Verfasst von: Anna | 15. Juli 2007

Die Fürbitte für die „perfiden Juden“

… wird es in der Karfreitagsliturgie der katholischen Kirche mit Sicherheit auch nach der jetzt erfolgten Aufwertung der lateinischen Messe durch Papst Benedikt XVI. nicht wieder geben. Die traditionelle Formel Oremus et pro perfidis Judaeis ist so ultimativ judenfeindlich, dass eine Wiederzulassung die Beziehungen zwischen dem Vatikan und dem Judentum schlichtweg torpedieren würde. So kann man heutzutage offiziell nicht mehr beten:

„Lasset uns auch beten für die treulosen Juden: Gott, unser Herr, möge den Schleier von ihren Herzen wegnehmen, auf dass auch sie unseren Herrn Jesus Christus erkennen. Allmächtiger ewiger Gott, du schließest sogar die treulosen Juden von deiner Erbarmung nicht aus; erhöre unsere Gebete, die wir ob der Verblendung jenes Volkes vor dich bringen: Möchten sie das Licht deiner Wahrheit, welches Christus ist, erkennen und ihrer Finsternis entrissen werden. Durch ihn, unseren Herrn.“

Immerhin hat Papst Johannes XXIII. diese verachtende Formulierung bereits im Jahr 1959, also schon vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil und der damit einhergehenden großen Liturgiereform, verboten. Im dem jetzt wieder aufgewerteten Messbuch von 1962 verblieben ist eine Bitte für die Bekehrung der Juden. Die ist aber den aktuellen Medienrummel nicht wert. Letztendlich versteht sich das Christentum ja tatsächlich als die einzig wahre und allein seligmachende Religion und hat sich dementsprechend auch die Mission und die Bekehrung von Andersgläubigen auf seine Fahnen geschrieben. Das ist allgemein bekannt und macht nach christlichem Selbstverständnis natürlich auch vor dem Judentum nicht halt. Zumindest verzichtet die katholische Kirche ja auf aktive Judenmission – im Gegensatz zu vielen Freikirchen. Und provoziert fühlen kann man sich als Jude auch von der modernen Karfreitagsliturgie, die seit nunmehr über dreißig Jahren in allen katholischen Kirchen der Welt praktiziert wird und in der wir immer noch mit einer eigenen Fürbitte bedacht werden:

„Lasst uns auch beten für die Juden, zu denen Gott, unser Herr, zuerst gesprochen hat. Er bewahre sie in der Treue zu seinem Bund und in der Liebe zu seinem Namen, damit sie das Ziel erreichen, zu dem sein Ratschluss sie führen will.“

Allein die Existenz dieser Fürbitte reicht mir schon. Zwar wird hier nicht offen von Bekehrung gesprochen, aber da G-ttes „Ratschluss“ in Bezug auf uns für die katholische Kirche offenbar unergründlich ist, werden wir zum unserem Wohl sicherheitshalber mal in das christliche Gebet eingeschlossen. Das sagt doch schon alles. Die Wiederaufwertung der tridentinischen Messe in der Form von 1962 kann mich deshalb überhaupt nicht aus der Ruhe bringen. Im Gegenteil. Aus kulturhistorischer Sicht bin ich sogar froh darüber, dass sich die katholische Kirche endlich wieder auf ihre jahrhundertealte Tradition besinnt und der lateinische Ritus jetzt auch ohne Sondergenehmigung wieder gefeiert werden darf. Seit ich vor vielen Jahren einmal eine tridentinische Messe erlebt habe, habe ich mich immer wieder gefragt, wie es möglich war, dass eine so alte Kirche so sehr vom Drang nach Modernisierung beseelt war, dass sie ihre schöne traditionsreiche Liturgie einfach komplett wegreformiert hat. Ich bin deshalb sehr gespannt, was die Katholiken nun aus der neu gewonnenen Möglichkeit zur Rückkehr zum Alten machen.

Schawua tow, eine gute Woche, euch allen!
Anna

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Responses

  1. B“H

    Ich hatte ueber die Wiedereinfuehrung des Ritus sowohl in meinem dt. als auch in meinem engl. Blog berichtet und daraufhin auf Englisch Schimpftiraden eines offensichtlichen Kirchenangestellten gesandt bekommen.
    Man solle sich gefaelligst nicht in die Belange der kath. Kirche einmischen.

    Fragt sich nur wer sich einmischt.
    Seit Jahren laufen christl. Missionare durch Jerusalem und erzaehlen den gleichen Muell. Die Juden haetten ihre Augen verdeckt und sehen den „wahren“ Meschiach, der da J. heissen soll nicht.
    Auch waere der Ruach HaKodesh von ihnen genommen worden.

