Verfasst von: Anna | 20. September 2007

Jom Kippur

… ist wahrscheinlich der bekannteste jüdische Feiertag in Deutschland. Zumindest gibt es laut meiner Blogstatistik ein reges Interesse an diesem höchsten jüdischen Feiertag. Jom Kippur,  im Deutschen auch als Versöhnungstag bekannt, beginnt im Jahr 2007 mit Sonnenuntergang am Freitagabend, den 21. September, und geht über 25 Stunden bis zum Einbruch der Nacht am nächsten Abend. Nach dem jüdischen Kalender ist das der 10. Tischri.

Jom Kippur ist der heiligste und feierlichste Tag im jüdischen Jahr, an dem G-tt das Schicksal eines jeden einzelnen Juden für das kommende Jahr besiegelt. Bereits an Rosch haSchana, dem jüdischen Neujahrsfest, schreibt G-tt die vollkommen Gerechten in das Buch des Lebens und die vollkommen Bösen in das Buch des Todes ein und besiegelt damit ihr Schicksal. Das Schicksal der mittelmäßigen Mehrheit lässt er an Rosch haSchana noch in der Schwebe und besiegelt es erst am Jom Kippur. In den 10 Tagen zwischen Rosch haSchana und Jom Kippur haben die Mittelmäßigen somit die Möglichkeit, durch innere Einkehr, Buße und Reue ihr Schicksal zum Guten zu wenden und sich einen Eintrag im Buch des Lebens zu sichern.

Den Jom Kippur selbst verbringt man fast ausschließlich in der Synagoge. Am Abend  kurz vor Sonnenuntergang beginnt der G-ttesdienst mit dem Kol Nidre („Alle Gelübde“), einem in einer ergreifenden Melodie gesungenen Text, mit dem alle Gelübde und Versprechungen aufgehoben werden, die man sich selbst oder G-tt im kommenden Jahr geben wird. Es folgen zahlreiche traditionelle Gebete, kollektive Sündenbekenntnisse und Lesungen aus der Thora und dem Buch Jona, bis der Jom Kippur am nächsten Abend mit dem Neila-Gebet und mit Einbruch der Nacht zu Ende geht. Dieses Ende wird mit dem Schofar-Blasen signalisiert. Nun hofft ein jeder, das G-tt ihn in das Buch des Lebens für das nächste Jahr eingeschrieben hat.

An Jom Kippur gelten grundsätzlich alle Gebote und Verbote, die auch für den Schabbat gelten. Zusätzlich untersagt sind: Essen und Trinken, das Tragen von Lederschuhen und sonstiger Lederkleidung, Baden und Waschen, die Verwendung von Cremes und Kosmetika sowie Geschlechtsverkehr. Um das 25stündige Fasten gut zu überstehen, trinkt man am besten schon ein paar Tage lang vor Jom Kippur mehr als üblich und nimmt am Nachmittag vor Jom Kippur eine entsprechend reichhaltige, aber nicht allzu stark gewürzte Mahlzeit ein. Für dieses se’uda mafseket genannte Essen gibt es allerlei traditionelle Rezepte. Nach Jom Kippur wird das Fasten mit einer eher leichten Mahlzeit gebrochen.

Das ist eine kurze Zusammenfassung über unseren höchsten Feiertag. Wer sich ausführlicher informieren möchte, findet weitere Details bei Chabad oder auf internationalen jüdischen Seiten. Wenn ich es zeitlich noch bis morgen schaffe, schreibe ich euch auch noch ein paar persönliche Gedanken zu Jom Kippur und was wir in der Familie daraus machen. 

Euch allen wünsche ich schon jetzt גמר חתימה טובה, gmar chatima towa, möget ihr alle für ein gutes Jahr eingeschrieben werden. 

Eure Anna

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Responses

  1. Danke für die ausführliche Erklärung.

  2. Ich kenne Jom Kippur nur durch den Colbert Report. Das ist da immer ne große Sache. 🙂 Kann nur empfehlen sich das anzuschauen – falls man die Gelegenheit dazu hat.

  3. Ich wünsche Dir, Anna, aus Portugal ein wunderschönes süßes Neuers Jahr
    Ralf

  4. Eine wirklich gute Erklärung, die erste die mir den Hintergrund dieses Festes
    verständlich erklärt – vielen Dank!

  5. Danke euch allen für eure positiven Rückmeldungen und guten Wünsche!!!

  6. […] hier weiterlesen.  […]


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