Verfasst von: Anna | 24. April 2008

Der Benzinpreis oder Die teure Mobilität

Auf EUR 1,49 hat der Benzinpreis heute morgen gestanden! Das sind fast drei Mark. Drei Mark! Für einen Liter Benzin! Dieser Wahnsinn erinnert mich an das Horrorszenario der Grünen, die vor Jahren schon den Benzinpreis auf 5 Mark sehen wollten, um die Leute zum Umsteigen auf öffentliche Verkehrsmittel zu zwingen. Ich fürchte, bald sind wir da, wo die uns einst haben wollten. Dann bleibt das Auto vor der Tür stehen, und wir fahren wieder Rad. Mein lieber Mann und ich haben da nur ein winziges praktisches Problem: Wir brauchen unsere Autos, um zur Arbeit zu kommen. Und wir haben so weite Wege, dass wir beide einmal die Woche tanken müssen. Zwei Tankfüllungen pro Woche – das muss man sich erst mal leisten können! Wir arbeiten an unterschiedlichen Orten und haben unseren Wohnort strategisch genau in die Mitte gelegt. Damit haben wir im Grunde nur das getan, was unsere Politiker uns jahrelang gepredigt haben: wir sind flexibel und mobil – wir nehmen brav und engagiert auch weite Wege zur Arbeit in Kauf. Und bevor jetzt die Umweltschützer die Kommentarfunktion stürmen: nein, wir können in unserer jetzigen Lebenssituation nicht auf unsere Autos „verzichten“ und „entspannt“ auf öffentliche Verkehrsmittel ausweichen (die übrigens auch immer teurer werden). Ich wäre, ohne dass ich dabei etwas sparen würde, drei Stunden am Tag mit der Bahn unterwegs, und mein Mann müsste vom nächstgelegenen Bahnhof zu seinem Arbeitsplatz sogar noch 5 km laufen. Das geht also gar nicht. Oder – etwas geht doch: ich höre auf zu arbeiten, weil der Weg zur Arbeit unbezahlbar wird :mrgreen: Oh Mann, ich bin echt angeätzt heute.

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Responses

  1. Hm: das verstehe ich.

    Ich bin da in einer glücklicheren Lage: mein Auto ist – sagen wir mal – im Februar vorigen Jahres kaputt gegangen. Ich wollte SOFORT ein neues kaufen, hätte auch gleich am nächsten Tag einen Leasing-Vertrag unterschrieben, wenn nicht der Händler so blöd gewesen wäre und in dem Vertrag irgendwelche Kosten noch eingebaut hätte, die ich zickig fand: erste Tankfüllung zu bezahlen, Überführungsgebühren – und das alles nicht so klar auseinanderdividiert … hab ich mal nachgefragt, und da wurde er ein ganz klein wenig ungehalten. Also habe ich gesagt, das überlege ich mir nochmal: eine Woche, dann zwei, dann einen Monat, jetzt schon 15 Monate. In der Zwischenzeit habe ich mich so daran gewöhnt, dass ich den Kauf immer weiter wegschiebe. Jetzt ist die ganze Familie hier bei Stattauto, und das kostet noch 30-70€ im Monat – alles inclusive, ABER man muss mit dem Fahrrad 5 Minuten bis zum Parkplatz fahren. Ihr glaubt es nicht: keines meiner Kinder fährt noch Auto, obwohl ich es per Gesamtrechnung zahlen würde. Was 5 Minuten ausmachen! Vorher waren die andauernd mit meinem Auto unterwegs, nur weil’s halt vor der Haustür stand.

    Aber das hilft Dir nix, liebe Anna, weil Du offensichtlich NICHT in der oder an der Großstadt wohnst. Aber ich kann es nur immer wieder betonen: es ist – unfreiwillig – eine prima Sache. Ich geh seitdem wieder öfter essen – mit den Kindern. Diese Spekulationsgewinne an der Ölbörse muss man nicht mitfinanzieren.

  2. @Thomas, wir wohnen in der Stadt, das ist ja das Groteske! Ich muss eigentlich bloß von einer Stadt in die andere bzw. mein Mann muss aufs platte Land.
    Ich beneide mittlerweile jeden, der morgens mit der U-Bahn zur Arbeit kommen kann. Zumal ich auch einmal eine autolose Phase hatte. Oh Mann, war das entspannend. Kein Stau, kein Parkplatzproblem, keine Versicherung … Ich kann dich gut verstehen, dass du dir das Auto gar nicht mehr „angewöhnen“ willst.

