Verfasst von: Anna | 25. Mai 2007

Diskussionen um Feiertage in Deutschland

Der Pfingstmontag steht kurz bevor und bis jetzt hat noch keiner der üblichen Verdächtigen aus der Wirtschaft die beliebte Diskussion über „zu viele“ Feiertage in Deutschland angestoßen. Seit Jahren ist der Pfingstmontag eine Zielscheibe all derer, die behaupten, wir hätten in Deutschland zu viele Feiertage und wären deshalb mit dem Ausland nicht konkurrenzfähig. Und damit die deutsche Wirtschaft nicht verarmt, ist ja auch seit einigen Jahren die Börse in Frankfurt an Christi Himmelfahrt, Fronleichnam, Pfingstmontag und am Tag der Deutschen Einheit für den Aktienhandel geöffnet – wenn, ja wenn an diesen Tagen auch in den USA und Großbritannien gehandelt wird.  Dieses Jahr dürfen die Börsenhändler am Pfingstmontag allerdings mal zu Hause bleiben. Aber nicht etwa, weil plötzlich wieder christliche Werte Einzug halten, sondern weil am 28. Mai in den USA der Memorial Day begangen wird, an dem die Amerikaner ihrer Kriegsopfer gedenken. Mit anderen Worten: die Wirtschaftsmacht USA schafft es sehr wohl, ihre für den Welthandel so wichtige Börse an einem amerikanischen Gedenktag geschlossen zu halten, während wir hier in Deutschland uns das an den besagten Feiertagen offenbar nicht leisten können. Wie geht das denn? In Wirklichkeit könnten wir uns das sehr wohl leisten.  Der Feiertagshandel an der Börse ist nicht so gigantisch, wie sich die Deutsche Börse das gerne zurecht redet. Immerhin können Anleger in Deutschland an diesen Tagen nur über das Internet kaufen oder verkaufen, denn Bankfilialen und auch die Unternehmen sind ja geschlossen. Aber abgesehen von den Umsätzen, die an diesen Tagen getätigt werden: ich finde es unerhört, dass diese Feiertage überhaupt immer wieder neu zur Diskussion gestellt werden. Christi Himmelfahrt, Fronleichnam und Pfingstmontag gehören seit langem zum deutschen Feiertagskalender und damit zur deutschen Ausprägung christlicher Tradition. Und der Tag der Deutschen Einheit ist halt der Nationalfeiertag, basta. Es reicht schon, dass sich die evangelische Kirche den Buß- und Bettag, einen ihrer höchsten Feiertage überhaupt, hat wegnehmen lassen. Wie das möglich war, habe ich bis heute nicht begriffen. Haben die Damen und Herren Kirchenvertreter sich und ihre Schäflein und ihren Glauben etwa selbst aufgegeben? Oder sollte der Verzicht vielleicht sogar zum Besten des Kirchenvolkes sein? Mein Problem ist das ja nicht, aber aufregen über so wenig Verbundenheit mit der eigenen Tradition kann ich mich trotzdem.  Ich denke dann immer an Israel, das ja lange nicht so wohlhabend ist wie Deutschland und wo die Börse ganz selbstverständlich dem jüdischen Kalender angepasst ist: Gehandelt wird in Tel Aviv von Sonntag bis Donnerstag, freitags und an jüdischen Feiertagen sowie teilweise am Vortag von jüdischen Feiertagen bleibt die Börse geschlossen. Punkt. Während in Israel also der Börsenhandel das ganze Jahr lang nach einem Kalender funktioniert, den es so in keinem anderen Land auf der Welt gibt, will man sich im reichen Deutschland noch nicht einmal vier eigene Feiertage leisten, die so oder ähnlich sogar in manchen anderen Ländern auch noch begangen werden. Das ist irgendwie lächerlich.

Eure Anna

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Responses

  1. B“H

    Du wirst vielleicht ueberrascht sein zu hoeren, dass am Yom Kippur sowie auch am St. Patrick’s Day (irischer Nationalfeiertag) die Wall Street dicht hat. Hoffentlich heisst es jetzt nicht wieder, die Juden uebernehmen die Weltherrschaft. 🙂

    Shabbat Shalom aus Jerusalem, wo es keine Boerse gibt.

  2. In Sachsen gibt es den Buß- und Bettag noch – dafür hat man dann halt höhere Lohnnebenkosten.

  3. @littleandy, wenn das so stimmt, wie du schreibst, dann heißt das doch, dass nur die Arbeitnehmer die Kosten für die Bewahrung der Tradition zahlen sollen, weil man hierzulande – anders als in vielen anderen Ländern – meint, sich Feiertage nicht mehr leisten zu können.
    @Miriam, nee das wusste ich wirklich nicht. Wird ja immer doller 🙂

  4. Hallo. Vor einiger Zeit kam der Pfingstmontag als „überflüssiger“ Feiertag zur Sprache. Bestimmt gibt es in Deutschland (bzw in einigen Bundesländern) einige Feiertage, die man evtl streichen könnte. Komisch nur, das die Forderung zur Streichung des Pfingstmontags aus Bayern kommt. Dieses Bundesland hat weit mehr freie Tage als viele der übrigen BL. Mein Vorschlag ist zu diesem Thema: einheitliche Feiertage für alle BL belassen und die regionalen Feiertage wie z.B. Fronleichnam streichen. 🙂

    Liebe Grüsse aus Osnabrück wünscht
    Ulf


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