Neulich hatten wir hier eine interessante Diskussion darüber, inwieweit es möglich ist, in Deutschland jüdisch zu leben. Ich habe in den Raum gestellt, dass man in Deutschland gar nicht alle Mitzvot (jüdischen Vorschriften) halten kann, wenn man noch ein normales Leben führen will. Leserin Schoschana hat zurecht eingewandt, dass das davon abhängt, was man unter „normal“ versteht.
Zum Ausgangspunkt der Diskussion: Ich habe erzählt, wie Y. und ich an einem Pessach-Tag in einem nichtjüdischen Restaurant am Rhein zu Mittag gegessen haben. Das geht nach den jüdischen Vorschriften gar nicht. Ein absolutes no-go. Ein observanter Jude isst nicht in einem nichtjüdischen Restaurant. Die Speisen dort sind normalerweise nicht koscher und das Geschirr infolgedessen auch nicht. Eine Ausnahme mag ein vegetarisches Restaurant sein. Das geht allerdings an Pessach auch nicht. An Pessach machen die in jedem Restaurant vorhandenen Getreideprodukte das gesamte Restaurant unkoscher und für observante Juden tabu. Total tabu.
Trotzdem haben wir in einem solchen Restaurant zu Mitag gegessen. Warum? Weil wir eine Ausnahme gemacht haben. Essen gehen gehört für uns eigentlich zu einem „normalen“ Leben dazu. In Deutschland verkneifen wir uns das aus den genannten Gründen meistens, aber manchmal gestatten wir uns eine Abweichung von der observanten Norm. Dann nämlich, wenn uns unser Lebensstil zu eng wird. Das passiert selten, aber es passiert. Wir halten dann eben gewisse Vorschriften einmal nicht. Davon geht die Welt nicht unter, und wir können wieder neue Kraft sammeln.
Noch zwei Beispiele, wieder in Bezug auf Pessach: Wir essen an Pessach immer auch Erbsen, Bohnen und Reis. Wir sehen einfach keinen Sinn darin, darauf auch noch zu verzichten (und immer weniger Nahrungsmittel zum Kochen zur Auswahl zu haben), nur weil wir zufälligerweise Aschkenasim (europäische Juden) sind, während die orientalischen Juden sich die Hülsenfrüchte schmecken lassen dürfen. Oder: Wenn wir an Pessach, Schavuot oder Sukkot in Israel sind, dann halten wir dort nicht den zweiten Feiertag der Diaspora. Das erscheint uns irgendwie schräg. Wir schaffen es nicht, auf Feiertag zu machen, während in Israel das Leben tobt und in der Thora diese zweiten Tage noch nicht einmal erwähnt sind.
Trotzdem bezeichnen wir uns als observant. Wir halten viel, sehr viel, dafür, dass wir in einer absolut unjüdischen Umgebung leben und beide nicht aus dieser Tradition stammen. Ich denke nämlich, dass das die Voraussetzungen für ein wirklich observantes Leben sind: eine jüdische Umgebung und/oder eine Kindheit in einer observanten Familie. Ich habe ja in meiner eigenen Familie das Einhalten religiöser Regeln wenigstens noch bis zu einem gewissen Grad kennengelernt, aber bei Y. hat die Religion im Alltag überhaupt keine Rolle gespielt. In seiner Familie gab es an Pessach zwar einen Seder in der Familie, aber am nächsten Tag sind die Eltern mit den Kindern dann nach Yafo zu Abulafia gefahren. Dort wurde der Brotvorrat für die ganze Woche eingekauft. Ach so: Abulafia ist eine alteingesessene Bäckerei in Yafo (Jaffa), die, weil ihre Beitreiber christliche Araber sind, seit jeher auch an Pessach Brot und Backwaren verkauft. Abulafia kennt jeder, der in Israel groß geworden ist. Auch mein Mann kauft dort immer noch seine Beigele -nur nicht mehr an Pessach.
Einen schönen sonnigen Schabbat wünscht
Anna

Hallo Anna, vor Deiner Einstellung bezüglich des observanten Lebens habe ich den allergrößten Respekt. Du hältst Dich an das, was Dir möglich ist, ohne Dich im Namen des Glaubens abseits der Gesellschaft zu positionieren. Das kam schon bei einigen anderen Beiträgen (Kopfbedeckung bei der Arbeit und Krankenhausessen) durch. Einige andere Observante würden jetzt versuchen, daß mit irgendwelchen halachischen „Ausnahmeregeln“ wegzudiskutieren. (So nach dem Motto auf Reisen muß man sich eh nicht an alles halten, Du kennst das sicher besser als ich.) Ich finde es großartig, daß Du Dich einfach hinstellst und sagst – Ich weiß, daß das eigentlich nicht geht, aber mache in diesem Fall aus Gründen, die nur mich angehen, eine Ausnahme. Hut ab, und ich hoffe diese klare Position bringt Dir nicht allzuviel Leser-Dresche ein.
