Verfasst von: Anna | 17. Januar 2009

Leid in Gaza und Israel: zwei Videos aus dem israelischen Fernsehen

Kriege sind schrecklich. Sie bringen so viel Leid über so viele unschuldige Menschen. Kriege dürfen deshalb nur das letzte Mittel sein, wenn alle anderen Mittel versagt haben und wenn ein Staat keine andere Möglichkeit mehr zu seiner Verteidigung hat. Israel, das sehe ich genauso wie die meisten Israelis, befindet sich zurzeit in so einer Notlage und kann seine nationale Sicherheit nur noch gewährleisten, wenn es dem Gegner im Gazastreifen seine Waffen einfach wegnimmt. Das geht natürlich nur mit Gewalt. Trotzdem ist das Leid der Zivilbevölkerung im Gazastreifen manchmal herzzerreißend. Der folgende Videoausschnitt aus einer israelischen Nachrichtensendung kann jedenfalls keinen normal fühlenden Menschen kalt lassen:

Beit Lahia/Gazastreifen

Der palästinensische Arzt Issaldin Abu al-Aish, der in den Nachrichten des israelischen Fernsehsenders „Channel 10″ regelmäßig telefonisch über das Kriegsgeschehen im Gazastreifen berichtet, wird auch am Freitagabend vom Moderator angerufen. Kurz zuvor ist allerdings eine israelische Granate in das Haus des Arztes eingeschlagen. Der Moderator und die Zuschauer werden unmittelbar Zeugen, wie der Arzt immer wieder schreit: “ Meine Mädchen, oh Gott, sie haben meine Mädchen getötet“. Drei Töchter hat die Familie in diesem Augenblick verloren. Zwei weitere Töchter und der Arzt selbst wurden verletzt. Mit der Unterstützung des Moderators konnte der Arzt schließlich seine überlebenden Töchter über den eigentlich geschlossenen Grenzübergang Erez nach Israel ins Krankenhaus bringen.

(Das Video hat englische Untertitel, die durch einen Klick auf das weiße Dreieck mit dem roten Hintergrund in der unteren rechten Ecke angezeigt werden können).

Was für eine Tragödie. Die Kinder konnten am allerwenigsten dazu, und der Arzt selbst war mit Sicherheit auch kein Hamas-Aktivitist. Doch das ist eben Krieg. Es trifft auch die Unschuldigen. Bevor jetzt aber wieder die unüberlegte Hetze auf Israel losgeht, noch einmal zur Erinnerung: die Bodenoffensive der Israelis ist die Reaktion auf den dauernden Beschuss israelischer Städte durch die Hamas. Und wie sich das anfühlt, konnte man auch gestern wieder im israelischen Fernsehen sehen:

Beer Sheva/Israel

Von seinem Balkon filmt ein Mann, wie eine aus dem Gazastreifen abgefeuerte Hamas-Rakete in der Nähe seines Hauses einschlägt. Es gibt zahlreiche Verletzte, darunter einen schwerverletzten siebenjährigen Jungen. Die Mutter (das ist die schwarzhaarige Frau, die im Krankenhausflur spricht) hat ihn selbst ins Krankenhaus gefahren, noch bevor der Krankenwagen eintraf.

Ich lasse die beiden Videos jetzt einfach mal so stehen. Mir fällt dazu eh nichts mehr ein. Ich hoffe, dass Israel irgendwann einmal mit seinen Nachbarn in Frieden leben kann. Und ich hoffe auch, dass die Palästinenser irgendwann doch noch lernen, zu akzeptieren, dass sie das Rad der Geschichte nicht mehr zurückdrehen können und dass sie endlich anfangen, ihre Kräfte nicht mehr in den Kampf gegen Israel, sondern in den Aufbau ihres Staates zu investieren. Nach den letzten Nachrichten scheinen sie davon aber noch meilenweit entfernt zu sein: die Hamas hat schon angekündigt, dass sie sich einem einseitigen Waffenstillstand Israels nicht anschließen wird. Dann eben wieder alles auf Anfang.

