Bei allem gerechtfertigten Kopfschütteln über die teilweise ungeschickten Äußerungen des U21-Nationalspielers Ashkan Dejagah, der seine Teilnahme am Länderspiel in Israel am Freitagabend abgesagt hat: die Empörung, die der junge Kicker damit in der deutschen Öffentlichkeit ausgelöst hat, ist weit überzogen. Was hier stattfindet, ist nichts weiter als der übliche ritualisierte Aufschrei der Medien, der Politiker und leider auch des Zentralrats der Juden, die dem Deutsch-Iraner hochemotionalisiert einen persönlichen Israel- und gar Judenboykott unterstellen, ohne zuerst einmal sachlich die Fakten zu würdigen.
Dabei ist die Sachlage einfach: Ashkan Dejagah ist Doppelstaatsbürger. Er besitzt einen deutschen und einen iranischen Pass und hat damit in beiden Ländern staatsbürgerliche Rechte und Pflichten. Gerade die Pflichten führen bei Doppelstaatsbürgern bekanntermaßen immer wieder zu Interessenskonflikten. Deshalb verlangt das deutsche Staatsangehörigkeitsgesetz vor einer Einbürgerung ja auch grundsätzlich die Aufgabe der bisherigen Staatsangehörigkeit. Allerdings macht das Gesetz eine Ausnahme, wenn das Recht des ausländischen Staates keine Entlassung aus der Staatsangehörigkeit vorsieht. Ein solcher Staat ist der Iran. In der Praxis heißt das: Iraner werden in Deutschland als Doppelstaatsbürger eingebürgert, weil sie ihre iranische Staatsbürgerschaft nicht abgeben können. Der Interessenskonflikt für Dejagah ergibt sich nun daraus, dass der Iran seinen Staatsbürgern die Einreise nach Israel verbietet. Würde er an dem Fußballspiel in Israel teilnehmen, könnte er nicht mehr gefahrlos in seine Heimat reisen. Das ist bei vernünftiger Betrachtung aus humanitärer Sicht einfach nicht zumutbar. Auch ein Nationalspieler hat schließlich noch ein Privatleben.
Ich habe für Dejagahs Situation also durchaus Verständnis. Kein Verständnis habe ich allerdings für den DFB. Dieser Verband scheint nicht in der Lage zu sein, Personalplanung mit Weitsicht zu betreiben. Wie kann man denn überhaupt einen Spieler in die Nationalmannschaft berufen, der aufgrund seiner persönlichen Voraussetzungen im Ausland gar nicht uneingeschränkt einsatzfähig ist. Da ist es doch nur eine Frage der Zeit, bis so ein Fall wie der jetzige eintritt und, wenn er dann auch noch ungeschickt kommuniziert wird, derartigen Unmut in der Öffentlichkeit hervorruft. Der DFB und wahrscheinlich auch alle anderen Sportverbände täten gut daran, ihre Personalpolitik zu überdenken, um solche diplomatischen Peinlichkeiten in der Zukunft zu vermeiden.
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