    Wie dumm kann man eigentlich sein, um das zu glauben ? Schon allein sorgfaeltiges Thora – Studium bringt anderes ans Licht.
    Zumindest hat uns der Vatikan samt Papst einmal wieder mehr seine wahren Absichten und Ansichten aufgezeigt.
    Vom Dialog keine Spur, sondern nur alte Hetztiraden gegen Juden.

  2. Hi, Anna:
    Wie gehts Dir? Endlich wieder online, oder? 🙂 Als ich mal
    den Anbieter gewechselt habe war ich auch gut 6 Wochen
    ohne DSL und hab mich sehr gewundert wie schnell man
    sich an schnelles internet gewöhnt.

    Was diese Liturgie betrifft denke ich glaub ich ähnlich wie
    Du. Solange sie nicht aktiv Juden missinieren können sie
    in ihre Gebete einschließen wen sie lust haben denke ich.
    Das jukt mich nicht so viel, aber misstrauisch macht das
    natürlich schon.

    Miriam, Du kannst ja mal ein paar Sachen zusammenfassen
    wenn Du lust hast? Ich meine von den Reaktionen und so.
    In den Kommentaren in deinem Blog dringt ja sowas zum
    Glück nicht durch. Ich fände es aber trotzdem gut mal die
    Reation von solchen Fanatikern zu zeigen.

    Jakobo

  3. @Jakobo, grüß dich. Lange nichts voneinander gehört, aber wie denn auch … ich hab mich ja schließlich rar gemacht 🙂

    @Miriam, anscheinend fängst du dir immer die Missionare und die Fanatiker ein. Ich habe da bis jetzt G-tt sei Dank keine Probleme. Wenn sich doch mal einer hierher verirrt, werde ich das genüßlich in einem extra Beitrag zerpflücken. Das wird bestimmt lustig :mrgreen:

  4. B“H

    Der Artikel auf Deutsch ist hier zu lesen:
    http://hamantaschen.blogspot.com/2007/07/dialog-ja-oder-lieber-doch-nicht.html

    Der Artikel in Englisch samt der Kommentare des kath. Offiziellen sind hier zu finden:
    http://shearim.blogspot.com/2007/07/back-to-anti-semitic-rite.html

    Der Offizielle selbst hat extra einen eigenen Blog zur Rechtfertigung eingerichtet, den er maechtig propagandiert. Anscheinend hat er die Adresse an jeden engl. sprachigen Blog gesandt, der sich mit dem Thema „Ritus“ befasst.

    In seinen Kommentaren deutet er ausserdem darauf hin, dass die Juden im Talmud „rassistische“ Aeusserungen abgeben und die kath. Kirche soetwas nie tun wuerde.
    Kurz gesagt, nichts Neues und immer noch die alten Anschuldigungen.

  5. B“H

    @Anna

    Also bisher hatte ich nicht besonders viel Missionare. Ich glaube, die trauen sich nicht so recht, weil ich immer die richtigen Antworten parat habe. 🙂

  6. Liebe Anna!

    Man(n), Frau kann in allem etwas schlechtes entdecken.
    Wieso oder Warum freust Du dich nicht, dass für dich gebetet wird.
    Ich finde die Form wie sie jetzt in Karfreitagsliturgie gebetet wird, wirklich gut!
    Wie gesagt, man kann es keinem Recht machen. Einer findet immer etwas Negatives wenn er will. Ich kann es irgendwie auch bald nicht mehr hören. Mich macht das sehr traurig, das du so denkst. Ich habe oder besser ich sehe die Juden immer noch als unseren älteren Geschwister an. Und das sage ich mit viel Stolz. Denn wir haben gemeinsame Wurzeln.

    Liebe Grüße
    Shalom und ein gesegnetes Wochenende
    (das bei Euch ja schon am Freitag beginnt oder ?)
    Johannes

  7. Liebe Anna!
    Ich bin es schon wieder. Habe ich es richtig verstanden, dass Du eine Jüdin bist? Wie kannst Du dann Kommentare über den Tridentinischen Messritusabgeben?
    Außerdem ist diese Messform eine Möglichkeit die Eucharistie zu feiern. Und die Eucharistie feiert man nie allein sondern immer in der Gemeinde. Und wenn Du schon mal so eine Messe besucht hast dann wüsstes Du auch bestimmt wenn es dir aufgefallen ist, dass die Gemeinde nicht mitbeteiligt wird sondern der Priester die Eucharistie feiert und das fast ohne die Mitwirkung der Gemeinde. Die Das „Volk wird fast nicht mit einbezogen lediglich das Ordinarium darf die Gemeinde mit singen oder beten.
    Zum andern bin ich nach dem Konzil aufgewachsen und habe deshalb überhaupt keinen Bezug zu dieser Form der Zelebration. Es wird fast alles in Latein gebetet und wenn du ganz viel Pech hast wird auch noch die Lesung oder evtl. das Evangelium auch noch in lataeinischer Sprache. Diese Sprachen können die wenigsten lesen noch wissen sie auch die Bedeutung der Worte.

