Verfasst von: Anna | 20. März 2008

„wie sagt man auf jüdisch frohe ostern“

Seit ein paar Tagen suchen hier Leute nach einer Antwort auf diese und ähnliche absurde Fragen  – und werden nicht fündig. Natürlich nicht.

Ich frage mich: Wie ist es mittlerweile eigentlich um die Allgemeinbildung bestellt? Auch wer kein oder auf nur dem Papier Christ ist, der kann doch rudimentäres Wissen darüber haben, was an diesem hohen Feiertag, der in unserem Kalender mit einem viertätigen Wochenende honoriert wird, überhaupt gefeiert wird. Lernt man so etwas denn nicht einmal mehr in der Schule? In Geschichte, wenn die Reformation durchgenommen wird, oder im Zusammenhang mit Judenverfolgung und Antisemitismus? Ich kann mich über die allgemeine Unwissenheit, zumindest soweit sie sich in meiner Besucherstatistik widerspiegelt, nur wundern.

Ansonsten – Purim Sameach!

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Responses

  1. Ja wie jetzt.

    Vor ein paar Jahren war im bayerischen Rundfunk ein Interview dahingehend, was Kinder vom Karfreitag wissen. Die Antwort, die dem ganzen Geschehen am nächsten kam, war: „Ja, das ist der Tag, an dem Jsus erschossen wurde.“

  2. Es stimmt zwar, was Du schreibst, aber ich kenne das Problem auch, denn meine jüdische Chefin hat auch vier Tage frei und sich was schönes vorgenommen – also will ich ihr ja auch eine gute Zeit wünschen, was ich auch tue und dass sie sich gut erholen müsse. So kann man die Osterproblematik umgehen. DIeses Jahr tat es ja auch „Purim sameach!“

  3. @Annabellakatarina, wenn du die Frage so verstehst, dass die Leute einfach nur nach einer auf Juden anwendbaren adäquaten „Ersatzformel“ für „frohe Ostern“ suchen … OK. Ich habe es aber so verstanden, dass man hier aufgrund von Nichtwissen davon ausgeht, dass auch Juden Ostern feiern und dass das nun „ins Jüdische“ (Jiddisch? Hebräisch?) übersetzt werden soll.

    Wenn mir jemand schöne Feiertage zu Ostern oder Weihnachten wünscht, finde ich das übrigens höflich und in Ordnung. Es muss ja gerade nicht „frohe Ostern“ oder „frohe Weihnachten“ sein (von jemandem, der weiß, dass ich jüdisch bin), aber ein neutrales „schöne Feiertage“ erwarte ich schon zB. von meinen Kollegen. Ich hab ja schließlich auch frei vom Alltag und mache was Schönes.

  4. בלבולי ביצים wuerde ich sagen, wenn mich jemand fragt, wie man frohe Ostern sagt.

  5. Politisch korrekt. Man muss den Juden doch formgerecht Frohe Ostern wünschen. So Kleinigkeiten das die mit dem was da an Karfreitag und Ostern so passiert ist, gar nichts zu tun haben, fallen da schon mal unter den Tisch.

    Mein Dreijähriger hat übrigens erkannt, das man innerhalb einer halbwegs atheistischen Familie gut fährt wenn man alle Naschfeiertage der einzelnen Religionen im persönlichen Umfeld konsequent mitnimmt.

  6. Man könnte ja einfach schöne Feiertage oder schönes langes Wochenende wünschen. Aber ich musste, auch wenn es vielleicht nicht sonderlich witzig ist, ein wenig schmunzeln, als ich dieses Thema hier gelesen habe. Vor vielen Jahren (wo ich auch noch ein wenig grün hinter den Ohren war) waren wir mit einer Gruppe auf einer Besichtigung in der Kölner Synagoge. Ich war sehr (zu?) interessiert und womöglich noch zu jung, aber nachher fragte ich den, der durch den Abend geleitet hatte, was er gemeint hätte, dass um 1990 man „den Koffer wieder vom Dachboden“ geholt hätte. Er war zu Recht wohl im ersten Moment ein wenig verärgert/irritiert, dass ich das im Geschichtsunterricht wohl noch nicht hatte, und mir war das auch unglaublich peinlich, als er mich über die Anschläge um 1990 in Deutschland aufklärte. Für die trotz der unglücklichen Frage, doch geduldigen Antwort habe ich mich dann bedankt und war eh ein wenig aufgeregt und einfach weil man es so im Blut hat, habe ich dann noch „…und dann noch schöne Ostern“ gewünscht. Uff, da war ich so klein mit Hut. 😉 Ich glaube, dass war aber akustisch untergegangen und es war sowieso eine sehr freundliche Atmossphäre dort. Naja, ich glaub das hat man als Deutscher einfach so drin, genau wie man grummelig (oder auch mal fröhlich *g*) „Guten Morgen!“ sagt. Überall „frohe Ostern, frohe Ostern.“ Wenn man dann noch ein wenig zerstreut ist…

  7. Man muss schon schmunzeln angesichts des Zustands der Allgemeinbildung in diesem Land…tröste dich doch damit, dass die, die einem Juden frohe Ostern wünschen, eigentlich nur meinen, dass er ja viele Schokoladeneier und Osterhasen essen soll…wer weiß schon um die österliche Freudenzeit?;-)


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