Verfasst von: Anna | 6. Juni 2008

Jetzt erst recht: Deutschland-Fahne am Auto gehisst

Kurz vor dem Beginn der Fußball-EM habe ich heute noch schnell mein Auto mit einer kleinen Deutschland-Fahne aufgerüstet. Das musste einfach sein. Nicht weil ich so ein ausgemachter Fußball-Fan wäre, sondern weil mir die Österreicher mit ihrem Autoflaggen-Verbot ganz gewaltig auf den Geist gehen. Da richten sie schon so ein Event aus und dann wollen sie ihren Gästen und Fans die Freude an diesen harmlosen Autofähnchen vermiesen. Bei uns war das während der WM vor zwei Jahren jedenfalls noch kein Problem, weder verkehrstechnisch noch sonstwie. Die Leute hatten ihren Spaß, es sah fröhlich aus, und gut war’s. Und jetzt kommen die Österreicher mit ihrem Verbot daher und deutsche Besserwisser warnen plötzlich vor höherem Benzinverbrauch und Problemen mit der Versicherung. Typisch. Verbote, Kosten, Probleme – zu viel mehr reicht die öffentliche Debatte in deutschsprachigen Landen anscheinend wirklich nicht. Ich habe meine Autofahne deshalb heute erst recht gehisst :mrgreen:

Schabbat Schalom,
Anna

 

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Responses

  1. also mich interessieren weder faehnchen noch das abschneiden von einer mannschaft die fuer sich beansprucht „wir“ zu sein.

  2. Ja und? Was soll das denn jetzt heißen? Dass es von der deutschen Mannschaft vermessen ist, Deutschland repräsentieren zu wollen? Sorry, aber so sind Nationalmannschaften weltweit definiert, dass sie für ihr Land als ganzes stehen. Oder darf man sich deiner (bislang noch nichtjüdischen) Meinung nach speziell als Jude nicht von der deutschen Mannschaft repräsentiert fühlen? Das wäre ja wohl ziemlich daneben. Religion und Sport haben rein gar nichts miteinander zu tun.

  3. ogottogott, fahnenschenken ist wieder in? *g* achja – fussball 😛

  4. @anna: ich spreche einer mannschaft in der tat das recht ab mich repraesentieren zu wollen. genau so wie ich dieses recht einer fahne oder einem lied abspreche. das hat mit religion gar nichts zu tun. eher damit das identifizierung mit einem staat einen hintergrund haben sollte. dieser hintergrund ist in einem von paralellgesellschaften gekennzeichneten staat aber nicht gegeben. ganz abgesehen davon das es werte geben muss mit denen man sich identifizieren kann. auch die werte sind in deutschland den bach runtergegangen. dieses land ist wohl nur noch faehig debatten ueber leitkulturen zu fuehren. darum geht es mir. debatten uebrigens deren niveau schlechter ist als jeder autor es beschreiben koennte. nicht um religion geht es mir sondern um nicht mehr vorhandene werte. ich schrieb auch hier

    http://grenzgaenge.wordpress.com/2008/06/08/em-wahn/

    ueber das thema.

  5. @grenzgaenger, ich verstehe jetzt, was du gemeint hast. Niemand zwingt dich, dich für Fußball oder die deutsche Nationalmannschaft zu interessieren. Aber lass doch den vielen Millionen Menschen ihre Freude an dem Turnier. Man muss nicht immer alles politisch sehen. Außerdem gibt es weiß G-tt schlimmere Flaggen auf der Welt als die deutsche. Und auch in den anderen teilnehmenden Ländern gibt es verfallende Werte, Parallelgesellschaften etc.

  6. Was ich gut finde, seit der WM 2006 ist, dass viele neben der deutschen Fahne an ihren Autos, auch türkische, portugiesische etc. haben.
    Ich finde diese Fahnen völlig okay, das muss man weder niedermachen noch überbewerten.
    Gesunder Patritismus ist für eine Gesellschaft wichtig.
    Ich würde auch eine israelische Fahne nehmen und dazu muss man sich auch nicht mit allen Werten oder Nichtwerten in Israel identifizieren. Damit haben doch die meisten auch keine Probleme. Warum wird hier oft künstlich ein Gegensatz zu Deutschland konstruiert?

  7. @Yael, ich sehe es genauso und bin froh darüber, dass Deutschland endlich langsam zu einem „gesunden“ Patriotismus zurückkehrt. Bei uns in der Gegend fahren auch viele Leute mit ausländischen Fahnen herum – typisch Großstadt eben 🙂

  8. Liebe Anna, es erfüllt mich mit tiefer Freude, dass eine Jüdin in Deutschland die deutsche Fahne aus dem Auto hängt, und das nur, weil die deutsche Mannschaft irgendwo in der Welt rumkickt.

    Ich weiß: die professinellen Kummerfaltenträger werden jetzt mit den Augen plieren und provokant fragen: ja und? Was ist denn schon dabei?

    Nichts ist dabei. Es ist völlig normal – und trotzdem ist es ein ungeheurer Meilenstein im Laufe der Geschichte – je nach dem, wie man gerade guckt.

    Egal. Es freut mich einfach. Das ist ein kleines, völlig unwichtiges Zeichen, und ich bin darauf viel stolzer als auf tausend gewonnene Meisterschaften. Und ich werde NICHT damit hausieren gehen.

    Und was den Werteverfall angeht: da mag grenzgaenger Recht haben. Aber Dein Fähnchen demonstriert, dass gleichzeitig auch wieder neue Werte nachwachsen!

  9. Töchterlein hat so ein Fähnchen aus Stuttgart mitgebracht. Ihre englischen College Freundinnen auch. Mich hat es nicht gestört. Jetzt hängt das Fähnchen als Ausstellungsstück in ihrem Zimmer, sie ist aber kein Fußballfan.

  10. Es ist besser ein Fähnchen bewusst aufzuhängen, als es immer nach dem Wind zu drehen. Eventuell hat ja dein Fähnchen geholfen und die Deutschen gewinnen heute. Wenn nicht ist auch nicht schlimm. Bis jetzt war die EM lustig mit den kleinen Fähnchen, oder auch gerade wegen dieser Fähnchen.

    Weil unverkrampft.


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