    Ich bete immer in der Sprache in der ich auch Träume und das ist definitiv nicht Laitein Sondern Deutsch Nochmal einen Gruß

  8. @Johannes, ich kenne die tridentinische Messe und die moderne Liturgie gut genug, um zu wissen, was ich schreibe. Dass die Gebetssprache Latein fast niemand versteht, ist kein Argument. Wir beten in der Synagoge auch auf Hebräisch, was auch nicht immer alle verstehen. Das ist aber noch lange kein Grund, nun die Liturgie in die Landessprache umzuschreiben. Hebräisch kann man lernen, Latein auch. Ansonsten kann man, wie früher üblich, zweisprachige Gebetsbücher benutzen. Und im privaten Gebet kann sowieso jeder beten, wie er will.

    Die Fürbitte für die Juden ist, auch in der modernen Form, immer noch problematisch. Im Grunde ist es mir egal, was und wen andere Religionen in ihr Gebet einschließen, solange wir nicht aktiv missioniert werden. Was mich an dieser Fürbitte stört, ist der dahinter stehende Grundgedanke, dass man immer noch meint, ausgerechnet und gerade an Karfreitag überhaupt für „die Juden“ beten zu müssen. Damit bekommt das gesamte durchschnittliche Kirchenvolk suggeriert, dass wir, „die Juden“, das für unser Seelenheil nötig haben.

  9. Liebe Anna!

    Vielen Dank für deine schnelle Anwort auf meine Kommentare.
    Ich muss sagen, das Du dir die Fürbitten, die Großen, einfach mal richtig duchlesen solltest. Ich glaube nicht, das die Katholiken die Juden missionieren wollen. Ich kann da kein Missionsgedanken entdecken. Wir beten einfach für Euch, ist das denn so schlimm. Wie schon geschrieben findet man immer etwas Negatives, wenn man es denn finden möchte.

    Wenn ich deine Kommentare lese, die zu den anderen Beiträgen schreibst, glaube ich fast, das Du ein großes Problem mit uns Christen hast. Ob jetzt katholisch, evangelisch oder was es da sonst noch so gibt. Du musst etwas schreckliches erlebt haben. Ich glaube, sonst würdest Du solche Kommentare nicht abgeben oder es dir so viel Spass machen jemanden in der Luft zu „zerpflücken“.

    Und jetzt würde mich interessieren, woher Du dich in der katholischen Liturgie so gut auskennst, denn ich habe das Gefühl Du weißt nicht worum es bei der Eucharistiefeier geht! Wo die Grundgedanken sind. Was das für einen Sinn macht, was wir oder warum wir die Liturgie so feiern wie wir sie feiern. Und in welcher Sprache.

    Es ist natürlich feierlicher und schöner die Liturgie in der lateinischen Sprache abzuhalten, das stimmt und ich persönlich kann dem bzw. kann der Liturgie in Latein wunderbar folgen. Aber nicht alle Katholiken haben die Möglichkeiten Latein zu lernen warum auch immer (Geld, Intellekt) und es wäre doch schade wenn die Menschen nicht aktiv!!!!!!!! an der Eucharistiefeier teilnehmen können und nicht mal mit dem „Buch“ im dem man die Messe nachvollziehen kann dem ganzen folgen. Früher war es dann so, so erzählen es meine Eltern und Großelter, dass sie einfach in der Zeit in einem Andachstbüchlein geblättert und den Rosenkranz gebetet haben. Nennst Du das Aktiv!!!!! an der Eucharistie teilnehmen. Für mich sieht das definitiv anders aus.

    Liebe Anna ich gebe dir mal einen kleinen Tipp: Wenn Du Kommentare zu Eucharistie bzw. Messen in tridentinischen Ritus schreibst oder meinst dich dazu zu äußern zu müssen, dann beschäftige dich einfach mal mit dem großen Thema „EUCHARISTIE“! Bitte, bitte!!!!
    Ich kann dir auch ein paar Literaturtipps geben wenn Du möchtet.