  3. hallo anna,

    shavua tov 🙂

    ich verstehe deinen frust. aber meine lebenssituation eine ganz andere ist. ich verzichte freiwillig und gerne auf ein auto. allerdings wohne ich auch so das es kein problem darstellt mit dem öpnv zur arbeit und zu veranstaltungen zu kommen. ich glaube nicht das die spritpreise noch mal sinken werden, die rahmenbedingungen dazu sind einfach nicht gegeben.

    ich habe mich in meinem blogg dazu ausgelassen 🙂

    http://grenzgaenge.wordpress.com/2008/04/27/leben-ohne-auto/

    viele gruesse,
    der grenzgaenger

  4. Wie sieht das denn mit der Steuer in Deutschland aus, wenn Ihr zur Arbeit fahrt. Gibts da keine Moeglichekeiten, das in der Steuererklaerung mit an zu geben? Kann man die Firma um einen Pauschalzuschlag fuer die Anreise anhauen? Gewschaeftsauto?

  5. @David, die „Pendlerpauschale“, die man in der Steuererklärung geltend machen kann, ist seit diesem Jahr stark gekürzt, und immer mehr Firmen und Behörden streichen die Fahrtkostenzuschüsse für die Mitarbeiter. Mein Mann und ich zB bekommen gar keinen Zuschuss mehr 😦

  6. Ich bin über einen Satz gestolpert und seitdem dran am kauen:

    Wir arbeiten an unterschiedlichen Orten und haben unseren Wohnort strategisch genau in die Mitte gelegt.

    Was heißt das? Es hat jeder genau gleich viel bekommen. Keiner kann meckern.

    Jetzt hat sich die Situation geändert, und es zeigt sich: es wäre besser gewesen, man hätte den Wohnort ganz nah an einem der beiden Arbeitsplätze gewählt, damit im Notfall wenigstens noch einer erreichbar gewesen wäre. Jetzt wird es unendlich teuer, und ein Umzug steht nicht zur Debatte, weil dann einer verzichten müßte. Und wer?

    Mal abgesehen von Eurer Situation – die ist ja nur beispielhaft, hier ist das grundsätzliche Problem nur mal in Entfernungen ausgedrückt. Auch Eure Entscheidung ist nicht meine Sache: ihr werdet Euch das schon überlegt haben.

    Aber machen wir nicht viel zu oft genau diesen Egalitätsfehler? Wir verlangen knallhart von jedem die gleiche Leistung. Wäre es nicht doch wieder besser, die Aufgabengebiete mit ein wenig Blick auf die Zukunft gezielt ungleich zu verteilen? Du machst dies, ich mach das – und zwar zuverlässig auch dann, wenn einer mal gerade keinen Bock hat.

    Wie gesagt – das geht mir jetzt seit zwei Wochen durch den Kopf, seit ich diesen Satz gelesen habe. Ich glaube, die Ressourcen werden echt knapp, und wir müssen wieder kreativer werden, damit nicht alles, was wir erarbeiten können, in den Treibstoff investiert werden muss. Man braucht auch noch etwas Zeit für sich und die Familie.

  7. @Thomas, das beeindruckt mich ja schon, dass dir meine Sätze gleich zwei Wochen durch den Kopf gehen 😉 Nur finde ich den Bogen vom hohen Benzinpreis zu dem, was du Egalitätsfehler nennst, etwas sehr weit gespannt. So hoch sind die Fahrtkosten noch nicht, dass man das ganze Einkommen dafür ausgeben müsste und man die Berufstätigkeit nur noch aus persönlichen Image-Gründen aufrechterhalten würde. Kinder zu haben sind, denke ich, ein Grund, Berufstätigkeit aufzugeben, um die gewonnene Zeit in die Familie zu investieren. Hohe Fahrtkosten können, wenn es unbezahlbar wird, natürlich auch ein Grund fürs Zuhausebleiben sein; in der Praxis wird man dann da aber eher alternative Lösungen suchen, wie etwa Arbeit von zu Hause aus, doch einen Arbeitsplatz in der Nähe suchen, etc. pp.


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