Das Filmchen über die Saddam-Hinrichtung ist der Renner in Blogcharts und Suchmaschinen. Heerscharen von Neugierigen sind wild darauf, endlich mal live das anschauen zu können, was selbst in unserer fast tabufreien Gesellschaft im Fernsehen normalerweise nicht zu sehen ist: eine Hinrichtung vom Anfang bis zum Ende. [...] Grundsätzlich wundern tut mich das nicht. Nur weil wir hier heute keine Todesstrafe haben, heißt das ja noch lange nicht, dass niemand da gern mal zusehen würde. Im Mittelalter versammelten sich gröhlende Massen auf den Dorf-Marktplätzen, wenn dort eine Exekution stattfinden sollte, und auch heute werden in einigen Ländern Hinrichtungen noch öffentlich mit viel Publikum zelebriert. Es gab und gibt also immer Interessierte für derlei Geschehen. Nur einen solch extremen Run auf dieses Video hätte ich nicht erwartet. Das ist doch nicht mehr nur Interesse an der Sache an sich, sondern Mitredenwollen oder gar Instinktbefriedigung oder aber einfach gedankenloses Anklicken. Die in Hinrichtungsszenarien ungeübten deutschen Schaulustigen sollen bloß aufpassen, dass sie sich nicht überfordern: das Video ist schnell angeklickt und kurz, aber die Bilder bleiben dem einen oder anderen möglicherweise noch lange im Gedächtnis.
Eure Anna
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