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Responses

  1. Uns geht es so wie Euch Anna,danke für Deinen Artikel, eine liebe Umarmung von uns aus Schweden.

  2. Hallo Anna,

    Du schreibst:

    „Und ich hoffe auch, dass die Palästinenser irgendwann doch noch lernen, zu akzeptieren, dass sie das Rad der Geschichte nicht mehr zurückdrehen können und dass sie endlich anfangen, ihre Kräfte nicht mehr in den Kampf gegen Israel, sondern in den Aufbau ihres Staates zu investieren. “

    Kurz zu der Geschichte von der du sprichst:

    „Am 29. November 1947 stimmt die Generalversammlung der Vereinten Nationen mit Zweidrittelmehrheit für den Teilungsplan, der Westpalästina in einen jüdischen und einen arabischen Staat teilen soll.

    Mit dem Ziel, tatsächlich einen unabhängigen jüdischen Staat zu gründen und den Überlebenden der Shoa eine Heimat zu schaffen, akzeptiert die jüdische Bevölkerung den Plan. Die Araber lehnen den Plan dagegen ab, da sie die jüdische Präsenz in der Region als Provokation empfinden. Vor allem meinen sie, die UNO drücke ihnen ein Mandat auf, ohne ihre Interessen zu wahren. Sie lehnen in der Folge das Existenzrecht Israels ab, was noch bis zum heutigen Tag Folgen für die Region hat.

    Kurz darauf beginnt im Zusammenhang mit dem Angriff der arabischen Staaten auf den neuen Staat Israel die Flucht bzw. Vertreibung der arabischen Bevölkerung aus den nun Israel zugeteilten Gebieten, teilweise begleitet von der Zerstörung ihrer Dörfer, Bauten und Dokumente. Oft ging damit der Nachweis der Existenz der palästinensischen Bevölkerung und somit ihres Rechtanspruchs verloren.“

    Du sagst den Palästinensern sie sollen akzeptieren, dass sie „das Rad der Geschichte nicht zurückdrehen können.“ – aber dann frage ich dich: Was wenn nicht genau dieser Wunsch hat die Juden dazu bewegt ausgerechnet in diesem Gebiet ihren Staat errichten zu wollen? War das nicht auch der Wunsch das Rad der Geschichte zurück zu drehen und wieder in die „eigene Heimat“ in das „Heilige Land“ zurückzukehren?

    Versteh mich nicht falsch – es geht mir nicht darum das Existensrecht Israels heute noch in Frage zu stellen. Aber man sollte anerkennen, dass es ein grundlegender Fehler war, aus der ganzen Welt Juden nach Palästina zu holen und dafür die arabische Bevölkerung zu enteignen und zu vertreiben. Es war ein Fehler die Lösung für die Vertreibung und Verfolgung der Juden in der ganzen Welt nun darin zu sehen den Arabern ihr Land und ihren Besitz wegzunehmen.

    Was hätte dagegen gesprochen den jüdischen Staat in einem Teil Amerikas oder Europas zu gründen?

    Jedenfalls finde ich das man es sich etwas leicht macht, wenn man jetzt einfach sagt „Ihr könnt das Rad der Geschichte nicht zurückdrehen.“ – Geschehenes Unrecht muss aufgearbeitet und anerkannt werden. Mit einem „Schwamm drüber“ gibt es sicher keinen Frieden. (Das gilt natürlich für beide Seiten)

    „Die vom amerikanischen Präsidenten Wilson eingesetzte King-Crane-Kommission berichtete bereits 1919, dass „die Zionisten die praktisch vollständige Enteignung der gegenwärtigen nicht-jüdischen Einwohner Palästinas anstrebten“ und meinte, dass letztere – „nahezu neunzig Prozent der Gesamtbevölkerung – leidenschaftlich gegen das gesamte zionistische Programm opponierten“. Dessen Durchsetzung, so warnte die Kommission, „wäre eine grobe Verletzung des Prinzips der Selbstbestimmung und des Völkerrechts“. Diese Warnung wurde von den Großmächten, die USA eingeschlossen, in den Wind geschlagen. “

    Dieses Zitat stammt von dieser Seite die – so finde ich einen guten Überblick über die Geschichte Israels gibt:

    http://www.studiengesellschaft-friedensforschung.de/da_48.htm

    „Wir haben nichts erreicht. 60 Jahre Nakba und nichts ist passiert“, resümiert Sami. „Keine Unabhängigkeit. Stattdessen warten wir an den Grenzübergängen auf die Lebensmittelspenden der UNO.“

