Am Ende hat die Neugier doch gesiegt: ich habe Second Life installiert, mir einen klangvollen Namen zugelegt, mein virtuelles Ich mit schicken Schuhen und Kleidern aufgehübscht und mich auf Entdeckungstour durch die von den deutschen Medien so viel gerühmte 3D-Welt von Linden Labs begeben. Zwei Wochen lang bin ich dort unermüdlich durch die Gegend geflogen (und habe dabei meine Grafikkarte an ihre Grenzen gebracht), nur um am Ende ernüchtert festzustellen: Second Life ist fad. Von wegen über eine Million Teilnehmer. Von wegen zahlreiche Möglichkeiten zum Geldverdienen. Das ist alles nur ein Mega-Medien-Hype. In Wirklichkeit sind die meisten Orte menschenleer. London, Frankfurt, Tel Aviv, Jerusalem, die Second-Life-Synagoge, die Moschee in Istanbul - nirgends habe ich mal mehr als ein, zwei andere Avatare angetroffen. Und die standen oder flogen dann auch nur stumm suchend in der Gegend herum. Wer wirklich Leute treffen will, muss schon an die Strände oder in Bars, Diskotheken und Rollenspiel-Clubs gehen. Dort tummeln sich dann reichlich Pixelpüppchen, deren Eigentümer aber vor allem eins wollen: virtuellen Sex
Für diese kuriosen Online-Spielchen gibt es in Second Life überall vorprogrammierte Animationen, mit denen die Avatare in eindeutigen Bewegungen über den Bildschirm wackeln können. Und weil das so gefragt ist, wird damit auch das Hauptgeschäft gemacht. Das ist Second Life. Mehr nicht. Über die deutschen Unternehmen, die dort gerade reihenweise ihre “Repräsentanzen” eröffnen, kann ich nur lachen. An den seriösen Orten, wo die sich werbewirksam präsentieren wollen, kommt stundenlang kein Avatar vorbei.
Schabbat schalom
Anna
Categories:
