Der Jüdische Museum in Berlin veranstaltet vom 3. bis zum 31. Dezember 2006 einen “Chanukka-Markt”. Was den Besucher dort erwartet, wird auf der Website des Museums so beschrieben:
“Im winterlich-festlich geschmückten Platanenwäldchen sorgen Glühwein aus koscherem Wein und Chanukkaspezialitäten für die Verköstigung der Besucher. Traditionelles und Ausgefallenes, Kitsch und Kunst - hier finden sich hochwertige Chanukkaprodukte aus Deutschland, den USA und Israel. Aber auch Weihnachtliches zum Verschenken und selber Ausprobieren wird an den Ständen feilgeboten, ist doch der Markt eine Einladung an die Besucher, die verschiedenen Bräuche rund um beide Feste kennenzulernen. Der diesjährige Chanukka-Markt knüpft an den großen Erfolg des Weihnukka«-Marktes an, der im letzten Jahr im Rahmen des Begleitprogramms zur Sonderausstellung »Weihnukka. Geschichten von Weihnachten und Chanukka« stattfand. Er vermittelt Gemeinsamkeiten und Unterschiede beider Feste. “
Dieser Chanukka-Markt ist demnach ein Markt, der Chanukka und Weihnachten gleichzeitig bedienen will. Also so eine Art christlich-jüdischer Weihnachts-Chanukka-Markt. Ich frage mich, was das bringen soll (außer Umsatz natürlich). Abgesehen von ein paar Äußerlichkeiten wie einem ähnlichen Datum der beiden Feste (Dezember) und dem reichlichen Einsatz von Kerzenlicht haben Chanukka und Weihnachten doch nichts gemeinsam. Und ich frage mich, welche Zielgruppe hier überhaupt angesprochen werden soll. Juden doch wohl eher nicht, oder? Ich zumindest kann mit so einem jüdisch-christlichen Markt unter dem Label “Chanukka” recht wenig anfangen. Wenn ich Chanukka-Kerzen kaufen will, dann gehe ich lieber in einen jüdischen Laden, wo ich nicht nur die Kerzen bekomme, sondern auch ein jüdisches, weihnachtsfreies Ambiente. Insofern ist das wohl eher eine Veranstaltung für ”Nichtjuden mit Interesse am Judentum”. Aus jüdischer Sicht bleibt mir da nur zu hoffen, dass die am Judentum interessierten nichtjüdischen Besucher das kunterbunte Chanukka-Weihnachts-Durcheinander nicht irrtümlicherweise für bare Münze nehmen und als authentisches jüdisches Leben begreifen.
Eure Anna
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