    Das ist ein Zitat aus diesem Artikel:

    http://diepresse.com/home/politik/nahost/383752/index.do

    Liebe Grüße Sümeyye

  3. Sümeyye, die Palästinenser sind nicht allesamt aus Israel vertrieben worden. Viele sind 1948 einfach geflohen, als die arabischen Armeen nach der Unabhängigkeitserklärung über Israel hergefallen sind. Und zwar teils aus Angst und teils, weil die arab. Armeen, die arab. Bevölkerung dazu aufgefordert haben.

    Übrigens sind ja nicht alle Araber weggegangen. Diejenigen, die geblieben sind, sind nach 1948 israelische Staatsbürger geworden.

  4. Mein eigenes Geschichtliches Wissen geht hier leider nicht so ins Detail – aber auf der oben bereits zitierten Seite (Studiengesellschaft Friedensforschung) steht dazu folgendes:

    „Die meisten arabischen Bewohner waren geflohen. Dies geschah teils infolge arabischer Aufrufe, teils unter direktem israelischen Druck, teils in Panik angesichts des Terrors extremistischer jüdischer Organisationen. Die Flüchtlinge wurden von den arabischen Nachbarländern nicht eingegliedert, sondern dauerhaft in Lagern untergebracht. Während des Krieges von 1948 wurde mehr als die Hälfte der damaligen palästinensischen Bevölkerung von 1.380.000 Menschen aus ihrer Heimat vertrieben (siehe Tabelle Seite 6). Während Israel offiziell behauptet, eine Mehrheit der Flüchtlinge sei lediglich geflohen, nicht aber vertrieben worden, erlaubte es den Flüchtlingen nicht zurückzukehren, wie es in der UN-Resolution 194 vom 11. Dezember 1948 gefordert worden war. So verschaffte sich Israel sein Territorium durch die ethnische Säuberung des ursprünglich von Palästinensern bewohnten Landes. Am 5.7.1950 verabschiedete das israelische Parlament das „Rückkehrgesetz“. Darin heißt es, „jeder Jude hat das Recht zur Einwanderung“. Von 550 verlassenen palästinensischen Orten wurden bis auf 120 alle zerstört, auch die Friedhöfe. Man wollte jegliche Erinnerung an eine palästinensische Geschichte auslöschen. In den verbliebenen Dörfern wurden jüdische Einwanderer untergebracht. So fanden über 200.000 sofort eine Wohnung. „

  5. In dem Artikel wird aber auch, die Politik der arabischen Staaten diesbezüglich kritisiert:

    „Die Politik der Arabischen Liga bestand darin, eine Integration in den arabischen Ländern zu verhindern, um das Flüchtlingsproblem weiterhin als Waffe gegen Israel einsetzen zu können.“

    Ich habe inzwischen die Seite der Studiengesellschaft Friedensforschung fast ganz durchgelesen und muss sagen, dass hier meiner Meinung nach das Problem sehr treffend auf den Punkt gebracht wird. Ich würde mich freuen, wenn sich jemand von euch hier mal die Zeit nimmt diese Seite in Ruhe anzuschauen und zu kommentieren. Für Gegenargumente und Gegendarstellungen bin ich jederzeit offen.

    Du sagst die arabischen Armeen sind „über Israel hergefallen“ – Aber das Problem war ja eigentlich, dass die Araber im Vorfeld einfach übergangen wurden:

    „Eine UN-Sonderkom-mission empfahl im Mai 1947 … die Teilung Palästinas in einen jüdischen und einen arabischen Staat. Während die jüdische Führung dem Plan zustimmte, lehnten die Araber den Vorschlag ab. Nach ihrer Ansicht verstieß der Teilungsplan insbesondere gegen das Selbstbestimmungsrecht, denn – so wurde argumentiert – selbst in dem für den jüdischen Staat vorgesehenen Teil Palästinas wäre die Bevölkerungsmehrheit arabisch gewesen. Ferner hätte die Aufteilung die Araber zu sehr benachteiligt:

    „Bei Beendigung des britischen Mandats befanden sich 94 Prozent der Gesamtfläche Palästinas in arabischen Händen, sechs Prozent dagegen in denen der Juden. Durch die Teilung gemäß UNO-Resolution sollten die Juden über 56 Prozent der Gesamtfläche Palästinas verfügen….“

    Man hätte eben so lange verhandeln müssen, bis eine einvernehmliche Lösung gefunden wird. Es war nicht richtig die Araber so vor vollendete Tasachen zu stellen.

