Bischof Wolfgang Huber, der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, hat im Gespräch mit Axel Ayyub Köhler vom Zentralrat der Muslime kritisiert, dass Frauen in Moscheen getrennt von den Männern beten und hofft diesbezüglich auf „Aufklärung, noch mehr aber auf eine Veränderung“ (mehr hier). Nun, da wird er wohl vergeblich hoffen. Nur weil ein deutscher Bischof sich an der traditionellen Geschlechtertrennung im Islam stört, werden sich in keiner Moschee fortan Frauen und Männer zum Gebet in gemischter Gruppe zusammenfinden. Albern, der Gedanke.
Aber einmal abgesehen davon, dass ihn die Sitzordnung in der Moschee auch gar nichts angeht: schade ist, dass er nicht den Mut hat, das Judentum hier gleich mitanzugreifen. Bei uns sitzen Frauen und Männer in den orthodoxen Synagogen schließlich auch getrennt, und zwar oft so, dass die Männer unten im Hauptraum beten und die Frauen im ersten Stock auf einer Galerie, die dann manchmal auch noch einen Sichtschutz hat. Und so etwas empört Herrn Dr. Huber nicht? Kaum vorstellbar, ehrlich. Ich glaube eher, dass er und die Seinen sich eine offene Kritik nur verkneifen, weil das den geliebten christlich-jüdischen Dialog torpedieren würde, den sie seit Jahren so engagiert betreiben (wobei ich mich immer frage, wer da von jüdischer Seite eigentlich mitmacht, aber das ist ein anderes Thema).
Ich empfehle Herrn Bischof Huber dringend, andere Religionen mit jeglichen Forderungen nach Veränderung zu verschonen. Das ist überheblich und sinnlos. Ironischerweise ist ja auch die evangelische Kirche selbst das beste Beispiel dafür, dass andauernde Reformen und Anpassung an den Zeitgeist nichts bringen: trotz der vielen (Quoten-)Pfarrerinnen, dem gemeinsamen Gebet von Frauen und Männern und modernen Verirrungen wie der Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften laufen der evangelischen Kirche seit Jahrzehnten die Mitglieder weg. Soll heißen: die Kirchenbänke, auf denen in gemischter Gruppe gebetet werden darf, bleiben leer, während die getrennten Gebetsräume für Männer und Frauen in den Moscheen voll sind. Wer hat denn da nun mehr Erfolg: die sich ständig erneuernde evangelische Kirche oder der Islam? Der Islam. Es ist ja auch bekannt, dass sich besonders in Krisenzeiten die Menschen nach althergebrachten Traditionen und Ritualen sehnen, die sich nicht wie Fähnchen im Wind ändern. Nicht zufällig haben gerade die konservativen Glaubensrichtungen im Christentum und im Islam heute den größten Zulauf (mehr hier). Mal abwarten, ob die evangelische Kirche das noch begreift, bevor sie sich irgendwann selbst wegreformiert hat.
Eine gute Woche wünscht
Anna
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