Verfasst von: Anna | 18. August 2007

Halal ist nicht koscher

… aber koscher ist anscheinend halal. Das heißt: Nach muslimischem Ritus geschächtetes Fleisch ist nicht koscher und damit für Juden nicht zum Verzehr erlaubt. Umgekehrt ist aber anscheinend nach jüdischen Regeln geschächtetes Fleisch im Islam erlaubt (halal) und somit auch für Muslime genießbar; das schreibt zumindest eine meiner muslimischen Leserinnen, und so habe ich es auch schon oft gehört.

Wie mittendrin-Leserin bigberta zurecht festgestellt hat, sind die jüdischen Vorschriften für die Schlachtung wesentlich strenger als die islamischen. Damit Fleisch als koscher deklariert werden kann, müssen bei der Schlachtung (schechita) alle halachischen Vorschriften genauestens eingehalten werden. Dazu gehört zum Beispiel, dass nur ein entsprechend ausgebildeter Schächter (schochet) die Schlachtung vornehmen darf, dass das Tier nicht betäubt wird, dass das Schlachtmesser in einwandfreiem Zustand ist, dass der Schnitt in einer ganz bestimmten Weise ausgeführt wird, dass das Tier auf Krankheiten und Auffälligkeiten untersucht wird, dass es vollständig ausblutet – und so weiter und so fort. Die jüdischen Vorschriften für die Schächtung von Tieren sind so anspruchsvoll, dass sie von halal-Fleisch nicht erfüllt werden. Leider. Denn dann hätten wir es mit dem Fleisch-Einkauf hier in Deutschland wahrscheinlich wesentlich leichter 🙂

Eine gute Woche wünscht
Anna

Advertisements

Responses

  1. halachisch und halal klingt sehr ähnlich. Sprachliche Aufklärung bitte.

  2. @mummer

    Halachisch: auf die Halacha, das ist das jüdische Recht, bezogen
    Halal: im Islam das Erlaubte im Gegensatz zu Haram (das Verbotene)

    Die Begriffe klingen also nur ähnlich, haben aber nichts miteinander zu tun.

  3. Aber vielleicht heißt das Gestz „gut, erlaubt“ oder woher kommt der Name?

  4. Entschuldige, aber mir wurde es gerade schlecht, als ich den Beitrag gelesen habe. Bin Vegetarier u. jede Art der Schlachtung ist für mich nicht in Ordnung. 😦

  5. Gerade weil die „koscher“ höheren Anforderungen genügen muss, ist es Muslimen vom islamischen Recht her erlaubt, das „koschere“ Fleisch zu essen. Grundsätzlich gilt das auch das von Christen, aber da die Praxis christlicherseits anders aussieht als bei Juden, sind die Bedingungen christlicherseits nicht gegeben.

  6. „Den Reinen ist das Unreine erlaubt.“ Soviel zur christlichen Praxis.

  7. Hallo Anna,

    heute waren wir einkaufen. In der orientalischen Gewürzabteilung des Supermarktes lagen Gummibärchen. Mein Töchterlein fragte ganz erstaunt, was denn Gummibärchen zwischen den Gewürzen zu suchen hätten. Da ich Deinen Beitrag gelesen hatte, konnte ich ihr sofort erklären, was es bedeutete, denn ein Aufkleber mit dem Wort „halal“ klebte darauf. Darunter stand:

    „suitable for vegetarians – halal – kosher“

    Als Vegetarierin habe ich mir natürlich eine Tüte, die zwar happige 69 pence kostete, gegönnt. Ich liebe Gummibärchen, esse sie aber nicht wegen der Gelatine. Sie schmecken prima! 🙂

    lg Netty 🙂

  8. @Netty, ich bin auch keine begeisterte Fleisch-Esserin. Ich esse höchstens mal Huhn. Ich kann deine Abneigung gegenüber Schlachtungen aller Art schon verstehen 🙂

