Zugegeben, man kann die Beschneidung eines nicht einwilligungsfähigen acht Tage alten Jungen als Körperverletzung bewerten. Zugegeben auch, dass ich mir über diese Frage schon ähnliche Gedanken gemacht habe. Die Beschneidung der Vorhaut ist schließlich tatsächlich ein irreversibler Eingriff, der einem Menschen sein Leben lang anhaftet – egal ob er das als Erwachsener will oder nicht.

Durch ein Gericht wirkungsvoll verbieten kann man die Beschneidung aber nicht. Für Juden ist ein solches Verbot ein Angriff auf ihre Religion schlechthin, die Beschneidung ist immerhin eines der wichtigsten Gebote überhaupt. Beschneidungsverbote hat es in der jüdischen Geschichte des öfteren gegeben, und Juden haben schlimmere Strafandrohungen als die Sanktionen eines bundesdeutschen Gerichts auf sich genommen, um ihre Söhne dennoch beschneiden zu lassen.

Das Urteil des Landgerichts Köln ist daher strafrechtlich gesehen sinnlos. Es wird seinen Weg durch die Instanzen gehen und letztlich wieder aufgehoben werden. Kein deutsches Gericht wird sich wagen, jüdischen Eltern zu sagen, dass sie ihren Sohn in Deutschland nicht beschneiden lassen dürfen oder sie gar dafür verurteilen.
Spannend bleibt die Frage, ob und wie die deutsche Politik sich dazu stellt. Man kann nicht auf der einen Seite ständig die jüdisch-christliche Tradition beschwören, jüdisches Leben in Deutschland wünschen und fördern und auf der anderen Seite ein Gerichtsurteil gutheißen, das jüdisches Leben in Deutschland unmöglich macht.
Feines Dilemma, das sich da auftut.

Verfasst von: Anna | 11. April 2011

Wein aus Israel kaufen

Hat einer meiner Leser vielleicht einen Tipp, welche überregionale Kaufhaus- oder Lebensmittelkette israelischen Wein im Sortiment führt? Mit Koscher-Stempel, meine ich, also keine arabisch-christliche Produktion. Ich habe nämlich immer noch keinen Wein für Pessach, und die einschlägigen Koscher-Geschäfte hier in Deutschland sind mir einfach zu teuer.

Verfasst von: Anna | 19. März 2011

Boykottiert die Linken!

Linke Aktivisten haben kürzlich vor einem Supermarkt in Bremen zum Boykott von israelischem Obst aufgerufen. Mit umgehängten Tafeln, auf denen eine blutende Orange prangte, haben Mitglieder des sogenannten Bremer Friedensforums Kunden und Passanten gegen Israel aufzustacheln versucht (Foto: hier).

Aus Gründen der Fairness sollte dieses Häuflein engagierter Nahost-Versteher von jetzt an jede Woche vor einem anderen Laden aufwarten, um zum Boykott von Waren auch aus anderen Ländern aufzurufen, und zwar vor allem aus solchen, in denen Unrecht und Unterdrückung tatsächlich im großen Stil zu beklagen sind: chinesische Elektronik wegen der Unterdrückung der Tibeter und der Missachtung der Menschenrechte in China, libysches und anderes arabisches und iranisches Öl wegen Ghaddafi, sonstigen arabischen Despoten und Achmadinedschad, russisches Gas wegen Tschetschenien, türkisches Obst wegen der Kurden und Armenier. Ansonsten würde die ganze friedensbeseelte Aktion doch zu sehr daran erinnern:

Aber über schnöden Antisemitismus sind die linken Antizionisten ja angeblich erhaben.

Verfasst von: Anna | 14. März 2011

Armes Japan, arme Japaner

Japan wird von einer Katastrophe heimgesucht, die schlimmer ist als alles, was ich als Zeitzeugin bisher erlebt habe. Nicht der Tsunami von 2004 im Pazifik, nicht das Erdbeben von 2010 in Haiti, nicht die vielen anderen Naturkatastrophen und Kriege mit Hunderttausenden von Toten gehen mir so nah wie diese Multi-Katastrophe aus Erdbeben, Flut und Nuklearunfällen. Mein Mitgefühl ist in Japan, bei den Menschen dort, die noch irgendwo in den Trümmern auf Hilfe hoffen; bei denjenigen, die es in die Notunterkünfte geschafft haben und obdachlos geworden sind; bei denen, die Familie und Freunde so brutal verloren haben und bei allen, die jetzt in Angst vor radioaktiver Strahlung weiterleben. Ich glaube, es ist nicht übertrieben zu sagen, dass die Japaner im Nordosten des Landes gerade eine Katastrophe apokalyptischen Ausmaßes durchmachen.