    Die israelische Seite hätte dann eben wesentlich mehr Zugeständnisse machen müssen, um den Arabern irgendwie klar zu machen, dass sie auch Vorteile aus diesem neuen israelischen Staat ziehen könnten.

    ABER ich denke die Israelis haben sich damals bewusst auf ihre militärische Überlegenheit (und ihre Verbündeten) verlassen und den Angriff billigend in Kauf genommen. (und am Ende haben sie daraus ja auch profitiert und viel mehr Land gewonnen, als sie durch Verhandlung jemals hätten bekommen können)

    Man kann doch nicht in ein fremdes Land einwandern und dort einen Staat gründen und sich dann wundern, wenn man „Überfallen“ wird..?

    Das ist nicht böse oder provokativ gemeint. Ich wundere mich nur einfach etwas über diese Sichtweise und du kannst sie mir gerne erklären.

  6. Die Geschichte der Gründung Israels ist viel älter:

    Balfour-Deklaration (1917)

    Israels Staatsgründung geht auf die Balfour-Deklaration von 1917 zurück. Darin versprach der britische Außenminister Arthur Balfour dem britischen Vertreter der Zionistischen Weltorganisation (WZO) Lord Lionel Walter Rothschild schriftlich, die Regierung Großbritanniens unterstütze die „Errichtung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina“. Dabei sollte „nichts geschehen, was die bürgerlichen und religiösen Rechte der bestehenden nicht-jüdischen Gemeinschaften in Palästina oder die Rechte und den politischen Status der Juden in anderen Ländern in Frage stellen könnte […].“

    Seit 1915 hatte Großbritannien auch den Arabern in der Hussein-McMahon-Korrespondenz Hilfe bei ihrem Streben nach einem unabhängigen Staat zugesagt. Daraufhin begann Hussein ibn Ali, der Scherif von Mekka, im Juni 1916 die Arabische Revolte gegen das Osmanische Reich, die der britische Sonderbeauftragte Thomas Edward Lawrence zum Sieg führte. Nach dem Ersten Weltkrieg teilten Großbritannien und Frankreich Großpalästina gemäß dem geheim gehaltenen Sykes-Picot-Abkommen von 1916 jedoch unter sich auf.

    Ansonsten ist es nicht sehr zuträglich, dass du behauptest, alle Aaraber wären vertrieben worden. Das ist nun wirklich eindeutig falsch. Daher bitte keine Greuelmärchen.

    Wenn ich ganz böse bin, sage ich, dass Israel nicht so schnell gegründet worden wäre, wenn Deutschland nicht fast alle europäischen Juden vernichtet hätte.
    Ich hoffe, es wird klar, worauf ich hier hinaus will.

  7. @Sümeyye, das ist jetzt ein bisschen viel 😉 Über den Konflikt kann man ein ganzes Buch füllen und trotzdem wirst du am Schluss immer zwei Sichtweisen haben. Das Problem ist einfach, dass sich da historische Wahrheiten und die subjektiven Wahrnehmungen der beiden Völker immer wieder vermischen.

    Aber was meinst du eigentlich mit: „ABER ich denke die Israelis haben sich damals bewusst auf ihre militärische Überlegenheit (und ihre Verbündeten) verlassen und den Angriff billigend in Kauf genommen“. Die UNO hat der Staatsgründung doch vorher zugestimmt. Und SOO überlegen war Israel 1948 wirklich nicht, um gleich gegen mehrere arab. Armeen zu siegen. Der Punkt war doch eher, dass die arabischen Armeen sich untereinander nicht koordinieren konnten, für die Israelis von Vorteil war.

