Sobald ich die Haustür hinter mir geschlossen habe, bin ich in meiner eigenen, gar nicht mehr so deutschen Welt. Hier in der Familie sprechen wir hebräisch, sehen israelische und andere ausländische Fernsehsender, halten unsere Küche koscher und haben unseren wöchentlichen Ruhetag in den 25 Stunden von Freitag- auf Samstagabend. Das tut besonders nach einem anstrengenden Arbeitstag ”draußen” gut. Beruflichen Stress und irgendwelchen Ärger kann ich besser hinter mir lassen, wenn ich hebräisch spreche und mich mit israelischem Fernsehen berieseln lasse anstatt mit deutschem TV (wo dann ja doch wieder die gleichen Themen durchgekaut werden, die ich schon tagsüber erleben darf). Manchmal, wenn sich die öffentliche Diskussion mal wieder darum dreht, frage ich mich dann: lebe ich denn zu Hause nicht auch in einer Parallelgesellschaft? Immerhin spreche ich in meinen eigenen vier Wänden meist nicht deutsch, hole mir über meine Satellitenschüssel mein ausländisches Lieblingsfernsehen ins Wohnzimmer und habe überhaupt ganz andere Gewohnheiten als die deutsche Mehrheitsgesellschaft! Na Gott sei dank bin ich immerhin der deutschen Sprache mächtig und mit deutschen Gepflogenheiten vertraut :-).
Eure Anna
Veröffentlicht in Gesellschaft, Judentum