Von: Me am 1. Mai 2009
um 17:54
Guten Abend,
hab mal ne neugierige Frage: wieso sind denn die europäischen Juden die Hülsenfrüchte zu Pessach verboten und anderen erlaubt?
Und was ist „observant“?
Vielen Dank! Meryem
Von: meryemdeutschemuslima am 1. Mai 2009
um 22:12
@Meryem, das Verbot der Hülsenfrüchte geht auf eine Entscheidung von Rabbinern in Europa vor Hunderten von Jahren zurück. Zu den Gründen gibt es heutzutage verschiedene Erklärungen. Eine Erklärung ist z.B., dass Hülsenfrüchte ähnlich wie Getreide bei der Verarbeitung gären bzw. anschwellen.
Observant leben heißt, dass man die Mitzwot, also die Gebote und Verbote des jüdischen Rechts (Halacha), einhält.
Von: Anna am 2. Mai 2009
um 22:27
@Me, ich habe schon einige Leute kennengelernt, die sich nach außen hin superorthodox gegeben haben und sich dann hintenrum am Schabbat eine Zigarette nach der anderen angesteckt haben oder die mit ihrem Auto zurück in ihre Vorort-Villa gefahren sind, weil ihre angebliche Übernachtungsmöglichkeit in Synagogennähe nur ein Fake war. Auf solche Spielchen hab ich einfach keine Lust. Was nicht geht, geht nicht, und was ich nicht will, will ich nicht, und dazu stehe ich dann auch
Von: Anna am 2. Mai 2009
um 22:34
Danke für die Erklärung, aber das mit den Hülsenfrüchten leuchtet mir noch nicht ein, weil ich es so verstanden habe, dass sie im Orient gestattet sind. Ihr habt´s ja noch komplizierter als wir,
Den Ausdruck observant hatte ich auch noch nie gehört, Danke. Schönen Sonntag! Meryem
Von: Meryem am 2. Mai 2009
um 23:38
@Meryem, ich glaube, es gibt keine kompliziertere Religion als das Judentum
Das mit den Hülsenfrüchten ist halt einfach eine Entscheidung von europäischen Rabbinern gewesen, ein Alleingang sozusagen, der nicht von den orientalischen Juden übernommen worden ist bzw. sich wahrscheinlich auch gar nicht in alle Länder im „Orient“ herumgesprochen hat. So ist das Verbot, an Pessach Hülsenfrüchte zu essen, einfach ein Brauch der europäischen Juden.
Von: Anna am 3. Mai 2009
um 9:46
Kaschrut in schwieriger Zeit.
But in Judaism, it is not enough to be sated. The goal is to be holy. Ultimately, these three words capture what it means to be Jewish. We are to be holy because our God is holy. We keep God before us in everything we do; we recite blessings and we perform mitzvot and, in doing so, we remain closer to our goal of holiness.
The laws of kashrut define the way God would have us eat. The fundamental basic-ness of eating makes it essential to our ability to distinguish and discriminate. In Judaism, laws and rules of conduct rarely concern themselves with that which is function of our „higher natures.“ Our higher natures are capable of taking care of themselves just fine. It is our baser instincts and needs that offer the challenge.
Quelle:
http://www.israelnationalnews.com/Articles/Article.aspx/8753
Rachel
Von: Rachel am 3. Mai 2009
um 17:35
ich finde, beispiele wie (die) „super-observanten“, die „am Schabbat eine Zigarette nach der anderen angesteckt haben“ gibt es, aber ich weiss eigentlich nicht, was daraus jetzt abgeleitet werden soll. es gibt immer leute, die bigott sind.
vielleicht wäre es interessanter, zu fragen, wo man selbst bigott ist…
auch
„daß Du Dich einfach hinstellst und sagst – Ich weiß, daß das eigentlich nicht geht, aber mache in diesem Fall aus Gründen, die nur mich angehen, eine Ausnahme.“
finde ich nun kein argument, das diese diskussion irgendwie weiterbringt… natürlich entscheidet die mehrheit für sich selbst, und nur eine minderheit fühlt sich einem konsens so verpflichtet, dass sie sich in einer gruppe unterordnet. das ist aber in deutschland kaum der fall – allerhöchsten ins frankfurt und berlin, also da, wo es gelebte orthodoxe praxis überhaupt gibt, die kollektive über individuelle entscheidungen setzt.
