Verfasst von: Anna | 10. November 2007

Kerstin Höckel: „Wie kannst du so fest glauben“

Durch Zufall habe ich dieses Buch am Wochenende in die Hände bekommen … und fast auf einen Rutsch durchgelesen. Die Autorin Kerstin Höckel erzählt darin die Geschichte ihrer Schwester Claudia, die zum Judentum konvertiert ist und heute im Westjordanland mit ihrem Mann Ben und ihren fünf Kindern ein jüdisch-orthodoxes Leben führt.

Auf einer Israel-Reise mit einer Jugendgruppe verliebt sich Claudia in Ben, den Sohn von in Israel lebenden deutschen Christen. Bald darauf kommt Ben nach Deutschland, wo er auf Betreiben seines Vaters eine Lehre machen soll. Claudias Eltern laden Ben ein, für die Zeit seiner Ausbildung bei ihnen zu wohnen. Besonders Claudias Vater hofft, dass seine Tochter durch das alltägliche Zusammensein mit dem jungen Deutschen aus Israel das Interesse an ihm verlieren würde. Doch das Gegenteil ist der Fall. Im Elternhaus beziehen Claudia und Ben schon bald ein separates Zimmer unter dem Dach mit einer eigenen Küche. Dort versuchen sie, nach den Gesetzen der jüdischen Religion zu leben. Eltern und Geschwister sind mit der Situation überfordert. Im sonst so toleranten Lehrerhaushalt kommt es zu heftigen Diskussionen, Wutausbrüchen, Streit. Ben und Claudia heiraten schließlich, treten zum Judentum über, bekommen Kinder und ziehen in eine jüdische Siedlung ins Westjordanland. Die Autorin besucht ihre Schwester dort und bemüht sich, das jüdisch-orthodoxe Leben in dieser Siedlung möglichst angepasst mitzuleben. 

Das Buch von Kerstin Höckel ist die sehr persönliche Geschichte einer deutsch-christlich-akademischen Familie, die sich damit auseinandersetzen muss, dass sich die eine Tochter plötzlich mit vollem Elan dem orthodoxen Judentum zuwendet. Auch wenn der Text streckenweise schwer zu lesen ist, so ist die jüdische Thematik doch gut recherchiert und angemessen dargestellt. Offen geblieben, und von außen auch nicht beantwortbar, ist für mich die Frage, ob das Judentum in der Schwester-Familie tatsächlich so zwanghaft, so konvertitenhaft, gelebt wird oder ob die Autorin die orthodoxe Lebensweise aus ihrer eigenen nichtjüdischen Perspektive nur so wahrgenommen hat.

Eine gute Woche euch allen,
Anna

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Responses

  1. liebe anna,

    ich wuensche dir auch schavua tov.

    herzlichen dank fuer den interessanten hinweis auf das buch. ich habe es gleich bei amazon.de bestellt 🙂

    herzliche gruesse,
    grenzgaenger

  2. liene anna,

    ist alles in ordnung bei dir ? es ist so still hier !?

    ich hatte heute einen wunderbaren tag in tiberias und jerusalem – und der strecke dazwischen.

    ach, anna, die jaffa road. wie wunderbar. ich bekomme gar nicht genug von dieser strasse.

    ganz herzliche gruesse,
    grenzgaenger


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