Verfasst von: Anna | 21. September 2007

Faszination Jom Kippur

Jom Kippur hat eine ganz besondere Atmosphäre. Der Tag übt auf mich eine regelrechte Faszination aus. Erklären kann ich das nicht. Aber allein schon der Anblick der vielen dicht gedrängt stehenden Menschen in der Synagoge, dieses Meer von Männern in ihren Tallitot (Gebetsschals), ist so außergewöhnlich, so feierlich, so bewegend, dass ich jedesmal von neuem ganz ergriffen bin. Und das, obwohl ich mich an Orten, wo sich viele Menschen auf engstem Raum drängen, normalerweise überhaupt nicht wohl fühle. Auch heute wird es wohl wieder voll werden, und es wird nicht genug Sitzplätze für alle geben. Wahrscheinlich steht auch schon jetzt wieder das halbe Stadtviertel unter Polizeischutz.  

Nachher wollen wir noch einmal richtig gut essen und trinken, allerdings ohne uns übermäßig den Bauch vollzuschlagen. Irgendwelche traditionellen Gerichte gibt es bei uns vor Jom Kippur aber nicht. Wir essen das, was wir sonst auch gern essen: Fleisch, Gemüse, Pommes Frites, Salat und zum Nachtisch eine Melone. Das muss reichen. Meiner Erfahrung nach ist das lange Fasten am Jom Kippur eh vor allem eine mentale Sache. Es ist wie bei allem im Leben: mit der richtigen Einstellung geht es leichter. Und natürlich haben wir hier auch nicht so eine Hitze wie zum Beispiel in Israel 😉  

An euch alle noch einmal גמר חתימה טובה, gmar chatima towa, möget ihr alle für ein gutes Jahr eingeschrieben werden.

Eure Anna

Advertisements

Responses

  1. Hallo,
    ich bin heute morgen mit der Straßenbahn an der Augsburger Synagoge (die übrigens sehr schön ist) vorbei gefahren und habe mich darüber gewundert, dass dort zwei reichlich bewaffnete Schutzmänner vor dem Eingang standen – was ich zum ersten mal dort gesehen habe. Ich hab mir schon Sorgen gemacht, dass etwas passiert ist – aber dann war das wohl auch wegen Jom Kippur.

    Wir haben ja im Moment auch grade Fastenzeit (Ramadan) und da habe ich heute (mal wieder) mit meiner Schwester drüber debattiert, die sagt sie könnte das ja niiiee mals den ganzen Tag nichts essen und trinken. Das sei doch auch ungesund und überhaupt sie würde spätestens mittags umkippen…

    In gewisser Weise glaube ich ihr das, denn du hast Recht Anna: Die Einstellung ist das wichtige. Für jemanden, der nicht daran glaubt und es nicht als Gottesdienst macht ist es wirklich schwer zu schaffen. Aber wenn du in der Früh aufstehst, vor der Dämmerung ißt und dann sagst: „Ich habe die Absicht heute um Gottes Willen zu Fasten.“ Dann ist das gar nicht schwer. 🙂

    LG Sümeyye

  2. liebe anna,

    ich hoffe du hast yom kippur gut ueberstanden ….

    danke fuer den lieben kommentar in meinem blogg, ich habe mich wirklich sehr darueber gefreut 😉

    also ich muss gestehen: das „meer von maennern“ habe ich leider nicht gesehen, „meine“ schul musste wirklich nicht wegen ueberfuellung schliessen. schade eigentlich 😦

    liebe gruesse,
    grenzgaenger


Kategorien