zu den hülsenfrüchten: sie sind viel weniger problematisch als „auswärts“ zu essen – ausgerechnet an pessach. ist das auswärts essen in normalzeiten schon hoch problematisch, so ist es an pessach eigentlich unmöglich.
interessant wäre zu beleuchten, warum der wohlfühlfaktor eigentlich so sehr davon abhängt, etwas zu tun, was die masse der nichtjüdischen normalbürger tut, oder ob es hier alternativen geben könnte…
ich glaube, diese fragen erfordern einen willen zur kritischen selbstreflektion – wenn ich schon den dringenden trieb habe, auswärts und treif essen zu müssen, warum dann auch noch ausgerechnet in der pessachzeit, wenn es doch ohnehin eine „ausnahme“ ist? gäbe es hierzu eine alternative? wie sähe sie aus? ist triebbefriedigung so wichtig?
was die hülsenfrüchte angeht: es wird sogar immer einmal wieder überlegt, ob man die hülsenfrüchte nicht doch erlaubt.
was ich nicht verstehe, ist, dass viele leute von den kitnijot doch so viel abhängig machen. als ob man „ohne“ ein ganz elendiges leben führen müsste. was ich schade finde, ist, dass bei entscheidungen, die zu angleichungen führen, auch viel traditionelles verlorengeht: die vielen aschkenasischen rezepte in der pessachzeit sind eine wirkliche wucht. und das mit den hülsenfrüchten ist ja nur eine von mehreren „spezialitäten“: es gibt ja noch die, die gebroks essen und die, die keines essen und dann erst die teimanim! ich fänd’s schade, wenn diese besonderheiten verloren gingen. irgendwann haben wir dann alle nur noch chummus auf dem tisch, mal ganz böse vereinfacht.
Von: schoschana am 3. Mai 2009
um 17:44
@Rachel, was willst du damit denn nun sagen?
@Schoschana, nu, der Unterschied zwischen dem „superobservanten“ Kettenraucher und uns ist, dass wir dazu stehen, wenn es bei uns mit einer Mitzva mal nicht so klappt. Alles andere würde das Blog hier auch völlig überflüssig machen, denn ich will nicht über die Theorie, sondern über unsere jüdische Praxis schreiben, mit all ihren Höhen und Tiefen, mit allen Stärken und Schwächen. Ansonsten wäre das hier höchstens eine Anleitung für Modell-Juden in deutscher Sprache.
Zum Auswärtsessen: Es geht nicht darum, etwas zu tun, was „die nichtjüdischen Normalbürger“ tun. Da könnte man in Deutschland ja gleich sämtliche Mitzvot an den Nagel hängen und besser säkular leben. Nein, ich glaube, es geht darum, dass wir eben nicht die typische observante Diaspora-Familie sind, deren Mitglieder schon seit Generationen damit aufwachsen, dass, um bei dem Beispiel zu bleiben, Essen im nichtjüdischen Restaurant einfach nicht geht. Y. ist in Israel aufgewachsen, da ist draußen essen auch für Juden völlig normal! Ich denke, es ist besser, ab und an mal eine Ausnahme zu machen, als irgendwann mit dem eigenen Lebensstil überfordert zu sein und, chas we-chalila, eine Abneigung dagegen zu entwickeln. Ob das ausgerechnet an Pessach sein muss? Natürlich nicht. Aber ausgerechnet an diesen Feiertagen, die sich plus Schabbat gleich mal auf drei Tage am Stück summieren, an denen man nicht so wirklich richtig kochen und schon gar nicht frisch einkaufen kann, gerade dann kommt es eben zu solchen Situationen, in denen einem das ganze mal zu viel werden kann.
Zu den Hülsenfrüchten: „was ich nicht verstehe, ist, dass viele leute von den kitnijot doch so viel abhängig machen“. Nun, wenn zusätzlich zu allen Getreideprodukten dann auch noch der Reis wegfällt, dann weiß ich irgendwann wirklich nicht mehr, was wir mittags auf der Arbeit essen können. Wir nehmen das Essen schließlich von zu Hause mit und machen es im Betrieb warm. Da eignet sich nicht alles dafür. Und immer nur Fleisch und Kartoffeln, nein danke. Dafür ist mir das Kitniot-Verbot einfach nicht stark genug. Immerhin wird jedes Jahr von Neuem darüber diskuiert, ob es abgeschafft werden soll und Millionen von orientalischen Juden kennen es eh nicht. Und auch ohne so ein Verbot werden wir sicher nicht alle nur noch Chummus essen, traditionelle kulinarische Gepflogenheiten verlieren sich doch nicht so schnell, nur weil sie freiwillig sind.