  9. Sehr, sehr, interessant! Man sollte derartige Unterhaltung mal vertiefen. ja, das Gummibärchen-Dilemma…Jetzt bin ich natürlich wieder neugierig: zwar gibt es zum Genuss wunderbare Fruchtsaft-Bärchen in der Apotheke, aber als Therapie bei Arthrosen ist Gelatine nun mal das Beste (auch wissenschaftlich überprüft). In den teuren Pharma-Produkten ist das Gleiche drin, wie in Kochgelatine und Gummibärchen. Ich sach’ma‘: in Deutschland ist Gelatine immer versetzt mit Schweineabfällen, wobei ich im Zeichen von BSE auch mit Rinderabfällen nicht so ganz glücklich bin. Und es gibt nicht nur Studien, sondern auch Metaanalyen, d.h, Betrachtungen über viele Studien, dass Gelatine einfach das Beste ist. Jetzt: einerseits habe ich meine Freude an solchen Denkaufgaben, zweitens ist es für den Islam geregelt: wenn nichts anderes der Gesundheit dienlich ist, ist im Islam auch das erlaubt, was sonst verboten ist. Wobei ich natürlich einräume, dass es sich viele Leute da weiterhin schwer machen. Wie ist das denn im Judentum? Da in meinem Regal mehrere Talmudausgaben stehen, wäre ich für eine Quelle sehr dankbar.

    Mir machen solche Unterhaltungen Spaß – können wir die nicht so führen, dass dabei Erkenntnisgewinn, Verständnis und Spaß rumkommt?

  10. […] interessantes Blog hat Anna, Konvertitin zum Judentum, das ich ja schon mal empfohlen habe. Heute wird der Unterschied von  halal und koscher erklärt. Da es – zugegebenermassen bei Muslimen auch öfters die Tendenz gibt, an der falschen Stelle ein […]

  11. Ohne Betäubung ausbluten lassen find ich noch erheblich krasser als „normales“ Schlachten…
    Gibt es für diese Methode einen rationalen Grund? Oder gab es einen solchen, als diese Regeln aufgestellt wurden?

  12. @bigberta, im Judentum ist es ähnlich: mit Ausnahme der Verbote von Mord, Unzucht und Götzendienst dürfen die Gesetze übertreten werden, wenn es ernsthaft um die Gesundheit oder gar um das Leben geht. Alles andere wäre ja auch irgendwie Unsinn 😉 . Eine Quelle im Talmud hab ich jetzt nicht parat. Ich habe gar keinen Talmud zu Hause, denn der umfasst zig Bände und existiert gar nicht in aktueller deutscher Übersetzung. Wahrscheinlich hast du auch „nur“ stark gekürzte Ausgaben in Übersetzung 😉

  13. B“H

    @Bigberta

    Im Judentum ist es keineswegs so, dass die unkoschere Gelatine aus gesundheitlichen Gruenden als erlaubt gilt. Hier greift noch nicht einmal das Pikuach Nefesh – Gesetz (in absoluten Notsituationen).
    Aber in ganz krassen Faellen wuerde ich mich an einen erfahrenen Rabbiner mit gruendlichen halachischen Kenntnissen wenden, denn es koennte sein, dass der Individualfall anders ausschaut.

    Im Talmud sind diese Faelle nicht besonders verankert, sondern eher in den Iggerot Moshe des Rabbi Moshe Feinstein. Falls jemand aber im Talmud suchen will, sollte er sich auf den Traktat Chullin konzentrieren.

    Wie gesagt, Deine Frage ist allgemein gefasst nicht zu beantworten.

    @Gero
    In der Regel ist es so, dass sobald das Tier geschaechtet wird, es ohnmaechtig wird und den „Ausblutungsprozess“ nicht mehr mitbekommt.

    Die Regel besteht halachisch und ist in der Thora verankert. Juden ist jeglicher Blutverzehr vollkommen untersagt.
    In der Kabbalah heisst es, dass sich im Blut die Nefesh (eine der fuenf Seelen) befindet, was einen der Gruende fuer das Verbot wiederspiegelt.

    Was nicht ganz ausblutet ist die Leber, welche vor dem Verzehr nochmals einen speziellen Kasherungsprozess durchlaufen muss.

  14. @Miriam, die Frage, ob Gelatine aus nichtkoscheren Quellen koscher ist, wird innerhalb der Orthodoxie auch von namhaften Poskim unterschiedlich beantwortet. Raw Feinstein ist ein Vertreter der strengeren Richtung, wonach solche Gelatine nicht koscher ist; es gibt aber auch andere Entscheidungen, denen gemäß diese Gelatine koscher ist. Das sollte man zumindest erwähnen, auch wenn man persönlich dieser toleranteren Richtung nicht folgt.