  8. Das hier haben wir gerade hier bei uns zu Hause gefunden:
    http://en.wikipedia.org/wiki/Faisal-Weizmann_Agreement

    Was man auch niemals vergessen darf, einen Staat Palästina hat es vorher nie gegeben, es ist ein geografischer Begriff gewesen!
    Liebe Grüsse die Mischpoke

  9. Hallo yael,

    „Ansonsten ist es nicht sehr zuträglich, dass du behauptest, alle Aaraber wären vertrieben worden. Das ist nun wirklich eindeutig falsch. Daher bitte keine Greuelmärchen.“

    Das habe ich auch gar nicht behauptet. Wenn du es so verstanden hast war es ein Missverständnis. Mir ist schon klar das auch viele Palästinenser geflohen oder geblieben sind sind – aber wenn die Flüchtlinge dann nicht mehr zurückkehren können, wenn ihre Dörfer und Friedhöfe zerstört und die restlichen Dörfer von Juden besiedelt werden, dann ist das eben auch nicht richtig.

    @ Anna: Klar, die UNO hatte zugestimmt, aber da kommt eben genau das ins Spiel was yael grade gesagt hat: dass Israel nicht so schnell gegründet worden wäre, wenn Deutschland nicht fast alle europäischen Juden vernichtet hätte.

    Der Eindruck, des Holocaust, die Schuldgefühle und das Problem, das man nicht wusste „wohin mit den Juden“ – haben bei dieser Entscheidung dazu geführt, dass die Rechte der Araber nicht ausreichend beachtet wurden.

    Nun nochmal zu dem Krieg von 1948 – dazu greife ich jetzt nochmal auf die gleiche Seite zurück die ich jetzt schon mehrmals zitiert habe:

    „Die fünf beteiligten Staaten schickten nicht ihre gesamten Streitkräfte nach Palästina, sondern lediglich einen Bruchteil: Gemeinsam mobilisierten sie weniger als 25.000 Mann – selbst nach Mannstärke war, was oft übersehen wird, die arabische Streitmacht also kleiner als die jüdische. (… )
    Demgegenüber standen in der israelischen Armee mehr als 96.000 Mann. Sie verfügte über eine gut funktionierende Logistik und Infrastruktur, ein ausgebautes Nachrichtenwesen und teilweise moderne Ausrüstung. Ben Gurion hatte nämlich rechtzeitig das Risiko eines Krieges gegen reguläre arabische Armeeverbände erkannt…“

    Ich weiß nicht wie richtig oder falsch das ist – die Seite erscheint mir aber jetzt nicht unseriös – und wenn es so war wie hier geschildert, dann war Israel schon zu dieser Zeit militärisch überlegen und hätte sich außerdem im Ernstfall wohl auf Rückendeckung aus Amerika verlassen können.

    🙂 Ja du hast Recht Anna – es wird jetzt alles etwas viel. Mich beschäftigt das Thema eben auch sehr – auch wenn ich nicht so unmittelbar davon betroffen bin wie du. Die Bilder in den Medien – wie auch die beiden Videos auf deinem Blog – schockieren und lassen immer wieder die Frage „Warum, Warum, Warum“ entstehen…

    Warum ist alles so gekommen, warum und wofür leiden diese Menschen so viel und schon so lange?

  10. trotz angeblicher „überlegenheit“ hat viele israelis jener 48er krieg das leben gekostet. da wurden die leute quasi vom lager aus an die front geschickt (ich meine dp-camps, von dort sind junge leute, die die schoa überlebt hatten, nach israel ausgewandert, was aucb nach dem krieg immer noch sehr schwierig war – es ist ja nicht so, dass vor und während dem 2. wk unglaubliche massen von juden ins land kommen durften, dank der britischen einwanderungspolitik war genau das gegenteil der fall). nicht wenige dieser leute sind dort sofort ums leben gekommen, denn es gab im grunde noch keine richtige armee, viel zu wenig waffen und die leute waren einfach nicht ausgebildet. ich kannte menschen, die in diesem krieg gewesen sind, und die haben genau das berichtet. es war traumatisch.

  11. schoschana, das glaub ich dir voll und ganz – dass in diesem Krieg auch viele jüdische Menschen gestorben sind und das das grade für sie ganz schrecklich gewesen sein muss – von einem Trauma ins nächste.