Von: Anna am 3. Mai 2009
um 19:53
„der Unterschied zwischen dem “superobservanten” Kettenraucher und uns ist, dass wir dazu stehen, wenn es bei uns mit einer Mitzva mal nicht so klappt.“
das hab’ ich ja schon kapiert
.
(wobei anzufügen ist, dass bei den „superobservanten“ es mit den mitzwot ja auch nicht immer klappt, der unterschied ist vielleicht der, ob man sich und vor allem wie man sich das eingesteht).
wie gesagt, mir geht es darum, anzufragen, die dinge einmal aus einer anderen perspektive zu sehen… und nicht immer aus der, dass man selbst „nur“ ein raucher ist, und alle anderen die „superobservanten“ kettenraucher sind
mehr später oder morgen,
vorerst: gute nacht!
Von: schoschana am 3. Mai 2009
um 20:28
@ Schoschana – Das ist eine schwierige Diskussion, v.a. weil man in diesem Zusammenhang kaum argumentieren kann, ohne daß man dem Gegenüber – beabsichtigt oder nicht – auf den Schlips tritt. Sicher kann man auch in Deutschland strikt koscher leben, wenn man sich nur von Wasser und Mazzot ernähren will, um es mal überspitzt zu formulieren. Aber wie Anna schon sagt – Theorie und Praxis.
Ich lehne mich jetzt mal etwas weit aus dem Fenster und rechne mit entsprechenden Kommentaren… aber bitte laßt mich leben, das folgende liest sich zwar provokant aber soll niemanden angreifen oder dessen Gepflogenheiten kritisieren. Also: Wozu dienen Speisegebote? Ursprünglich hygienische Gründe? Zusammengehörigkeitsgefühl? Tradition? Mit Sicherheit all das. Aber vielleicht auch Abgrenzung gegen andere gesellschaftliche Gruppen? Und dann sind wie beim Thema wie man sich als Minderheit in einer Gesellschaft bewegen möchte. Lehne ich die Einladung zum Essen im Haus eines Arbeitskollegen ab, weil der nicht jüdisch ist? Oder jüdisch und mir nicht kosher genug? Oder bringe ich gar mein eigenes Essen und Geschirr mit? Oder erkläre ich ihm, warum ich die Einladung nicht annehmen kann? Auch auf die Gefahr hin, daß er/sie dann beleidigt ist? Oder teile ich die Meinung, daß es schlimmer ist, einen Menschen zu beleidigen, als einmal fünfe gerade sein zu lassen?
Natürlich gibt es für alles Regeln. Und es muß ja nicht unbedingt Triebbefriedigung sein, wenn man sich mal entscheidet, eine Ausnahme zu machen. Aber wenn es darum geht, „mittendrin“ zu leben, dann ist es manchmal ganz hilfreich, eine Ausnahme machen zu können, ohne sich deswegen schlecht oder gar schuldig zu fühlen.
Von: Me am 3. Mai 2009
um 22:35
„Lehne ich die Einladung zum Essen im Haus eines Arbeitskollegen ab, weil der nicht jüdisch ist? Oder jüdisch und mir nicht kosher genug? …“
Das ist ein Dilemma, für das es eigentlich nur eine einfache Lösung gibt: in einem orthodoxen Viertel zu leben und nur gleichgesinnte Familienmitglieder, Freunde und Arbeits-/ Geschäftskollegen zu haben. Nur ist das nicht unser Weg. Wir leben mitten in Deutschland und sind beide angestellt berufstätig. Da sind wir dauernd mit der Kaschrut-Problematik konfrontiert. Nicht so sehr beruflich, G-tt sei Dank, aber privat. Noch nicht einmal unsere jüdischen Freunde und direkten jüdischen Verwandten haben eine astrein koschere Küche – von den nichtjüdischen ganz zu schweigen. Wir lösen das dann meistens so, dass wir die Leute zu uns einladen. Aber irgendwann wollen die sich auch mal revanchieren und dann muss man halt sehr diplomatisch vorgehen oder eben Kompromisse machen. Ich hab da auch kein Patentrezept.
Von: Anna am 4. Mai 2009
um 9:36
„in einem orthodoxen Viertel zu leben und nur gleichgesinnte Familienmitglieder, Freunde und Arbeits-/ Geschäftskollegen zu haben.“
nun, das ist so nicht wahr.
