Verfasst von: Anna | 3. Januar 2008

Israel – vertrautes, fremdes Land

Wir sind wieder da. Über zwei Wochen haben wir in Israel verbracht. In dieser Zeit haben wir das Land einmal komplett durchquert: vom Golan im Norden bis nach Eilat im Süden und von Jerusalem im Osten bis nach Ashqelon im Westen. Wir hatten eine tolle Zeit und haben alles gemacht, was wir uns vorgenommen hatten – die Familienbesuche, die Fahrt ans Rote Meer, die Einkäufe und Touren durch über zwanzig Nationalparks mit unserer nagelneuen Jahreskarte. Sogar ein Einbruch in unser Auto in Jerusalem samt Meldung bei der Polizei steht auf unserer Erlebnisliste.

Eine Eingewöhnungszeit habe ich auch diesmal nicht gebraucht. Ich fühle mich in Isarel auch heute noch wie zu Hause. Mit jeder Ecke in unserer Stadt und mit den meisten Orten im Land verbinde ich irgendetwas. Auch die Sprache, die Mentalitäten, das Essen, die Währung, der Fahrstil, die Staus, der Trubel in den Einkaufszentren nach Schabbat-Ende, die Straßensperren um Eilat, die Taschenkontrollen vor Einkaufszentren, das Fernsehprogramm, das Nummernziehen bei Behörden und Banken, das Klima – all das und vieles mehr ist mir vertraut. Schon wenn ich mich in Frankfurt ins Flugzeug setze, fühle ich mich angekommen, und spätestens ab Ankunft in Tel Aviv höre ich auch kein Wort Deutsch mehr.

Und trotzdem lande ich jedesmal wieder am gleichen Punkt: nach einiger Zeit wird mir das Leben in Israel zu eng. Israel ist wie eine Insel. Man kann sich nicht ins Auto setzen und einfach Tausende von Kilometern irgendwohin fahren kann. Man kann Israel noch nicht einmal mit dem Auto verlassen. Ich bin aber kein Insel-Typ. Wenn wir nach der Landung in Frankfurt wieder über unsere breiten Straßen nach Hause fahren, dann vermisse ich Israel ganz schrecklich und bin doch froh, wieder im riesengroßen Europa angekommen zu sein.

Euch allen ein gutes neues Jahr 2008!
Anna

Advertisements

Responses

  1. liebe anna,

    schavua tov !

    danke fuer deinen spannenden bericht. also fuer mich waere es keine schoene vorstellung tausende kilometer mit dem auto zu fahren, das faende ich eher langweilig.

    aber mit der „insel-lage“ israels hast du schon recht, es waere natuerlich toll wenn man in die „nachbar“laender fahren koennte ohne grosse befuerchtungen zu hegen. aber das ist natuerlich eine wunschvorstellung.

    auf der anderen seite bin ich bei meinen aufenthalten in israel auch zu beschaeftigt um auch noch die „nachbarn“ zu besuchen 🙂

    was ich in israel wirklich geniesse ist der kurze weg zur synagoge – und eine andere insel: schabbat in einem religioesen viertel wie har nof. ist das toll: keine autos, die strassen gehoeren den fussgaengern, synagogen an jeder ecke, wirkliche schabbatruhe.

    ohne freunde waere ich allerdings verloren. aber ich habe halt das glueck dort freunde zu haben und so werde ich bei meiner naechsten reise bestimmt wieder am schabbat in har nof sein.

    http://grenzgaenge.wordpress.com/2007/11/10/schabbes-in-har-nof/

    herzliche gruesse, eine wunderschoene woche wuenscht der grenzgaenger

  2. Das Inselgefühl hab ich gar nicht. Liegt vielleicht an den grossen Unterschieden, die hier so eng beianander liegen. Vielleicht liegts auch an der Kueste. Wenn ich nach Westen schaue, dann geht mein Blick so weit das Auge reicht.

  3. hi anna,

    ich plane ende april wieder nach israel zu fliegen (steht auch in meinem blogg). ich kann es kaum noch erwarten..

    so ist das – die eine ist wieder da, der andere fliegt in die andere richtung 🙂

    herzliche gruesse,
    grenzgaenger

  4. Ein sehr schöner Reisebericht über ein Land, das ich persönlich leider nicht kenne.
    Nachdem, was ich hier darüber lese, mit welcher Begeisterung Du schreibst, ist es eine Überlegung für mich wert, einmal dort hinzukommen.

    Einen lieben Gruß von der

    Senioren-Lobby


Kategorien