    Liebe Grüße

    Johannes

  10. Alle Religionen sind doch irgendwie gleich. Jeder betet zum gleichen Gott. In einigen Dingen unterscheiden sich die Religionen ein wenig. Es gab schon viele Religionskriege, deshalb bin ich Atheist. Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende, lg Netty

  11. @Netty, dir auch ein schönes Wochenende! 🙂

    @Johannes, ich kenne die großen Fürbitten, keine Sorge. Gleich nach der Fürbitte für die Juden kommt die Fürbitte für alle, die „nicht an Christus glauben“. Da wird doch ausdrücklich für die „Erleuchtung“ aller derer gebetet, die (noch) nicht an den christlichen Messias glauben. Das gilt ja dann wohl auch für uns und über Gebete mit derartigen Hintergedanken kann ich mich echt nicht freuen. Deshalb habe ich aber noch lange kein „großes Problem“ mit Christen, wie du vermutest. Es ist eher umgekehrt. Viele christliche Gruppen haben ein Problem mit uns, weil wir ihren Messias nicht anerkennen und sie deshalb meinen, uns offensiv missionieren zu dürfen. Judenmission ist aber ein ganz fieser Angriff auf unsere Existenz, bei dem jede Freundlichkeit aufhört.

    PS: Die tridentinische Messe als solche sprengt die Thematik dieses Blogs. Ich kann dir aber versichern, dass sich an meiner Haltung dazu auch durch weitere Literatur nichts ändern würde. Ich habe ausreichend Kompetenz auf dem Gebiet. Und ich befinde mich mit meiner Haltung übrigens in bester Gesellschaft mit dem Papst. 😉

  12. Liebe Anna!

    Irgendwie bin ich wirklich und das ist nicht gelogen, rein zufällig hier auf deiner Seite gelandet. Ich finde sie wirklich sehr interessant und ich finde es gut mit dir über deine Themen zu diskutieren bzw. zu schreiben. Ich möchte einfach nur nochmal betonen, das ich dir oder sonst jemanden mit meiner Meinung nicht auf die Füßen treten möchte. Ich glaube oder ich hoffe, dass ich das auch nicht getan habe. Das ist eben meine Meinung zu diesen Themen. Und das Du mit deiner Meinung in bester Gesellschaft mit dem Papst bist , muss ich leider auch erkennen.
    Liebe Anna,
    ich wünsche dir einen guten und gesegneten Start in die Woche!
    (aber ich glaube deine Woche als Jüdin hat bereits begonnen, oder)

    PS: Natürlich sprengt das Thema „tridentinischer Ritus“ diesen Blog. Aber dann würde ich dieses Thema hier auch nicht „anschneiden“.

    Liebe Grüße
    Br. Johannes FMMA

  13. Über solche Riten und „Fürbitten“ sieht man am besten hinweg. Sie sind ansich nicht böse gemeint, auch wenn ich nur allzu gut verstehe, welches Gefühl da mitschwingt: Das Gefühl, jemand verscuhe einen zu erniedrigen und schlechtzureden. Das muß aber nicht der Fall sein.
    Religion ist eine Sache zwischen dem Menschen und Gott, in welcher Religion er auch immer ist. Das Heraufbeschwören von Gruppenformeln und Abgrenzung gegeneinander ist leider der religiösen Realität stets immanent.
    Atheismus – ich war nie Atheist. Aber Gegner von Gruppen.
    Mein Credo: Ich weiß, daß ich [in der Religion] Recht habe. Das bedeutet aber nicht, daß Du Unrecht hast.

  14. Och wenn dich das Ärgert – dann schau dir mal diese Seite an:

    http://www.orientdienst.de/praxis/gebet.shtml

    Naja – aber ich würde mich nicht drüber Ärgern sondern es einfach als Akt der Nächstenliebe akzeptieren – und im Gegenzug auch für sie beten.

    Am besten wir beten alle füreinander „um Rechtleitung und Führung“ – dann kann doch nicht so viel falsch sein, oder? Gott weiß schließlich am besten was „Recht-“ ist.

    Aber in dem Wunsch danach das alle Menschen ins Paradies kommen und niemand in die Hölle – und deswegen beten sie ja schließlich für uns – kann ich jetzt an sich nichts böswilliges entdecken…

  15. http://www.orientdienst.de/praxis/wastun.shtml

    Was mich persönlich mehr stört sind solche „Anleitungen“, wie man sich am besten bei Muslimen „einschleicht“ um sie zu missionieren. Da fühle ich mich dann schon ein bisschen wie ein Jagdopfer – und es macht mich auch traurig, weil ich weiß, dass in der Türkei viele Menschen sehr sehr wenig über ihren eigenen Glauben wissen und daher eine „leichte Beute“ sind.

