Verfasst von: Anna | 26. November 2007

„Gluckengehalt“

So bezeichnen die Gegner das Betreuungsgeld, das Müttern gezahlt werden soll, die ihre Kleinkinder nach dem ersten Geburtstag weiter zu Hause betreuen. Und so steht es heute auch in fetten Lettern in einer Schlagzeile im „Spiegel-Online“. Ich bin richtig erschrocken, als ich das gelesen habe. Was für ein widerlicher Ausdruck! Wie tief ist unsere Gesellschaft eigentlich schon gesunken, dass eines der führenden deutschen Nachrichtenmagazine es sich erlauben kann, ein solches Schmähwort zu gebrauchen und Frauen unter dem Deckmantel der objektiven Berichterstattung so zu diffamieren? (Die Anführungszeichen, in die dieses Unwort gesetzt war, machen die Sache höchstens politisch korrekter, aber keinen Deut besser). Merkt überhaupt noch jemand, was für eine Stimmungsmache hier in Deutschland im Gange ist? Eine Mutter, die ihr Kleinkind um sich herum haben will, wird zur „Glucke“ herabgewürdigt. Ist das hässlich. Ist das traurig.

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Responses

  1. Auf der anderen Seite schwirrt in den Medien auch der Begriff „Rabenmutter“ rum, der ja auch nicht wirklich besser ist.

    Die allgemeine öffentliche Medienmeinung besteht allerdings schon noch darin, dass eine Frau nur dann was Wert ist, wenn sie eine Spitzenkarriere macht, gleichzeitig Kinder bekommt und am allerbesten noch alleinerziehend ist.
    Meiner Meinung nach ist das der denkbar schlechteste Weg, den man gehen kann! Wenn man keine Zeit für seine Kinder aufbringen kann/will, dann sollte man besser keine Kinder in die Welt setzen.

    Aber ich denke, wir haben den Zenit der Absurdität so langsam überschritten und das Frauenbild wird wieder etwas vernünftiger werden.

  2. Ich hörte da heute auch so einen Kurzbericht über die Kindergartenlandschaft in Thüringen (dort gibt es so ein spezielles Erziehungsgelod, und sie hatten Angst, dass die Eltern sich das egoistisch so einstecken und die Kinder dann nicht mehr in den Kindergarten bringen), speziell Erfurt. Eine Kindergartenleiterin sprach davon, dass es Mütter gäbe, die ihre Kinder „erst ab 3 Jahren“ in den Kindergarten brächten. Das kam so rüber als sei das sehr absonder- und verwerflich.

    Erst ab 3 Jahren dem Staat zur Ausbildung oder was auch immer überlassen? Ich finde 4 Jahre noch fast zu früh.


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