Gestern abend ist es doch wieder passiert: ich habe meine Silvestermelancholie bekommen. Es war ja auch nicht vermeiden. Zwar bin ich um 23:30 Uhr ins Bett gegangen, aber an Schlaf war bei dem Lärm natürlich nicht zu denken. Im Wohnzimmer zappte sich mein Mann gerade durch alle Programme. Grauenhaft! [...]Aufgesetzte Feierlaune soweit die Fernbedienung reichte. Musikantenstadl & Co. leisteten kurz vor Mitternacht wieder ganze Arbeit. Ich frage mich, was feiern die alle an Silvester eigentlich? Dass der Kalender sie überdeutlich daran erinnert, dass sie gerade wieder ein Jahr Lebenszeit hinter sich gebracht haben? Oder, auf Deutschland 2007 bezogen, dass wir jetzt 19 % Mehrwertsteuer, noch höhere Renten- und Krankenkassenbeiträge, einen nochmals halbierten Sparerfreibetrag, eine GEZ-Zwangsgebühr für PCs und was weiß ich noch alles für Belastungen mehr haben - ohne die ernsthafte Erwartung, dass das langfristig wirklich etwas bringt? Nein, das kann es nicht sein. Diese ritualisierte Partylaune an Silvester muss so eine Art Selbstschutzmechanismus sein: mit lauten, wilden Feiern werden trübsinnige Gedanken über die eigene Vergänglichkeit und die Zukunft einfach vermieden. Und oft ist es doch sogar so: je schwieriger der Alltag, desto ausgelassener wird gefeiert. Deshalb gab es wohl gestern abend bei uns so viel Feuerwerk wie schon lange nicht mehr. Obwohl immer mehr Menschen immer weniger Geld im Portemonnaie haben, wurde ab Mitternacht gezündelt und geschossen, was das Feuerwerkssortiment hergab. Mein Mann saß am Fenster und zählte mit: ein Euro, noch ein Euro, und noch ein Euro … Wenn es nach neun Raketen eine Pause gab, dann, so behauptete er, war das ein Neun-Euro-Aldi-Sortiment
Eure Anna
Veröffentlicht in Gesellschaft, Wirtschaft