Leider genauso sprachlos wie diese Tragödie machen mich die Reaktionen in Deutschland. Es ist tatsächlich nicht ein Tag vergangen, bis das Thema Atomausstieg mit Wucht in die Schlagzeilen und in die öffentliche Debatte zurückgekehrt ist.  Die SPD und die Grünen in Baden-Württemberg sehen ihre Stunde gekommen, im aktuellen Wahlkampf zu punkten. Dabei spielt es keine Rolle, dass wir hier weder Erdbeben noch Tsunamis haben. Die Katastrophe wird instrumentalisiert, es wird schamlos mit der Angst der Bevölkerung gespielt, die nach 30 Jahren Gehirnwäsche durch unsere linken Öko-Kampfgruppen so gehirngewaschen ist, dass sogar die Bundesregierung diese Stimmung in vorauseilendem Gehorsam schon bedient hat und die Überprüfung der Sicherheit unserer AKWs fordert, deren Laufzeit sie gerade um 12 Jahre verlängert hat. Was sind wir doch für ein bescheuertes Land.

Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass die Menschen in Deutschland irgendwann aufwachen und erkennen, dass sie den Atomkraftgegnern auf den Leim gegangen sind, dass sie einer Ideologie aufgesessen sind und dass wir ohne Atomstrom unseren Wohlstand und unsere Wettbewerbsfähigkeit nicht erhalten könnten. In keiner anderen führenden Volkswirtschaft meint man, auf Atomstrom verzichten und damit die Welt retten zu wollen. Dieser Extremismus ist eine deutsche Erfindung.

Verfasst von: Anna | 23. Januar 2011

Ohne Handy-Nummer keinen El-Al-Newsletter

Persönlich sind mir die Angebote von El Al ja egal, ich fliege schon lange nicht mehr mit dieser ach-so-sicheren Fluglinie nach Israel. Trotzdem habe ich mir gerade deren Newsletter abonnieren wollen, um mich über die Preisgestaltung bei Israel-Flügen auf dem Laufenden zu halten. Und was entdecke ich: ein Pflicht-Eingabefeld für meine Mobilfunknummer! Diese Airline will doch tatsächlich meine Handy-Nummer wissen, bevor sie mir ihren Newsletter in meine Mailbox schickt.

Ja, danke auch. Dann schickt ihr mir halt keine Werbung, auch gut. Keine andere Airline und kein seriöses Unternehmen im Internet hat jemals meine Handy-Nummer verlangt, nur weil ich einen Newsletter abonnieren wollte. Wofür also will El Al meine Handy-Nummer? Um mich anzurufen? Will ich nicht. Um die Nummer (möglichst noch mit meinem Namen) in eine Datenbank aufzunehmen und unter „Sicherheitsaspekten“ auszuwerten? Gott behüte. Das ist gegen meine Sicherheitsstrategie – auch wenn ich bei El Al keine Klingelton-Abo-Falle erwarte :mrgreen:

Verfasst von: Anna | 30. Dezember 2010

Silvester

Morgen ist Silvester. Das heißt: laute Böller und Raketen am Schabbat.  Wirklich gut passen tut das nicht, aber ändern können wir’s auch nicht. Wenn unsere Nachbarn dieses Jahr wieder so ein schickes Mega-Feuerwerk abfackeln wie letztes Jahr, dann gucken wir eben auch mal aus dem Fenster ;)

In diesem Sinne wünsche ich Euch allen ein gutes und vor allem gesundes und zufriedenes Jahr 2011.

Verfasst von: Anna | 21. November 2010

Das Phantom “jüdisch-christliche Hochzeit”

Die Mischehen-Problematik hat jetzt auch bei uns eingeschlagen. Meine Nichte B. ist seit ein paar Monaten mit einem Nichtjuden liiert und will ihn heiraten. Hals über Kopf, möglichst noch in diesem Jahr, wenn es sein muss, auch ohne die Familie, die den Goi noch nicht einmal kennenlernen will. B. hat Torschluss-Panik, sie ist bald 40, der jüdische Heiratsmarkt ist in diesem Alter leergefegt (bzw. sind nur noch ein paar tembelim zu haben), ihre biologische Uhr tickt und sie will unbedingt noch ein Kind, egal wie, egal von wem.