.
der grund, in einem viertel zu leben, wo es mehrere juden gibt, ist eigentlich hauptsächlich der, dass man regelmässig in die synagoge geht und nicht fahren will. ich kenne leute, die weit laufen, aber das kann nicht jeder, aber auch das ist eine möglichkeit. ein anderer grund ist, dass vielleicht die kinder – als freunde – gerne näher beisammen sind, damit sie nicht so weite wege für einen besuch haben.
ansonsten aber – abgesehen vom „schabbat-grund“ gibt es keinen zwingenden grund, in einem „jüdischen“ viertel zu leben. ausser den gründen, dass es einem da vielleicht besser gefällt, man es vorzieht, nicht zu vereinzelt zu sein etc. juden leben an sich nicht gerne alleine, und observante juden schon einmal gar nicht.
was die freunde angeht: da kommt es ganz darauf an, wie ehrlich und offen man ist. ich habe eine nichtjüdische freundin, die genau weiss, dass ich bei ihr nicht essen und nicht trinken kann, ausser unter ganz bestimmten bedingungen (koschere, verpackte produkte, verschlossene flaschen, pappe, einwegbecher u.a.). das gleiche gilt für arbeits- und geschäftskollegen. es gibt doch viel mehr, was man gemeinsam tun kann, als miteinander in lokalen zu sitzen! wie wäre es mit wandern?
ich habe festgestellt, dass offenheit am besten währt. nicht lange um den heissen brei herumreden. freundschaften können sich daran bewähren – und man kann sehen, was „toleranz“ eigentlich wirklich bedeutet
Von: schoschana am 4. Mai 2009
um 9:47
@ Anna. Das ist im wesentlichen auch meine Erfahrung – wenn wir beim nichtjüdischen Teil der Familie eingeladen sind, dann bitten wir einfach vorher, was vegetarisches zu machen dann gibt es keine allzugroßen Katastrophen. Mit dem Geschirr sehen wir das lockerer, das würde sonst sehr kompliziert werden.
@ Schoschana – Das leuchtet mir ein, und für den privaten Kreis und die Freizeitgestaltung geht das auch in vielen Fällen so wie Du das beschreibst. Wobei das mit dem Einweggeschirr klasse ist, da hatte ich gar nicht dran gedacht.
Problematisch wird es aber z.B. auf Konferenzreisen. Die sind oft so angelegt, daß alle Teilnehmer im Tagungshotel untergebracht sind und auch zusammen essen. Da das Ziel dieser Veranstaltungen das Knüpfen von beruflichen Kontakten ist, kann man da nicht einfach sagen man sucht sich was koscheres in der Nähe (sofern überhaupt vorhanden). Das ist so ein Beispiel was mir zu ‘Grenzen des observanten Lebens’ einfällt.
Ein anderes, was mich als Frau wirklich stört – wenn ein observanter Mann mir nicht die Hand geben will. Ja, ich weiß warum, aber ich finde das Händeschütteln als Geste der Höflichkeit ist so ein elementarer Bestandteil unserer Gesellschaft! Zugegeben, solche Situationen gibt es bei mir nicht oft, aber wenn doch dann komm ich mir immernoch wie vor den Kopf gestoßen vor.
Von: Me am 5. Mai 2009
um 22:02
Ich bin zwar neu hier, aber ich denke, dass wenn man ein orthodoxes Leben führen will mit allem dru mund dran dann kann man das auch machen, in sehr vielen Städten gibt es zur zeit koshere geschäfte und auch in manchen koshere Restaurants, wenn man dann unbedingt mal auswärts essen möchte könnten man e smit einem Städtetrip kombinieren und gleich zwei fliegen mit einer Klappe schlagen!
Natürlich ist es schwer in Deutschland zu leben, aber alles ist Möglich wenn man es nur möchte!
Hashem sendet immer Hilfen und möglichkeiten wenn man es von ganzen Herzen will!!!
Von: Sara Esther am 13. Mai 2009
um 7:22
@Sara Esther,
„Hashem sendet immer Hilfen und möglichkeiten wenn man es von ganzen Herzen will!!!“
Willst du damit etwa sagen, dass mein Wille einfach nicht stark genug ist? In diesem Fall würde ich dich bitten, dich doch erst einmal hier im Blog etwas einzulesen.
A propos, was meinst du eigentlich konkret mit „Hilfen“, die G-tt im beschriebenen Fall schicken könnte?
„in sehr vielen Städten gibt es zur zeit koshere geschäfte“
In sehr vielen? Also ich weiß nur von ein paar wenigen Großstädten. Und selbst wenn man in der Nähe wohnt: die koscheren Produkte sind allgemein so teuer, dass sich nicht jede Familie da zu 100% eindecken kann.
Von: Anna am 13. Mai 2009
um 11:17