    Was du zu Pikuach Nefesch schreibst, ist hoffentlich nicht deine Überzeugung und nur mißverständlich ausgedrückt. Im Falle einer ernsthaften Erkrankung, die bei unzureichender Behandlung lebensbedrohlich werden kann, oder bei akuter Lebensgefahr sind selbstverständlich alle Medikamente erlaubt – auch solche, die nichtkoschere Bestandteile enthalten (wie etwa Gelatine, wenn man sie denn als nichtkoscher ansieht), wenn es keine gleichwertige koschere Alternative gibt. Lebensrettung geht im Judentum vor allen halachischen Gesetzen mit Ausnahme der drei genannten Verbote von Mord, Götzendienst und Unzucht! Es ist undenkbar, zum Beispiel einem Kind oder gar einem Baby (die sich noch nicht einmal selbst helfen können), notwendige Medikamente zu verweigern, nur weil sie nichtkoschere Bestandteile enthalten. Das wäre menschenfeindlich, strafbar und eine Sünde (die Verweigerung von medizinischer Behandlung aus religiösen Gründen kenne ich übrigens nur von irgendwelchen dubiosen Sekten). Und selbst ein Erwachsener hat die Pflicht, sein Leben soweit möglich mit den notwendigen Maßnahmen zu erhalten und nicht etwa durch die Nichteinnahme von Medikamenten (oder dem Beharren auf anderen halachischen Gesetzen) Lebensgefahr herbeizuführen. Im Ernstfall, insbesondere wenn es schnell gehen muss, muss man immer zuallerst der fachlichen Entscheidung des behandelnden Arztes folgen; danach kann man bei Bedarf immer noch den Rabbiner konsultieren. Sonst kann es nämlich passieren, dass der Rabbiner nur noch auf den Friedhof kommen muss …

    Danke für deine Antwort an Gero, das habe ich gestern nicht mehr geschafft.

  15. B“H

    Bei PIKUACH NEFESH bezog ich mich auf Essen und nicht auf Medikamente.

    Natuerlich darf man Medikamente verabreichen, aber in diversen Krankheitsfaellen gibt es auch Ausnahmen beim Essen. Hierbei wiederum sind mehrere Faktoren zu beachten wie zum Beispiel wo sich derjenige befindet.
    Ist er in einem Land, wo es nur unkoscheres Essen im Krankenhaus gibt, so gibt es eine weit bekannte Halacha, dass zum Beispiel eine Frau nach der Geburt unkoscheres Essen zu sich nehmen koennte. Theoretisch gesehen.
    Was jetzt um G – ttes Willen nicht heisst, dass sie sich so schnell wie moeglich aufs Schweinefleisch stuerzt, wie sie nur kann.
    Allerdings habe ich die Praxis in einem dt. Krankenhaus miterlebt, wo eine chassidische Frau untergebracht war. Uebrigens gab es dort eine sehr freundliche tuerkische Krankenschwester, der wir alles erklaert haben und es fertigbrachten, ohne die erwaehnte Halacha auszukommen. Heisst, nur koscher zu verabreichen.
    Also, von Medikamenten war bei mir nie die Rede.

    Uebrigens entschied Moshe Feinstein nicht immer so streng wie Du glaubst. Nur weil wir ( er und ich) haredische Einstellungen haben, heisst das nich lange nicht, dass wir ignorante Fundamentalisten sind.

  16. @Miriam, bei pikuach nefesch sind alle notwendigen Maßnahmen zur Lebensrettung geboten. Das beschränkt sich doch nicht auf Medikamente, sondern kann selbstverständlich auch nichtkoscheres Essen bedeuten. Oder soll man sich selbst (auch wenn nicht gerade schwanger oder im Wochenbett) oder gar sein Kind in einer Notsituation verhungern lassen, nur weil es nichts Koscheres zu essen gibt?

    Übrigens hab ich mich bei Feinstein nur auf die Gelatine-Frage bezogen. Seine sonstigen Entscheidungen sind ein komplexes, anderes Thema.

