Nicht zu fassen, wie schnell die Zeit vergeht. Kaum hat so ein Jahr angefangen, da ist es auch schon wieder vorbei. Ich kann mich noch gut an die Zeit erinnern, als mir ein Jahr wie eine Ewigkeit vorkam und der Jahrtausendwechsel sogar noch viele Ewigkeiten entfernt war. Heute liegt das alte Jahrtausend nun schon etliche Jahre hinter uns, und die Zeit rast unaufhaltsam weiter. Seit ich Jüdin bin, habe ich dieses Gefühl zu allem Überfluß auch noch zweimal im Jahr: am bürgerlichen Neujahr am 1. Januar und an Rosch Haschana, dem jüdischen Neujahrsfest, im Herbst. Und das, obwohl man die beiden Tage eigentlich gar nicht vergleichen kann. Während Rosch Haschana einer der höchsten jüdischen Feiertage mit entsprechender religiöser Bedeutung ist, ist der 1. Januar ein weltlicher Jahreswechsel, der überwiegend mit ausgelassenen Feiern, Lärm und Feuerwerk, Böllerschießen, Orakeln und allerlei Glücksbringern begangen wird. Damit konnte ich übrigens auch früher schon nicht viel anfangen; die wilde Ausgelassenheit an Silvester erschien mir immer irgendwie unangemessen für so einen Jahreswechsel, der einen ja eher nachdenklich stimmen kann. Ein kulturhistorisch interessanter Aspekt an Silvester ist für mich aber die Tatsache, dass sich darin noch so deutlich germanisches Brauchtum widerspiegelt, allen voran der viele Lärm zum Vertreiben der bösen Geister. Das ist einer der vielen Bräuche, die trotz der über tausend Jahre zurückliegenden Christianisierung in der Volkskultur erhalten geblieben sind - auch wenn es heute wohl kaum jemanden noch ernsthaft um die bösen Geister geht.
In diesem Sinne wünsche ich euch allen einen guten Jahreswechsel und ein gesundes und glückliches Jahr 2007.
Eure Anna
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