Verfasst von: Anna | 4. Dezember 2006

Die Macht der Kleidung

Angeregt durch einen Beitrag auf dem Hamantaschen-Blog habe ich mir heute einmal Gedanken über die Bedeutung von Kleidung in meinem jüdischen Umfeld gemacht. Interessante Erlebnisse habe ich in dieser Beziehung schon in jüdischen Läden gehabt. Ich trage gerne Hosen mit tunikaartigen Oberteilen, weil das für mich ein alltagstauglicher Kompromiss zwischen „nur Rock“ und „nur Hose“ ist. Die Hose an sich reicht aber offenbar schon, damit mich das Personal in jüdischen Läden in die nichtjüdische Schublade steckt und mir unaufgefordert ausführliche Erklärungen gibt, wofür ich die von mir ausgesuchten Produkte denn verwenden könnte. Ich antworte dann gerne auf Hebräisch und ernte entsprechend überraschte Blicke. Komme ich dagegen mit langem Rock, Kopfbedeckung und Ehemann, dann wird mir genauso unaufgefordert erklärt, wer den Hechscher für die Lebensmittel erteilt hat. Macht ja nix. Ich bin ja flexibel 🙂

Eure Anna

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Responses

  1. Interessanter Blog. Ähnliche Erfahrungen machen konvertierte Muslimas, die beim Obst&Gemüse Laden von nebenan immer auf arabisch oder türkisch angesprochen werden, weil Kleidung für manche eher kulturelle Eigenschaften in sich trägt, wobei Muslima konvertierte Muslima eher eine religiöse Begründung hat. So bekommt man statt einem Hallo gleich ein Salaam entgegengerufen, wenn man die Charakteristika des Gegenübers erfüllt um in seinen Augen Muslim zu sein. Es scheint nicht viel anders zu sein, bei gläubigen Juden. Wie es scheint, sind wir doch alle Menschen 😉

  2. Ich mache in Israel die gleiche Erfahrung. Hüfthose, enges Top und lackierte Nägel – und schon wird man auf Hebräisch angesprochen. Im Schlabberpulli und Turnschuhen auf Englisch. 🙂 🙂 Es geht um Anpassung an jene Gruppe, zu der man dazugehören will. Ich glaube das geht jedem so.

  3. B“H

    Ich habe heute den ganzen Tag ueber Beispiele nachgedacht, die ich bezueglich dieses Themas nennen koennte. Jede Gesellschaft hat ja irgendwie ihre Ausdrucksweisen und in Israel ist das vor allem die relig. oder nicht – relig. Kleidung.

    Es gibt taeglich soviele Situationen, wo sofort aeusserlich bewertet wird, zu welcher Bevoelkerungsgruppe ich gehoere. Das beste Beispiel ist wohl eine Buchhandlung in Ge’ulah, neben Mea Shearim, dem ultra – orthod. Teil der Stadt. In den Buchhandlungen dort ist es aber nicht nur die Kleidung, sondern auch, dass ich weibl. bin und bestimmte relig. Buecher nicht lesen sollte. Deshalb habe ich schon viele Absagen in Buchhandlungen bekommen unter dem Vorwand, man haette die Buecher gerade nicht parat.
    Bei einer Buchhandlung bin ich seit langem Stammkundin und die verkaufen alles. Rock oder nicht….Vom Talmud bis hin zur Kabbalah, ich bekomme alles ohne Fragen. Ich brauche diese Buecher fuer mein Studium und der Besitzer merkte schnell, dass ich mich im Thema etwas auskenne.
    Trotzdem erscheine ich der relig. Kundschaft dort etwas seltsam und die denken wohl, dass ich ein paar Psalmen kaufen will.:-))))

    Miriam

  4. Oh ja, Buchhandlungen sind auch so ein Thema. Ich habe auch schon mal unter fadenscheinigen Ausreden ein Buch nicht gleich bekommen, allerdings nicht in Israel, sondern in Brooklyn, wo wir mal auf Familienbesuch waren. Leider weiß ich nicht mehr, was ich damals kaufen wollte. Ist schon so lange her.

    Anna

  5. B“H

    Mir wurde immer gleich die Rashi – Abteilung gezeigt.:-)))

    Aber einmal war ich in meiner Stamm – Buchhandlung, wo ich einen Kommentar zum Buch Yeshayahu (Jesaja) kaufen wollte. Als ich mich fuer einen der zwei Kommentare entschied, meinte der Inhaber zu mir, dass ich ja wohl das andere Buch nehmen solle, denn er koenne sich nicht vorstellen, dass ich ein Buch ohne Malbim – Kommentar kaufe. :-))))) Aber im tiefsten Mea Shearim haette ich mit Talmud – Literatur keine Chance.

    Miriam


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