    Schabbat Schalom,
    Anna

  17. @ Anna und Miriam: danke für Eure Antworten. Das wird ja immer interessanter hier. Die Quelle im Talmud werde ich mal nachlesen. Kann man das Buch vom Rabbi Feinstein kaufen? Natürlich ist in einer Hungersituation nicht gerade ein Schweinesteak oder Eisbein das Einzige, was es dann gerade noch zu essen gibt, und es geht auch nicht immer um Fragen von Leben und Tod. Hinter der Frage, ob man zusätzlich zu allen andern Mitteln, eine Arthrose zurüdkzudrängen, auch Gelatine benutzen darf, steckt eine andere: die nach Frömmigkeit und Eigenverantwortung. Da geht es nie um Extreme, sondern aus meiner Sicht meistens um die Fälle des täglichen Lebens. Verzichtet frau z.b. auf Physiotherapie, weil möglicherweise in einer großen Praxis nicht immer nur weibliche Therapeuten verfügbar sind, aufs Schwimmen, weil es kein Frauenschwimmen gibt, etc…
    Und muß man für so eine Frage immer einen Rabbiner konsultieren?
    PS: wo gibt es ein Buch von Rabbi Feinstein?
    BigBerta

  18. B“H

    Es kommt darauf an, was man als Pikach Nefesh betrachtet. Ich habe mir Gedanken gemacht, ob es wirklich so ist, dass jemand in Todesgefahr wirklich unkoscher essen duerfte. Aus der Logik heraus koennte man sagen ja, abe ich bin mir nicht so sich und werde einmal einen Rabbi fragen.
    Was mich zweifeln laesst, sind zwei widerspruechliche Gemarot im Talmud, wobei die eine besagt, dass ein Jude selbst unter Todesandrohungen kein unkoscheres Essen zu sich nehmen darf. Die Gemara gibt die Chashmonaim als Beispiel.
    Die andere Gemara lautet etwas anders und ich wollte die Loesung schon lange heausfinden, vergass aber immer wieder zu fragen.

    Ich bezog mich bei Feinstein auch nur auf die Gelatine, denn Feinstein ist fuer seine Individualentscheidungen bekannt. Alle moeglichen Juden (relig. oder nicht) baten ihn um halachische Entscheidungen und von daher ist es eher der Fall, die Halachot von Bigberta bei R. Feinstein zu suchen als im Talmud selbst.

    Auf den Yeshivot, auf denen ich war (und nicht nur dort) lernte ich, Quellen zu suchen und auch anzugeben. Kommentare zu analysieren und und und. Deswegen bin ich der Meinung, das in Zweifelsfaellen immer bei einem halachischen Experten nachgefragt werden muss und nicht eigens analysiert wird. Vor allem nicht im Internet googlen. Wenn jemand eine halachische Frage stellt, dann sollte sie korrekt beantwortet werden.
    Auch bei Notsituationen kommt es immer auf den Individualfall drauf an, was nicht ausschliesst, dass einem Sterbenden die letzte Hilfe verweigert wird. Doch gibt es andere Krankheiten, bei denen die Sachlage anders liegt.

    Insgesamt glaube ich, dass Dir die Haredim (so wie ich) nicht passen und Dir die von mir geschriebenen Beitraege laestig sind, aber das ist dein Problem. Keine Sorge, ich werde Dich nicht laenger belaestigen.

  19. @Miriam, nun beruhige dich mal wieder. Das einzige, was an deinen Kommentaren zu diesem Beitrag problematisch war, ist die Einseitigkeit bzw. Mißverständlichkeit der Darstellung. Andere Blog-Leser mit nicht so profunden halachischen Kenntnissen können aus deinen Kommentaren irrigerweise schließen, dass auch bei Lebensgefahr bzw. bei Erkrankungen, die ohne adäquate Behandlung zu Lebensgefahr führen können, religionsbedingte Einschränkungen für die medizinsiche Behandlung und andere lebensrettende Maßnahmen (wie zB nichtkoscheres Essen) bestehen. Und das ist einfach falsch. Mord, Unzucht, Götzendienst sind und bleiben verboten, alles andere darf bzw. muss sogar im Notfall übertreten werden.
    Im übrigen ist mir hier niemand hier lästig. Auf meinem Blog sind alle willkommen: Charedim, „normal“ Orthodoxe, Reformierte, Säkulare, Christen, Muslime, Atheisten usw. (Reihenfolge ist beliebig). Unterschiedliche Meinungen sind erwünscht, einseitige Darstellungen ohne Hinweis auf deren Einseitigkeit sind es nicht.