    Anschließend werden dann die Missionserfolge stolz präsentiert… das ärgert mich – egal wer es macht – Sich an Menschen ranzuschleichen und Interesse an der Person vorzuschieben NUR mit dem Ziel der Missionierung – das finde ich irgendwie unehrlich. Ich finde man sollte einander auf der gleichen Augenhöhe begegnen und man kann versuchen den anderen von eigenen Positionen zu überzeugen (grade wenn man die Mission als „religiöse Pflicht“ auffasst) – aber eben nicht auf diese Art….
    finde ich jedenfalls.

  16. […] ich das erste Mal bei Anna im Blog gelesen. Anna war ja noch ganz optimistisch, daß dieses Gebet keie Rolle mehr spielen möge, aber […]

  17. Apropos Missionierung: Neulich ein Stand mit ausschließlich arabischer Schrift, dazu eine Hand, die den Globus umspannt. Nanu mag da mancheiner gedacht haben (sofern arabische Buchstaben erkennend) – Islamisten offensiv? Njet. Wer das noch lesen konnte (oder nachfragen) erfuhr daß der Text hieß: Die Wahrheit über die Bibel.
    Meine Meinung zu Missionierungen (und ich hatte schon ‚fast alles‘ an vor der Tür, bis auf Satanisten): Wer zwanghaft missioniert, möchte seine eigene, persönliche Weltsicht im Kern verkaufen. Wahrscheinlich weil er/sie sich nicht sicher ist und ein paar mehr Anhänger zur Bestätigung braucht.
    Und wenn der Autrag von Gott persönlich kommt – Stimmen gehört hat schon manch einer, und trotz einiger aurechter Menschen – der große Teil der Stimmenhörer der Menschheit war psychisch krank.

  18. Die Fürbitte für die Juden ist nicht problematisch! Keineswegs!
    Es gibt verschiedene Religionen. Ist jede Religion gleich gültig? Dann ist doch alles gleichgültig!!! Alles austauschbar und egal. Bestimmt sind Juden davon überzeugt, dass ihr Glauben, ihr Gott der einzig wahre sei. Wenn Juden an einen (exklusiven) Bundesschluss mit Gott glauben: ist das nicht auch diskriminierend für Andersgläubige? Wünschen sich nicht Juden auch, dass alle Menschen ihren Glauben, den sie als gut erachten, teilen und annehmen? Missionierung, das Fürbittgebet, der Wunsch, dass der eigene Glaube sich durchsetze, gehört zu vielen Religionen und ist per se keineswegs schlecht. Mir als Christ, und gewiss auch dem Papst, fehlt der Respekt vor anderen Religionen nicht—aber alle Unterschiede kann man doch nicht nur aus dem Friedenswillen heraus vertuschen!

  19. @a. danning, es gibt keine Mission von Andersgläubigen im Judentum. Missionierung von Nichtjuden ist dem Judentum fremd. Wer trotzdem ins Judentum aufgenommen werden will, muss mit einigem Widerstand und Zögern seitens des zuständigen Rabbiners rechnen.
    Ansonsten stimme ich dir schon zu, dass man um des lieben Friedens willen Unterschiede nicht zu vertuschen braucht. Das spezielle Problem hier ist halt nur, dass das hinter dieser Fürbitte stehende Konzept der Zweitklassigkeit der jüd. Religion jahrhundertelang großes Unglück über die Juden gebracht hat.

  20. Hallo Anna,

    kleiner Tipp, um ein wenig Differenzierung in die immergleiche Spirale der Diskussion (Juden – Christen – Verhältnis) zu bringen: lies doch mal Arnold Angenendts Buch „Toleranz und Gewalt“ (Aschendorff-Verlag Münster/ Westfalen). Bevor der Autor auf die Beziehungen zwischen Juden und Christen zu sprechen kommt, arbeitet er in akribischer, geradazu pedantischer, aber offener und unglaublich spannender Weise die Entstehung des Christentums heraus (und woher kommt dieses? Wie Paulus, der Jude, und andere schon seit 2000 Jahren sagen: von „unseren älteren Brüder im Glauben“). Es würde vielleicht dazu beitragen, dass auch „Tagesäußerungen“, die sich in unserer medial aufgeheizten Landschaft immer wie Schlagzeilen“ lesen, nicht mehr soviel Bedeutung erhalten.

    In diesem Sinne: den Juden ein schönes Pessach-Fest, den Christen gesegnete Ostern!

  21. @libertus, was willst du denn damit sagen? Ich kann den Buchhinweis so nicht einordnen.

    Pessach haben wir übrigens erst in vier Wochen 😉


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