Verfasst von: Anna | 29. Juli 2007

Fadenscheinige Argumente

… gegen den geplanten Bau der Moschee in Köln hat nun auch noch der Augsburger Bischof Walter Mixa vorgebracht. Wie er in einem Interview mit der Rheinischen Post erklärte, sollen Muslime in Deutschland auf den Bau von großen Moscheen verzichten und sich stattdessen auf schlichte Andachtsräume beschränken, solange Christen in muslimischen Ländern nicht die gleichen Rechte zum Kirchenbau hätten. 

Diese Forderung nach Gegenseitigkeit ist altbekannt. Sie klingt logisch und gerecht – und, da sie wohl nicht realisierbar sein wird, verspricht sie dem verängstigten deutschen Bürger einen zeitlich unbegrenzten Schutz vor der befürchteten Übernahme des Landes durch den Islam und der Einführung der Scharia in Deutschland. In Wahrheit ist die Forderung nach Religionsfreiheit für Christen in islamischen Staaten als tatsächliche Vorbedingung für den Bau von Moscheen in Deutschland natürlich Humbug. Erstens sind viele Muslime nichtdeutscher Herkunft inzwischen deutsche Staatsbürger und haben keinen politischen Einfluss mehr in ihren ehemaligen Heimatländern. Zweitens gibt es inzwischen eine beachtliche Gruppe von Muslimen deutscher Herkunft. Drittens werden sich die islamischen Staaten, in denen Christen keine Religionsfreiheit genießen, auch weiterhin nicht darum scheren, ob deutsche Interessensvertreter dies zur Vorbedingung für den Bau von Moscheen in Deutschland machen. Viertens sollte es die deutsche Demokratie nicht nötig haben, die Umsetzung der in der Verfassung garantierten Religionsfreiheit von der Rechtslage in anderen Ländern mit mehr oder weniger dubiosen politischen Systemen abhängig zu machen.

Solange die Forderung nach Gegenseitigkeit von Politikern ins Gespräch gebracht wird, kann man sie ja noch als Rhetorik zur Sicherung von Wählerstimmen verbuchen. Wird sie aber, wie jetzt durch Bischof Mixa, von einem hohen Kirchenvertreter erhoben, erscheint sie als fadenscheinig. Sie widerspricht nämlich dem fundamentalen christlichen Ideal des „Geben ist seliger als Nehmen“ (Apostelgeschichte 20:35), wonach  ja gerade das Erbringen einer Leistung nicht von der Erwartung einer Gegenleistung abhängig gemacht werden soll. Deshalb: wenn ein Kirchenvertreter gegen den Bau von Moscheen in Deutschland ist, dann soll er wenigstens keine Argumente wählen, die im Konflikt mit der eigenen Lehre stehen. Meinetwegen soll er sagen, dass er keine Moscheen in Deutschland will, weil sie eine direkte Konkurrenz zum Christentum darstellen. Das würde genügen. Das wäre verständlich. Das wäre nachvollziehbar.

Schawua tow, eine gute Woche, wünscht
Anna

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Responses

  1. Hallo Anna, ich lese nun seit ein paar Monaten sporadisch mit und finde Deine Beiträge sehr interessant! Diesen bspw. hätte ich selber nicht besser formulieren können, habe ich es doch selber schon so oft erlebt: „Ihr“ (gemeint sind die in D lebenden Muslime) fordert Dinge ein, die „wir“ (ich nehme an es handelt sich hierbei um den „Durchschnittsdeutschen“) in „Euren“ Ländern (gemeint ist wohl das Herkunftsland der Eltern, in meinem Fall Marokko) auch nicht haben/dürfen/bekommen etc. Kirchen gibt es übrigens in Marokko zu Hauf. Oder zum Thema Kopftuch wird auch gerne argumentiert, daß man sich doch Deutschlands Gepflogenheiten anpassen solle, da man sich ja selber im Urlaub in der Türkei/Marokko/Tunesien etc. auch züchtig kleide. Aha! Wer einmal in den betreffenden Ländern Urlaub gemacht hat, der weiß, daß dem nicht so ist.
    Aber wie Du bereits geschrieben hast: der Vergleich mit Situationen in anderen Ländern ist für Muslime der zweiten oder gar dritten und vierten Generation eine Farce!

    liebe Grüße von einer mitlesenden Muslimin 😉


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