  20. @bigberta, mit Physiotherapie und Schwimmen gibt es doch heutzutage kaum ein Problem: Frauenschwimmen ganz ohne männliches Personal gibt es inzwischen in so vielen Städten, und weibliche Physiotherapeuten sind auch einfach zu finden. Andernfalls wäre das tatsächlich erst einmal ein halachisches Problem. Frau und Mann allein in einem Raum (außer Ehepaare natürlich :mrgreen: ) und dann gar noch halbnackt zur Massage oder gemischt schwimmen – das geht so einfach nicht.

  21. Hallo ihr Alle,

    Ich finde das auch alles sehr interessant.

    Zum Beispiel das mit dem Nefs im Blut – ich komme aus dem islamischen Sufismus (das als Mystik zu bezeichnen finde ich nicht so passend) – und da gibt es ganz ähnliche Gedanken – auch hinsichtlich der Schweine.

    Das mit dem ausbluten kann man aber auch gesundheitlich begründen. Wenn man ein Tier tötet – ganz egal wie (Schlachthöfe und Tiertransporte sind auch höchst stressig) – werden z.B. Stresshormone ausgeschüttet und ins Blut verteilt – die sind nicht gesund. Und das ist jetzt nur ein Beispiel.

    Es ist richtig, dass muslime das von Juden geschlachtete Fleisch essen dürfen – aber leider kenne ich keine Juden persönlich, die mich zum Essen einladen könnten…

    Wie ist es eigentlich bei Juden mit Alkohol? Der ist erlaubt, wenn er richtig zubereitet wurde (koscherer Wein) oder? Da müsste man natürlich aufpassen – schließlich werden Soßen und so manchmal mit Weißwein gemacht – und Muslime sollen an keinem Tisch sitzen bleiben an dem Alkohol getrunken wird – auch wenn sie ihn selber nicht trinken.

    Ich muss auch mal wieder schauen ob es in Augsburg irgendwo Frauenschwimmen gibt. Aber das Problem ist – einen normalen Badeanzug oder Bikini würde ich auch unter Frauen nicht tragen. Mindestens eine Knielange Short würde ich dazu anziehen und einen möglichst geschlossenen Badeanzug.

    Es gibt übrigens islamische Bademode für die Öffentlichkeit (fürs Meer oder so)

    http://www.hasema.com

    falls eine von euch interesse hat kann ich gerne mal welche aus der Türkei mitbringen. Dort kriegt man sie manchmal recht günstig.

    Liebe Grüße

  22. Als muslimische mutter ist es übrigens oft nicht leicht in Deutschland – besonders, weil wir nicht wie Christen und Juden „eigene“ konfessionelle Kindergärten haben… Die versuchen zwar schon aufzupassen mit Schweinefleisch und so – aber manchmal vergessen sie es einfach, und mit Gelatine und Emulgatoren können die sich rein organisatorisch nicht beschäftigen… ich kann ja nicht erwarten, dass die immer stundenlang die Zutatenliste studieren.

    Naja – nun bete ich das Allah mein Kind vor haram schützt, wo ich es nicht schaffe.

  23. @Sümeyye, Alkohol ist im Judentum erlaubt, sich zu betrinken ist allerdings verpönt. Wein muss als koscher deklariert sein, andere alkoholische Getränke wie Wodka, Whisky usw. kann man im Supermarkt kaufen.

    Mit den Kindergärten ist das so eine Sache. Jüdische Kindergärten gibt es ja auch nur in ganz wenigen Großstädten. Wenn man nicht gerade dort wohnt, ist man schon auf die normalen Kindergärten angewiesen. Am einfachsten ist es sicher, wenn man das Mittagessen dort gar nicht bucht, aber dann muss man halt mittags kochen und zu Hause sein. Übrigens dachte ich, es gibt schon ein paar islam. Kindergärten in D …

  24. @ Anna

    mag sein dass es in großen Städten etwas gibt – es gibt ja zum Teil auch islamische Grundschulen – aber im allgemeinen ist das sehr schwierig und zunehmend schwieriger … hier in Augsburg gibt es einen Kindergarten in türkischer Trägerschafft. Die betonen aber ausdrücklich, dass sie weltanschaulich neutral sind – sonst wäre ihnen das gar nicht genehmigt worden. Die würden zwar mit dem Essen aufpassen – sind aber relativ weit weg von mir – und jeden Tag eine riesen Tour mit dem Auto machen ist auch nicht so toll … naja – ich hoffe das ich meinem Sohn bald lehren kann, dass er selbst aufpasst – z.B. bei Gummibärchen nachfragt ob da Gelatine drin ist und so.