    Ich finde es nur nicht richtig hier von einem „Überfall“ zu sprechen. Ich denke es war ein Krieg, der abzusehen war, wenn man sich über die Einwände der arabischen Länder hinwegsetzt und über ihre Köpfe hinweg den Staat Israel ausruft. (Schließlich gab es auch im Vorfeld schon Gewalt) Und ich denke das diese Entscheidung ein Fehler war. Von da an war für die Araber dieser Staat ein Fremdkörper, den sie nicht haben wollten.

    Es gab schließlich – aus Sicht der Araber – keinen vernünftigen Grund, warum Israel ausgerechnet Mitten im arabischen Siedlungsgebiet gegründet werden sollte. Man hätte sich eben bemühen müssen sie zu überzeugen – oder aber sich einen anderen Platz für den neuen Staat suchen sollen. Man hätte ja auch einen kleinen Teil von Deutschland oder von Italien abtrennen können… oder einen der Bundesstaaten der USA…

  12. Kleiner Tipp sumeyye:

    Israels Existenzkampf:
    http://www.bpb.de/publikationen/97CE06,0,0,Israels_Existenzkampf.html

    Lies das mal, kostet nur 4 Euro.

  13. „Es gab schließlich – aus Sicht der Araber – keinen vernünftigen Grund, warum Israel ausgerechnet Mitten im arabischen Siedlungsgebiet gegründet werden sollte. “

    Ja, das kann man so sehen. Und deshalb ist Israel für die arab. Staaten (bis auf Ägypten und Jordanien) ja bis heute ein Fremdkörper in der Region. Nur: da kann man halt jetzt nichts mehr dran ändern und auch die Palästinenser (ich sage hier extra nicht „die Araber“, denn denen scheint das inzwischen auch nicht mehr wirklich wichtig zu sein) sollten sich in ihrem eigenen Interesse endlich mit diesen Gegebenheiten arrangieren. Es läuft im Leben nicht immer alles so wie man will, es nicht nicht immer alles gerecht, es gibt immer „Gewinner“ und „Verlierer“. Wenn man eine solche Situation nicht ändern kann, dann muss man sich mit ihr arrangieren und in die Zukunft blicken. Irgendwie wissen wir das doch auch alle aus unserem persönlichen Alltag.

    „Man hätte sich eben bemühen müssen sie zu überzeugen – oder aber sich einen anderen Platz für den neuen Staat suchen sollen. Man hätte ja auch einen kleinen Teil von Deutschland oder von Italien abtrennen können… oder einen der Bundesstaaten der USA…“

    Also ich denke nicht, dass die arab. Staaten sich da hätten überzeugen lassen, denn immerhin ist Israel ja dort tatsächlich so etwas wie ein eingepflanzter Fremdkörper und warum sollten sie das akzeptieren.
    Einen anderen Platz für den Staat zu suchen wäre aber auch nicht gegangen, denn dafür hätte ja wohl eine andere Bevölkerung das Feld räumen müssen. Übrigens haben die Briten, die damalige Mandatsmacht, schon 1917 den Plan unterstützt, den Staat Israel dort zu gründen, wobei die die Rechte der nichtjüdischen Bevölkerungsgruppen gewahrt bleiben sollten (Balfour-Erklärung). Die Idee mit der Staatsgründung kam also nicht plötzlich 1948, sondern hat einen langen Vorlauf gehabt (auch für die Araber).

  14. sumeyye,

    mitfühlen mit dem leid der palästinenser sollte weder zu historischen ungenauigkeiten führen, noch dazu angriffe – auch überraschungsangriffe – als das zu bezeichnen, was sie waren: überfälle. 1948 fiel der krieg mit der staatsführung zusammen, wie wir ja bereits besprochen hatten. d.h. der staat war noch überhaupt nicht in seinen aufgaben gefestigt, sondern befand sich mit all seinen problemen am allerersten anfang, selbst wenn einige politiker diverse planungen bereits jahrelang in den schubladen liegen hatten. eines dieser probleme war der aufbau der zivilen gesellschaft (ein buntes gemisch aus menschen verschiedenster länder, viele überlebender der schoa etc. also eine recht inhomogene mischung). diese gesellschaft war keineswegs praktisch auf einen krieg vorbereitet – selbst wenn mancher einen angriff seitens der araber voraussehen konnte und dieses problem auch in einigen zirkeln diskutiert wurde. aber es war definitiv eine völlig andere voraussetzung als wenn du einen staat hast, der bereits mehrere jahrzehnte existiert, und bereits alles aufgebaut hat, um einen funktionierenden staat zu bilden und zu erhalten.

