Verfasst von: Anna | 15. November 2007

Die spinnen, die Libyer

Die Arabisch-Übersetzer in Europa können sich freuen: seit gestern wird der zwölfsprachige EU-Reisepass in Libyen nicht mehr verstanden. Oder besser gesagt, nicht mehr akzeptiert, weil er keine arabische Übersetzung enthält. Ab sofort müssen Reisende aus Europa zusätzlich zum Visum eine beglaubigte Übersetzung ihres Passes ins Arabische mit sich führen. Und weil das quasi über Nacht angeordnet worden ist, haben mehrere Fluggesellschaften ihre Passagiere gestern wieder mit nach Hause nehmen müssen, nachdem ihnen die Libyer trotz gültigem Visum kurzerhand die Einreise verwehrt hatten.

Praktisch betrifft mich das ja nicht. Wir bekommen sowieso weder ein Visum für Libyen noch für die anderen Länder der Arabischen Liga, die Israelis und Israel-Touristen die Einreise verweigern. Trotzdem ist das wieder einmal eine unglaubliche Frechheit aus diesem Gaddafi-Land, über die mich als Inhaberin eines in aller Welt geschätzten EU-Reisepasses schon aufrege. Hoffentlich bleiben die europäischen Reisegruppen jetzt endlich wieder weg, hoffentlich geht der Tourismus in Libyen wieder in den Keller. Und ich bleibe bei meiner persönlichen Reisepolitik: grundsätzlich nur in Demokratien reisen, grundsätzlich nur in Länder reisen, in denen die Menschenrechte gewahrt werden, möglichst nicht in Länder reisen, die die Todesstrafe praktizieren.

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Responses

  1. Bei deinen Ansichten kannst du eine Reise in den USA ja geradezu abschminken.

    Seit dem 11.09.01 werden Menschenrechte mit Füßen getreten und die Todesstrafe wird auch noch praktiziert.

    Bei genauerer Betrachtung kann man Israel auch vergessen. Ohne Gerichtsverhandlung mit einer gezielten Tötung ermordet zu werden raubt den getöteten das Menschenrecht in einem Gerichtsverfahren seine Unschuld zu beweisen. Zumal die Liquidierungen ja auch nicht per Sniper geschehen sondern meistens mit Kolleteralschäden verursachenden Raketen.

    Vielleicht sollte man die dinge nicht so sehr subjektiv wahrnehmen, denn die USA hatten z.B. 2001 einen Schock erlebt der Sie zu diesen fiesen schritten verleitet hat, und Israel wusste vielleicht nach all den Menschenopfern sich einfach nicht mehr weiter zu helfen und hat vielleicht gedacht mit diesen Drakonischen Strafen höhrt der Terror vielleicht auf.

  2. @planq, hier geht es um Libyen und die EU. Aber was soll’s, ALSO: du hast recht, in den USA war ich schon lange nicht mehr, muss ich aber auch nicht unbedingt, es gibt genügend Alternativen.

    In Israel gibt es eine Demokratie und keine Todesstrafe. Das, was du als „Liquidierungen“ bezeichnest, findet auf einem Kriegsschauplatz statt und hat mit Todesstrafe nichts zu tun.


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