  25. Übrigens läßt man hier die Tiere, bis auf Wild, auch zumindest nach dem Tode ausbluten. Woher kommt aus den verschiedenen Schriften die Genauigkeit der Blutfreiheit? Würde es anders interpretieren wenn es mich beträfe.

  26. Hi, Sümeyye:
    In manchen Städten werden auch so Busservice organisiert. Das gibts
    zumindest bei jüdischen Kindergärten und Grundschulen. Da tun sich dann
    einige Eltern zusammen und organisieren eine art Sammeltaxi, dass die
    Kinder morgens abholt und mittags wieder nach Hause bringt. Man kann
    dann evtl. auch einen guten Preis mit dem Fahrer aushandeln damit es
    nicht so teuer ist. Das wäre doch eine Köszbg oder? Warum versucht ihr
    das nicht auch? Du bist ja wahrscheinlcih nicht die einzige die weit
    vom Kindergarten wegwohnt.

    Jakobo

  27. Ach übrigens – so einfach ist das mit dem Schlachten im Islam auch nicht – so weit ich sehen kann sind die Forschriften sehr ähnlich. Allerdings schätze ich, dass , damit das Fleisch koscher ist die Schlachtung durch einen Juden erfolgen muss, oder?

    das sind die wichtigsten Vorschriften im Islam beim schlachten:

    …Die Schlachtung hat betäubungslos zu geschehen, wobei islamische Tierschutzkriterien zu beachten sind.
    Die Schlachtung eines Tieres muss räumlich von den übrigen Tieren getrennt vorgenommen werden, damit das Tier nicht zusehen muss, wie ein anderes geschlachtet wird.
    Die Fesselung des Tieres muss derart erfolgen, dass das Tier keinen Qualen ausgesetzt wird,
    es muss vorher getränkt, gefüttert und beruhigt werden.
    Das Schlachtmesser muss sehr scharf sein und darf keine Scharten aufweisen.
    Vor der Schlachtung muss der sachkundige Schlachter ein vorgeschriebenes Gebet sprechen.
    Der Schnitt muss sofort die Halsblutgefässe, Speise -und Luftröhre durchtrennen, damit der Tod schnellstens eintritt.
    Eine weitestgehende Ausblutung des Tieres ist zu gewährleisten.

    Hier fehlt noch, dass der Schlachtende anhänger einer Monotheistischen Religion seien muss. Als „vorgeschriebenes Gebet“ genügt, dass man „im Namen Gottes“ sagt oder sonst ein Gebet ausspricht, dass zum Ausdruck bringt, dass bei der Schlachtung des einen Gottes gedacht wurde.

    Im Koran steht dazu:
    Verboten ist euch das Verendete sowie Blut und Schweinefleisch und das, worüber ein anderer als Gottes Name angerufen wurde; das Erdrosselte, das zu Tode Geschlagene, das zu Tode Gestürzte oder Gestoßene und das, was Raubtiere angefressen haben, außer dem, was ihr geschlachtet habt, ferner das, was auf einem heidnischen Opferstein geschlachtet worden ist, und ferner (ist euch verboten), daß ihr durch Lospfeile das Schicksal zu erkunden sucht….Heute sind euch alle guten Dinge erlaubt. Und die Speise derer, denen die Schrift gegeben wurde, ist euch erlaubt

  28. Also geht auch Stromschlag, Bolzenschußgerät usw.. Danach ausbluten. Denn Blut soll nicht verzehrt werden. Wo fängt der Verzehr an? bzw. wieviel Hämoglobin pro Kubikzenitimeter ist erlaubt?
    Keinnesfalls will ich mich lustigmachen, ich bin aber vielmehr ein Freund der Trennung von Traditionen, Überlieferungen und den jeweiligen Basisbüchern einer jeden Religion.

