Gerade der Schabbat scheint auf am Judentum interessierte Menschen eine starke Anziehungskraft auszuüben. Das ist zumindest die Schlussfolgerung, die ich aus einigen Kommentaren ziehe, die auf meinen Beitrag “Autokauf - aber nicht am Samstag” eingegangen sind. Mehrere Tage denke ich jetzt schon über dieses Phänomen nach - und verstehe es nicht. Was hat der Schabbat, was der Sonntag nicht hat? Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, als der Sonntag in Deutschland ein Tag war, an dem man die Leute in feinen Sonntagskleidern in die Kirche gehen sah, an dem es zum Mittagessen einen opulenten Sonntagsbraten für die ganze Familie gab, an dem der Nachmittag in der Familie, mit Lesen und Spazierengehen verbracht wurde und an dem Wäschewaschen und Autoputzen verpönt war. Heute haben sich viele Gewohnheiten zwar geändert, aber vom Gesetzgeber her ist der Sonntag immer noch so weit geschützt, dass es dem Einzelnen möglich sein sollte, die Arbeit und den Alltag ruhen zu lassen, in den Gottesdienst zu gehen, zu entspannen, zu lesen, zu studieren. Das Christentum hat also einen wöchentlichen Ruhetag. Dafür braucht man das Judentum und den Schabbat also gar nicht. Im Gegenteil: in der Diaspora am Schabbat Entspannung zu finden, ist nicht leicht, wenn man sich zum Beispiel durch den samstäglichen Einkaufstrubel in der Innenstadt den Weg zur Synagoge bahnen muss. Oder wenn man jahrelang mit einer Fünf-Tage-Woche lebt, ohne eben jenen Samstag zum Einkaufen, zum Autowaschen, zum Ölwechsel machen, zur Teilnahme an Veranstaltungen im Sportverein, etc. pp. Größere Aktionen müssen abends nach der Arbeit stattfinden oder kosten unter der Woche einen Tag Urlaub. Das ist nicht immer so idyllisch - schon gar nicht, wenn man angestellt berufstätig ist und so an sich schon in ein enges Zeitkorsett gepresst wird. Deshalb noch einmal die Frage: Was ist für Nichtjuden das Faszinierende am jüdischen Schabbat, was der christliche Sonntag nicht hat?
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