Der deutsche Freund ist jedenfalls evangelisch, liest sich fleißig ins Judentum ein und gibt sich tolerant: in der Ehe soll jeder seine Religion leben und das geplante Kind möge einmal selbst entscheiden, ob es jüdisch oder evangelisch sein will. Starten will er das gemeinsame Leben „gleichberechtigt“ mit einer „ökumenischen Hochzeit“, einer Trauung also, bei der ein evangelischer Pfarrer und ein Rabbiner anwesend sein sollen. Dass das von unserer Seite aus so nicht geht, will ihm nicht in den Kopf. Und dass B. sich darauf gar nicht einlassen würde, auch nicht. Aber B. ist immerhin jüdisch genug, dass sie mit der Kirche nichts zu tun haben will. Sie ist von einer „neutralen“ standesamtlichen Hochzeit ausgegangen. Ihrem Freund ist das Standesamt zu wenig, er will einen „Segen“ haben. Jetzt herrschen Ratlosigkeit und Frust. B. scheint endlich zu kapieren, worauf sie sich einlassen würde, während ihr Freund sich mit seinen Multi-Kulti-Vorstellungen am Judentum die Zähne ausbeißt.  Mission aborted sozusagen, zumindest vorerst.

Verfasst von: Anna | 30. Oktober 2010

Gelungene Integration?

Angela Merkel hat die jüdischen Gemeinden in Deutschland als positives Beispiel für eine gelungene Integration gewürdigt. Die Bundeskanzlerin war halt noch nicht dabei, wenn Rabbiner  am Ende von Jom Kippur in von Steuergeldern finanzierten deutschen Synagogen die israelische Nationalhymne anstimmen. Oder wenn am Schabbat das Gebet für den Staat Israel und die israelische Armee gesprochen wird. Ich habe da nichts dagegen, aber ich kann auch echt kein Bekenntnis zum deutschen Staat im Sinne einer “gelungenen Integration” erkennen.  Und dass mir jetzt niemand mit der besonderen Bedeutung des Staates Israel für Juden kommt. Dass es auch anders geht, sieht man in Großbritannien: dort betet man in den Synagogen für die Queen. Ich kann das politisch korrekte Gefasel unserer Politiker nicht mehr hören.

Verfasst von: Anna | 17. September 2010

Zum Jom Kippur: Gmar Chatima Tova!

Gmar Chatima Tova ve-Zom Kal, eine gute Unterschrift und leichtes Fasten, wünsche ich meinen jüdischen Lesern.  Und Schabbat Schalom natürlich.

Persönlich steht mir momentan der Kopf nicht nach Jom Kippur. Meine kleine Schwester ist im Krankenhaus. Sie wird heute operiert, danach kommt sie auf die Intensivstation. Dreimal dürft ihr raten, wo ich da mit meinen Gedanken bin. Ehrlich gesagt, weiß ich überhaupt nicht, ob ich es heute Abend in die Synagoge schaffe. Ich gehe nur, wenn meine Schwester die OP gut überstanden hat und im Krankenhaus alles im grünen Bereich ist.

Verfasst von: Anna | 13. September 2010

Rosch haSchana in London

… war reizend. Wir haben drei erholsame Tage mit unseren Freunden verbracht. Sie kenne ich noch aus der Zeit, als sie für ein Jahr lang bei meinem Arbeitgeber auf Entsendung war. Er ist ihr Bald-Ehemann. Die beiden sind jüdisch und doch so britisch, dass ich sie mir einfach nur in UK vorstellen kann. In der Synagoge, in die sie uns mitgenommen haben, hat man uns spontan freundlich aufgenommen und das Gefühl gegeben, willkommen zu sein. Wenn ich mir ausmale, wie so eine Spontanaktion in Deutschland verlaufen würde – Horror. Hier kommt man ja als Fremder ohne Anmeldung in eine Synagoge kaum hinein. Dort wäre das trotz aller Sicherheitsvorkehrungen auch ohne unsere Freunde möglich gewesen; in London ist man auf spontane Gäste an den Hohen Feiertagen eingestellt, hieß es. Überhaupt habe ich dort das “Wir-sind-anders-und-bleiben-lieber-unter-uns-Syndrom” vermisst. Ach so, und den Rest des Wochenendes haben wir geshoppt. Das muss ja sein in London.

Older Posts »

Kategorien

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 32 Followern an