  29. @Mummer, es geht hier nicht um das Für und Wider der verschiedenen Schlachtmethoden. Das Verbot des Blutgenusses geht übrigens auf das „Basisbuch“ des Judentums, die Torah, zurück: „Darum habe ich den Israeliten gesagt: Keiner unter euch soll Blut essen, auch kein Fremdling, der unter euch wohnt“ (3. Buch Mose, 17:12).

  30. @mummer,

    Also – im Kuran steht nicht mehr als ich dazu gesagt habe. Aber Stromschlag und Bolzenschussgerät wird aus guten Gründen abgelehnt:

    „Der Tod des Tieres darf nur ausschließlich durch den Schlachtvorgang verursacht werden. Eine vorherige Betäubung mittels Elektroschock und mit Bolzenschußgeräten darf nicht erfolgen. Durch eine instrumentelle Betäubung des Schlachttiers besteht die Gefahr, daß das Schlachttier durch die Anwendung des Betäubungsinstrumentes schon vor dem Schlachtvorgang stirbt und auf diese Weise die Schlachtung nicht mehr eindeutig den Todesgrund des Tieres darstellt. In diesem Falle hätten wir ein erschlagenes oder verelendetes Schlachttier, dessen Fleisch nicht zum Verzehr für Muslime zugelassen ist. “

    Außerdem:

    „Das Schlachten von Tieren mit Strom, wie es heutzutage in den Schlachthöfen üblich ist, soll nach Ansicht von Veterinärmedizinern für die Tiere wesentlich qualvoller sein als das Schächten und nicht zur Vermeidung von Tierleid sondern lediglich zur Profitmaximierung der Schlachthöfe dienen, weil es weniger kostenintensiv ist als die früher angewendeten Schlachtmethoden.“

    Das Blut, dass nach der vorgeschriebenen Schlachtung in den Feinen Adern verbleibt , das „nicht geflossene Blut“ ist helal. Trotzdem waschen wir das Fleisch in der Küche nach dem kleinschneiden nochmal aus, um so viel Blut wie möglich zu entfernen.

  31. ja, geschächtet werden muss durch einen juden und zwar einen ausgebildeten: den schochet. nur er hat die notwendige kenntnis, eine koschere schchita durchzuführen.
    übrigens gibt es kleine unterschiede in der aschkenasischen und der sephardischen schchita und chabadnikim erkennen ohnehin nur ihre eigene schchita an (d.h. wenn kein chabadnik bei der schchita dabei war, gilt das fleisch für sie nicht als koscher).

    hier noch ein hinweis auf einen ausführlichen artikel über die schchita (methode und hintergründe) von rabbiner i.m. levinger:

    http://www.hagalil.com/judentum/koscher/schaechten.htm

  32. Halal- und Kosher-Kantinenverpflegung im Rathaus von Utrecht

    Wi die Volkskrant schon am 30.08.07 gemeldet hat, gibt es seit neuestem auf Bitten verschiedener Ratsmitglieer im Rathaus von Utrecht Halal und Kosher-Kantinenverpflegung.  Wie die Stadt Utrecht meldete, sei es kein Problem, auch hier die Gleichstellu…

  33. Hallo miteinander,

    ich wollte nur eine Info loswerden zum Posting von Anna, dass Muslime das koschere Fleisch als halal essen dürfen, stimmt nicht..Streng genommen muss jeder muslim das Fleisch selber schlachten um sicher zugehen dass es halal ist, wenn das aus irgendeinem Grund nicht geht, sei es Krankheit, Abneigung das Messer zuführen etc. so muss das Tier wenigstens von einem anderem Muslim geschlachtet werden. Denn Halal wird das Fleisch mit unter anderem wenn bei der Schlachtung Allah’s Name ausgesprochen wird ( verbunden in einem Gebet) und man dafür niyet (das Vorhaben ) ausspricht..

    Ich hatte die Diskussion auch schon mit meinem jüdischen Freund.

    Also ist das koscher Geschlachtete nach jüdischem Brauch nicht gleich halal dass jeder muslim essen darf..

    bis denn

  34. Soweit ich weiß, ist Selbstmord (ebenso wie Euthanasie) im Judentum strikt verboten, da das menschliche Leben als Geschenk Gottes gilt und der Mensch die Pflicht hat, achtsam mit seinem Leben und seiner Gesundheit umzugehen. Wie verhält es sich dann aber mit der Ausübung gefährlicher Sportarten? Bestehen diesbezüglich religiöse Vorschriften/Verbote/Einschränkungen?

