werden traditionell nicht mitgezählt, wenn es darum geht, festzustellen, ob der für einen G-ttesdienst erforderliche Minjan vorhanden ist. Im orthodoxen Judentum besteht ein Minjan aus mindestens zehn erwachsenen jüdischen Männern. Sind nicht mindestens 10 solcher Männer anwesend, können bestimmte Gebete und zum Beispiel auch die Torah-Lesung nicht stattfinden - und dabei ist es unerheblich, wieviele Frauen sich im Raum befinden. Im orthodoxen Judentum sitzen außerdem die Frauen in der Synagoge von den Männern getrennt, tragen keinen Tallit (Gebetsschal) und keine Kippa, kommen im Rock und nicht in Hosen und wirken am G-ttesdienst nicht aktiv gestaltend mit. Kurzum: Frauen haben in der Synagoge nicht die gleichen Rechte wie Männer. Andererseits haben sie aber auch nicht die gleichen Pflichten: Frauen sind generell von vielen Geboten befreit, deren Erfüllung an eine bestimmte Zeit gebunden ist und dazu gehört auch die Teilnahme am G-ttesdienst. Frauen können also zum Gebet in die Synagoge kommen, sie müssen aber nicht.
Mit dem gesellschaftlichen Zeitgeist, mit Emanzipation und Gleichberechtigung, ist das offensichtlich nicht vereinbar. Vor allem nichtjüdische Frauen haben mich deshalb auch schon entrüstet gefragt, wie man denn als Frau zu so einer Religion konvertieren kann, in der man sich im G-ttesdienst nicht aktiv einbringen darf. Dabei habe ich mir gerade diese Frage so nie gestellt. Ich habe noch nicht einmal aus Neugierde einen sogenannten egalitären Minjan besucht, wo die Frauen zum Minjan mitzählen, mit den Männern zusammensitzen, Kippa und Tallit tragen und sich zur Torah aufrufen lassen dürfen. Das ist mir zu sehr an den Zeitgeist angepasst, der besagt, dass Frauen immer und überall die gleichen Rechte und Möglichkeiten haben müssen wie Männer. Und damit kann man mich inzwischen echt jagen. Das ganze Emanzipations-Selbstverwirklichungs-Befreiungs-Gelaber ist für mich mittlerweile ein rotes Tuch, weil ich immer häufiger von Frauen höre, dass sie mit der Doppelbelastung von Beruf und Familie überfordert sind und, selbst wenn sie es sich finanziell leisten könnten, sich doch nicht trauen, die Konsequenzen zu ziehen und mit den Kindern zu Hause zu bleiben. Gesellschaftlicher Druck ist die häufigste Begründung für diesen selbst auferlegten Doppelstress: diese Frauen wollen nicht als Versagerinnen dastehen, die dem modernen Frauenbild nicht gerecht geworden sind
In Anbetracht dieser gesellschaftlichen Realität bin ich im orthodoxen Judentum sehr gut aufgehoben. Hier drängt mich niemand in die anstrengende Doppelrolle der modernen Frau, die Beruf und Familie irgendwie unter einen Hut bringen muss, wenn sie sich nicht als Heimchen am Herd diffamieren lassen will. Das ist eine sehr befreiende Vorstellung, die es für die meisten Frauen in unserer überemanzipierten deutschen Gesellschaft gar nicht mehr gibt
Eine gute Woche wünscht euch
Anna
Categories:
