Verfasst von: Anna | 16. Juni 2008

Hebräisch lernen – aber wie?

Ein Leser hat mich gefragt, wie man in Deutschland am besten Hebräisch lernt. Nun – das kommt zunächst einmal darauf an, wo man wohnt.  In größeren deutschen Städten bietet die Volkshochschule mittlerweile Hebräisch-Kurse an. Die sind allerdings meistens nur für Anfänger und damit auf einem entsprechend niedrigen Niveau. In einigen Großstädten gibt es darüber hinaus Hochschulen mit Judaistik-Institut, wo im Rahmen des normalen Studienprogramms ebenfalls Hebräisch-Kurse angeboten werden. Diese Kurse haben ein höheres Niveau, sind aber nicht unbedingt in den Abendstunden gelegen und erfordern zumindest einen Gasthörer-Status. Schließlich gibt es Hebräisch-Sprachkurse an vielen jüdischen Gemeinden in Deutschland. Die sind aus meiner Erfahrung heraus für den Einstieg am besten, weil sie normalerweise mit dem Lehrmaterial aus den israelischen Ulpanim (Ulpan=Sprachkurs in Israel für Neueinwanderer) arbeiten und die Lehrer Muttersprachler sind. Wer ernsthaft Hebräisch lernen und – sorry für die folgenden deutlichen Worte – die jüdischen Teilnehmer nicht mit christlichem Gedankengut traktieren will, der kann ruhig mal bei der nächstgelegenen jüdischen Gemeinde nach so einem Kurs anfragen – manche lassen auch Nicht-Mitglieder zu.

Trotzdem gilt: ohne regelmäßigen Kontakt mit Israelis in Deutschland, ohne regelmäßige Israel-Besuche und ohne eine gewaltige Portion an Fleiß, Eigeninitiative und Geduld ist es kaum möglich, in Deutschland eine sprachliche Kompetenz im Hebräischen zu erwerben, mit der man dann in Israel auch wirklich etwas anfangen kann. Hebräisch ist keine Sprache, die man mal so nebenbei an zwei Stunden pro Woche am Abend lernt. Das fremde Alphabet, die semitische Sprachstruktur und der so ganz andere Wortschatz sind echte Hürden, die erst einmal überwunden werden müssen, bevor das Lernen dann irgendwann wieder leichter wird. Unmöglich ist es aber nicht – ich bin selbst das beste (und nicht das einzige) Beispiel dafür. Ich habe Hebräisch in den ersten Jahren systematisch in Deutschland gelernt, in Sprachkursen in der Gemeinde und an der Universität, mit ganz viel Selbststudium und – das war das wichtigste – mit einem fast ausschließlich jüdischen und israelischen Freundeskreis, in dem sehr viel Hebräisch gesprochen wurde.  

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Responses

  1. Hallo Anna,

    danke für den Blog; sehr interessant und auch unterhaltsam.

    Zum Thema “Hebräisch lernen – aber wie?” wollte ich anmerken, dass in Berlin auch [...] gute Hebräischkurse anbietet (Muttersprachler, Ulpan-Lehrmaterial), und im Prinzip auf allen Niveaustufen. Für welche Niveaus sich dann tatsächlich Gruppen ergeben, hängt selbstverständlich von den Interessenten ab (wir sind zur Zeit “leicht fortgeschritten”, Tendenz stetig steigend ;).

    Wahrscheinlich gibt es auch in anderen Städten (oder auch in Berlin) ähnliche Angebote an privaten Sprachschulen.

    Schöne Grüße aus Berlin,

    Karin

  2. @Alle, bitte keine namentliche Nennung von privaten Sprachschulen, ich hab keine Lust, hier kostenlos Werbefläche zur Verfügung zu stellen ;)


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