Eine Familie in Israel hat darauf bestanden, dass die sogenannten Stolpersteine entfernt werden, die im Rahmen des gleichnamigen Projekts von Gunter Demnig vor dem ehemaligen Wohnhaus ihrer im Holocaust ermordeten Angehörigen in den Bürgersteig eingelassen worden waren. Das berichtet der Medienspiegel der deutschen Botschaft in Tel Aviv vom 08.02.2008 unter Berufung auf einen Artikel in der israelischen Tageszeitung Yediot Aharonot. Die Familie sei entsetzt gewesen von der Vorstellung, dass
“… die Steine so gelegt werden, dass Leute darüber laufen. ‘Ich lasse es nicht zu, dass noch einmal auf meiner Familie herumgetreten wird’, schrieb eine Angehörige der Familie an die Organisatoren des Projekts. Die Passanten ehren nicht unbedingt das Andenken unserer Verwandten. Viele laufen über diese Steine, beschmutzen sie, spucken darauf. Niemand hat das Recht, die Namen unserer Lieben zu benützen, ohne uns überhaupt um unser Einverständnis gebeten zu haben“, sagen die Angehörigen zu JED.”
So ähnlich habe ich auch gedacht, als ich solche Steine zum ersten Mal in Berlin gesehen habe. Da laufen also tagtäglich Scharen von Passanten und sogar Hunde auf den Namen von Menschen herum, die sich dagegen noch nicht einmal selbst wehren können. Wie unsensibel. Anscheinend gehen die Initiatoren dieses sogenannten Kunstprojekts und die Stolpersteine verlegenden Städte davon aus, dass die betroffenen Personen mit ihrer Ermordung automatisch auch ihr Einverständnis zur Verwendung ihrer persönlichen Namen in deutschen Bürgersteigen gegeben haben. So ist das aber nicht. Nur: wer fragt schon nach den Gefühlen der Betroffenen, wenn wohlmeinende Kommunalpolitiker und Geschichtsvereine meinen, im Interesse der deutschen Erinnerungs- und Gedenkkultur zu handeln? Wenn sich, wie im oben erwähnten Fall, tatsächlich einmal die Nachkommen beschweren, werden die Stolpersteine halt still und leise entfernt - und ohne dass darüber in den deutschen Medien berichtet oder über das Projekt einmal kontrovers diskutiert wird.
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