuch außerhalb der Synagoge gesehen. Die üblichen Kopfbedeckungen von jüdischen Frauen sind für den Außenstehenden eher unauffällig: eine Perücke ist eine Perücke, und eine Kappe oder ein Hut sind modische Accessoires, die auch von nichtjüdischen Frauen und ohne religiöse Motivation getragen werden können. Darüber hinaus gibt es nur wenige jüdische Frauen in Deutschland, die so observant leben, dass sie in der Öffentlichkeit eine Kopfbedeckung tragen. Und von diesen wenigen ist anscheinend keine im staatlichen Schuldienst oder als hessische Beamtin tätig. Die deutsche Öffentlichkeit braucht sich also gar nicht mit der jüdischen Kopfbedeckung zu beschäftigen und kann sich ganz in Ruhe auf die Stimmungsmache gegen die islamische Kopfbedeckung konzentrieren. Interessant wird es erst werden, wenn einmal eine jüdische Lehrerin oder sonstige Beamtin in Hessen auf ihrer Kopfbedeckung besteht: dann werden die deutschen Politiker und die deutsche Öffentlichkeit Farbe bekennen müssen, ob es ihnen nur um die Ablehnung des Islams geht oder ob eine echte staatliche Neutralität gewünscht wird, in der die Symbole aller Religionen im öffentlichen Dienst verboten sind.
Ich persönlich habe noch keine Probleme mit der Kopfbedeckung gehabt. Ich bedecke meine Haare aber auch nicht immer, wenn ich draußen bin. Vor allem an meinem Arbeitsplatz trage ich keine Kopfbedeckung. Ich will es einfach nicht. Ich müsste mir mit einer Kopfbedeckung im Beruf noch weitere Einschränkungen auferlegen, die ich für schlichtweg unvereinbar mit den hier üblichen Gepflogenheiten im Geschäftsleben halte. Wenn ich so religiös leben wollte, dass ich nur noch mit Kopfbedeckung arbeiten kann, dann dürfte ich nämlich auch meinen männlichen Kollegen nicht mehr die Hand geben und könnte mit keinem Kollegen oder gar Vorgesetzten kein vertrauliches Gespräch mehr hinter geschlossenen Türen führen. Das würde mir definitiv zu weit gehen. Ich will nicht jedem Kollegen, mit dem ich mal zu tun habe, die Umgangsregeln zwischen den Geschlechtern im Judentum erklären müssen, und ich will meine nichtjüdischen Kollegen auch gar nicht dazu nötigen, sich in ihrem eigenen Verhalten so weit an meine Minderheitenbedürfnisse anzupassen. Deshalb trage ich eine Kopfbedeckung ausschließlich im Privatleben - wozu dann aber meistens auch schon der Weg zur Arbeit und zurück gehört. Ich nehme meistens so eine Art Bandana, im Sommer oft auch mal eine Schildkappe und im Winter oft einfach einen großen Schal. In der Synagoge und für die zentralen religiösen Handlungen wie zum Beispiel Kerzenzünden trage ich generell ein Kopftuch, da ich dort dann wirklich Wert darauf lege, dass die Haare auch alle schön bedeckt sind 