  35. zu gdream: ,,Streng genommen muss jeder muslim das Fleisch selber schlachten.“

    Man muss sich vor Augen führen das es nicht mehr einige hunderttaussend Moslems auf der Welt gibt, wie vor 1400 Jahren. Heute sind es über eine Milliarde Moslems. Das jeder sein Fleisch selber schneiden soll, ist einfach in einer modernen Gesellschaft nicht mehr machbar. Sicher kann jemand darauf bestehen sein Fleisch selber zu schneiden, das soll man ja auch dürfen, aber diesen Wunsch wird immer nur ein nicht nennenswerter Bruchteil an Muslimen nachgehen, ausser vielleicht zum Opferfest.

    Was ich sagen will ist das wenn sich die 1 Millarden Moslems für ihren Tägliche Ernährung mit Fleisch bedecken wollen, dann Funktioniert das nur industriell. Und das heist in Supermarkt kaufen wo auf der Verpackung Helal steht. Und ich muss auch nicht selber zu dem Hersteller fahren um mich zu überzeugen ob es wircklich Helal ist. Höchsten kann eine Moschee Gemeinde eine empfehlung aussprechen welche Hersteller unter Verdacht stehen nicht Helal zu „produzieren“.

    Ich bin selber auch der Meinung wenn ein Jude, nach seinem Brauch ein Tier schlachtet, wo die islamischen voraussetzungen schon eigentlich erfüllt sind, das das Fleisch Helal ist. Der Schlachter gehört zu einer Buchreligion, die Methode ist islamisch, es wird in Angedacht Gottes geschlachtet, mit seiner erlaubnis. Für mich sind die Voraussetzungen erfüllt, und das Fleisch kan man essen. Wenn ein gläubiger Christ auf die selbe weise schlachtet, ist es auch hier Helal.

  36. zu gdream: ,,Streng genommen muss jeder muslim das Fleisch selber schlachten.”

    Quatsch! Ein Muslim darf das Fleisch, welches vom Juden oder Christ (oder Sabäer und Zoroastrier, die es aber so gut wie nicht gibt), essen.

    Und das Halal Nahrungsmittel nicht gleich Kosche ist, kann schon sein. Denn Koscher ist z.B Fleisch mit Joghurtsoße oder Schafskäse nicht. Oder?

    Also dürfe man als Jude auch kein Döner essen? (Jedenfalls ohne der Joghurtsoße)?

    Im Grunde genommen, esse ich persönlich wenig Fleisch.

    LG
    hajar

  37. „Und das Halal Nahrungsmittel nicht gleich Kosche ist, kann schon sein. Denn Koscher ist z.B Fleisch mit Joghurtsoße oder Schafskäse nicht. Oder?“

    Nein, Halal Fleisch ist nie koscher.
    Erstens muss die Schächtung ein Schochet durchführen, nichtjüdische Schaltungen sind nicht koscher.
    Zweitens dürfen wir das Chelev (Talk – und Fettschicht) nicht essen.
    Drittens das Nerven- und Sehnenteil am Hüftgelenk muss entfernt sein, das kein Juden essen darf.

  38. Eigentlich ist es richtig schade, dass Halal-Fleisch nicht koscher ist. Bei uns in der Stadt gibt es das mittlerweile in so vielen Läden, an Imbissen etc. Es könnte alles so einfach sein 🙂

  39. Shalom & Selam,
    für uns Muslime ist es sicherlich etwas einfacher in der heutigen Gesellschaft sich Halal zu ernähren,bei unseren cousans den Juden ist es leider ziemlich schwierig und dadurch auch sehr teuer.Persönlich esse ich alles was von einem Gläübigen Juden kommt aber bei meinen Christlichen Freunden bin ich sehr vorsichtig.
    In meinem Dezember Urlaub letzten Jahres in Israel habe ich mich G’tt sei dank immer wohlgefühlt wenn ich im Restaurant etwas bestellt habe, in anderen Urlaubsländern ist war es für mich immer schwierig Fleischgerichte zu bestellen.


Kategorien