… versetzen mich immer öfter in Staunen. Ich habe es noch so gelernt, dass man mit einer Einladung zum Geburtstag oder einem anderen besonderen Anlass seine Freude über diesen Tag mit seinen Lieben teilen will. In letzter Zeit bekomme ich aber immer häufiger den Eindruck, dass es den Menschen nur noch um sich selbst und überhaupt nicht mehr um das Wohl ihrer Gäste geht. Sprich, der Geburtstag wird exakt so durchgezogen, wie es dem Gastgeber - und nur diesem - in den Kram passt.
Da gibt es Leute, die einem genau vorschreiben, was man ihnen bitteschön zu schenken hat: ein Buch von ihrer Amazon-Wunschliste etwa, die sie sich extra für diesen Anlass online eingerichtet haben. Hast du eine andere Idee oder ein Problem mit Online-Handel im allgemeinen oder Amazon im speziellen, dann hast du ein Problem, denn andere Geschenke sind ausdrücklich nicht erwünscht.
Dann gibt es Mitmenschen, die ihre Geburtstagsfeier für samstags tagsüber ansetzen. Das hat für den Gastgeber den Vorteil, dass er sich am Samstagabend und den ganzen Sonntag noch von den Strapazen des Feierns erholen kann. Der berufstätige Gast hingegen hat puren Stress, weil sein Einkaufs-, Wohnungsputz- und Handwerkstag komplett wegfällt.
Und schließlich gibt die Zeitgenossen, die ihre Gäste pompös ins Restaurant einladen, nur um ihnen dann allen ein Überraschungs-Einheitsessen zu servieren. Das besteht dann - man will ja schließlich teures Fleisch anbieten - aus Schweinelendchen mit Kroketten und Salat. Alle Vegetarier und diese Fleischsorte nicht essenden Gäste müssen sich dann eben unter den kritischen Blicken der anderen Gäste an den Kroketten und dem Salat festhalten und sich womöglich noch Sprüche anhören wie “ach probier doch wenigstens mal ein Stückchen, das ist doch soooo zart”.
Und warum mich das gerade alles so aufregt? Weil wir neulich eine Geburtstagseinladung von einer Freundin für einen Samstagmittag in einer anderen Stadt bekommen haben und diese Freundin (selbst mit ehemaligen Giur-Ambitionen und durch die langjährige Freundschaft bestens mit jüdisch-observantem Lebensstil vertraut) uns zwar pro forma fragte, ob das denn wegen Schabbat “ein Problem” für uns wäre, aber dann ziemlich entrüstet war, als es tatsächlich ein Problem war. Sie wollte unbedingt an diesem einen Tag um die Mittagszeit alle ihre Freunde gleichzeitig um sich haben. Punkt. Keine Widerrede. Wir haben uns dann auf den Abend geeinigt. Sofort nach Schabbat wollten wir uns ins Auto schwingen und zu ihr hindüsen, um mit ihr doch noch auf ihren Geburtstag anzustoßen. Inzwischen hat sie die Feier selbst absagen müssen und auf April verschoben. Wieder auf einen Samstagmittag. Mit dem späteren Sonnenuntergang wird es dann allerdings auch für die abendliche Spritztour zu ihr zu spät. Mal sehen, wie groß die Entrüstung dann sein wird.
Eure Anna
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