Verfasst von: Anna | 11. Mai 2007

Geburtstagseinladungen …

… versetzen mich immer öfter in Staunen. Ich habe es noch so gelernt, dass man mit einer Einladung zum Geburtstag oder einem anderen besonderen Anlass seine Freude über diesen Tag mit seinen Lieben teilen will. In letzter Zeit bekomme ich aber immer häufiger den Eindruck, dass es den Menschen nur noch um sich selbst und überhaupt nicht mehr um das Wohl ihrer Gäste geht. Sprich, der Geburtstag wird exakt so durchgezogen, wie es dem Gastgeber – und nur diesem – in den Kram passt.
Da gibt es Leute, die einem genau vorschreiben, was man ihnen bitteschön zu schenken hat: ein Buch von ihrer Amazon-Wunschliste etwa, die sie sich extra für diesen Anlass online eingerichtet haben. Hast du eine andere Idee oder ein Problem mit Online-Handel im allgemeinen oder Amazon im speziellen, dann hast du ein Problem, denn andere Geschenke sind ausdrücklich nicht erwünscht.
Dann gibt es Mitmenschen, die ihre Geburtstagsfeier für samstags tagsüber ansetzen. Das hat für den Gastgeber den Vorteil, dass er sich am Samstagabend und den ganzen Sonntag noch von den Strapazen des Feierns erholen kann. Der berufstätige Gast hingegen hat puren Stress, weil sein Einkaufs-, Wohnungsputz- und Handwerkstag komplett wegfällt.
Und schließlich gibt die Zeitgenossen, die ihre Gäste pompös ins Restaurant einladen, nur um ihnen dann allen ein Überraschungs-Einheitsessen zu servieren. Das besteht dann – man will ja schließlich teures Fleisch anbieten – aus Schweinelendchen mit Kroketten und Salat. Alle Vegetarier und diese Fleischsorte nicht essenden Gäste müssen sich dann eben unter den kritischen Blicken der anderen Gäste an den Kroketten und dem Salat festhalten und sich womöglich noch Sprüche anhören wie „ach probier doch wenigstens mal ein Stückchen, das ist doch soooo zart“.

Und warum mich das gerade alles so aufregt? Weil wir eine Geburtstagseinladung für einen Samstagmittag  bekommen haben und der Gastgeber uns zwar fragte, ob das denn wegen Schabbat „ein Problem“ wäre, aber dann ziemlich entrüstet war, als es tatsächlich eines war.

Advertisements

Responses

  1. B“H

    Hi Anna, wir haben heute gerade ueber dich geredet und schon schreibst du wieder. 🙂
    Der Grenzgaenger war heute in Jerusalem und nun habe ich plattgelaufene Fuesse.

    Zu deinem Thema: Ich hatte letzte Woche Geburtstag und habe von der Baeckerei ein fuerchterliches peinliches Geschenk bekommen. Einen rosa Pyjama mit Rueschen am Kragen und unten an den Hosenbeinen.
    Als ich das auspackte, fiel ich fast in Ohnmacht. Im Traum wuerde es mir nicht einfallen, soetwas anzuziehen und ich war sauer. Wollte mich heute beschweren, der Manager hatte frei und so werde ich es morgen nachholen.

    Falls hier jemand einen rosa Pyjama braucht….ganz neu…der kann sich bei mir melden. 🙂

    Miriam

  2. Mich wundert langsam nichts mehr – gerade von Leuten, die sich selbst für tolerant halten. Eine Bekannte von mir hat ihre Kinder in der jüdischen Grundschule. Regelmässig ärgert sie sich darüber, daß Geburtstagsfeiern von Klassenkameraden auf Samstagnachmittag gelegt werden und zwar so, dass sie unter Zeitdruck kommt wenn sie in die Synagoge gehen will. Ach ja, und gar nicht so selten sind solche Kindergeburtstage bei MC Do der bekannten Hamburger-Imbißkette – und das nicht nur bei den nicht-jüdischen Klassenkameraden.

  3. Tja – hier kann man ja eigentlich an der Frage nicht mehr vorbei, ob euer Freund euch wirklich dabei haben will…

    Was jüdische Schulen in Deutschland angeht: wenn „jüdisch“ draufsteht, heißt das noch lange nicht, daß jüdisch im Sinne von „jüdisch-observant“ damit gemeint ist.
    In den meisten jüdischen Schulen sind einerseits viele Nichtjuden, und andererseits viele Juden, die an Observanzen wenig Interesse haben, weder koscher leben noch den Schabbes einhalten. Insofern ist Mc Do und Einladungen am Schabbes nicht weiter erstaunlich (inklusive Geburtstagkerzen anzünden natürlich ;-).

  4. Also ich lade keinen ein, wer möchte kann zu meinem Geburtstag kommen. Manche Freunde kommen einen Tag vorher, einige am Geburtstag u. andere einen Tag danach. Getränke u. Knabberzeug habe ich parat u. alles ist paletti! 🙂

  5. Das ist ein Problem! Bei uns stellt es sich ja auch, wenn Observante und Nichtobservante zusammen feiern wollen. Freitag abend fällt weg wegen Schabbat, Samstag abend auch, da am nächsten Tag ein Arbeitstag ist. Wir wählen dann den Donnerstag abend und gehen in ein koscheres Restaurant. Da Freitag ein halber Tag ist, ist das für alle OK. Aber wir sind auch in Israel – hier ist das keine große Sache. Ich glaube nicht, daß man Deutschen wirklich vorwerfen kann, daß sie Samstag abends feiern – denn am Sonntag ist frei. Wann soll das Ding den steigen? Sonntag abend ist schlecht, wenn am nächsten Tag Arbeit ist. Und Schweinelendchen sind eben ein Standardessen. Kann man auch niemandem vorwerfen. Trotzdem bin ich der Meinung, daß man prinzipiell einem Gast nicht ein Essen aufzwingen soll. Was ist, wenn es einfach nicht schmeckt?! Wie wäre es wenn jeder bestellt was er will?

  6. Oijoi, also wir versuchen an Shabbes Geb.einladungen zu vermeiden, aber es stimmt oft sind sie gerade da. Nun habne wir Glück und Sonntag ist hier ja logisch frei und so sien die Feste unsrer eigenen Kinder sehr oft Sonntags.
    @Miriam, Du kannst den Pyjamma ja unserm Hannahle schenekn, die ist immer noch in ihrer rosa-lila Phase und Prinzessin Lillifee, ist glaub ich mit 4 auch noch normal, oder?
    Liebe Grüsse aus Schweden


Kategorien