    israel wurde am 14. mai gegründet und bereits am 15. mai angegriffen. wenn das kein überfall war, weiss ich nicht, wie ich es bezeichnen soll. die angebote in der erklärung zur staatsgründung wurden nicht eine sekunde von den nachbarstaaten auch nur erwägt: „“wir reichen all unseren nachbarstaaten und ihren völkern die hand und bieten ihnen frieden und gute nachbarschaft an. wir rufen sie auf, bande der kooperation und der gegenseitigen Hilfe mit dem souveränen volk der juden in seinem eigenen land zu knüpfen.“
    leider wurde diese chance vertan und statt dessen wurde israel 1948 von den armeen von 5 staaten angegriffen und ist seit über 60 jahren auf gewalt gesetzt.
    leider sind die palästinenser zum teil immer wieder opfer der machtpolitischen interessen der umliegenden arabischen staaten gewesen bzw. haben sich zu deren spielball machen lassen. es wäre an der zeit, souveräner zu werden, d.h. sich mit dem fakt, dass es den staat israel gibt, anzufreunden und zu versuchen, etwas eigenes auf die beine zu stellen, anstatt immer wieder politikern hinterherzulaufen, die aus dem ausland die vernichtung israels beschwören.

    mir scheint, es gab für die umliegenden arabischen staaten auch keinen vernünftigen grund, bislang einen palästinensischen staat zuzulassen. stattdessen hat man den konflikt zw. israelis und palästinensern ständig mit am köcheln und die menschen in den arabischen lagern in unruhe und armut gehalten – denn ein staat, der eventuell demokratische muster enthalten könnte, nachdem sich dann auch die staatsbürger jordaniens, syriens, saudi-arabiens etc. sehnen könnten, war bisland ebensowenig im nahen osten erwünscht wie ein jüdischer staat.

  15. B“H

    Es lohnt sich immer, die Stories weiterzuverfolgen und am Ball zu bleiben. Bei http://www.muqata.blogspot.com wird heute berichtet, das Kanal 10 mit Faen und Beschwerden nur so ueberflutet wurde, weil man den palaestinensichen Arzt live zeigte als seine drei Toechter umkamen. Nicht durch die israelische Armee (IDF), sondern offensichtlich durch Munition aus palaestinensischen Bestaenden, wie der erste israel. Kanal berichtet.

    Weiteres hier:
    http://www.nrg.co.il/online/1/ART1/841/949.html

  16. Also als „story“ würde ich diese Tragödie ja nicht gerade bezeichnen. Immerhin hat der Mann drei Töchter, seinen Bruder und zwei Neffen verloren. Dass nicht die IDF, sondern die Palästinenser selbst dafür verantwortlich sind, ist eine noch längst nicht bewiesene Behauptung. Mag sein, dass sich Zuschauer in IL über diesen Beitrag beschwert haben, so what? Die paar Bilder werden die Leute doch noch aushalten (ansonsten gibt es den Aus-Knopf). Oder sind tote palästinensische Kinder eine Zumutung, nur weil sie eventuell durch palästinensische Waffen gestorben sein sind? Wie armselig wäre das denn. Nein, die Kinder sind tot, der Schmerz dieses Vaters ist echt, und mein Mitgefühl gilt allen toten Zivilisten auf beiden Seiten, allen Kindern, die ihre Eltern verlieren, und allen Eltern, die ihre Kinder verlieren.

  17. Hallo schoschana,

    danke für deine ausführliche Antwort. In vielen Punkten kann ich dir zustimmen und deine Argumentation nachvollziehen. Allerdings glaube ich, dass die von dir Zitierte Erklärung in den Ohren vieler Palästinenser / Araber wohl eher eine Provokation, als ein Friedensangebot war: „mit dem souveränen volk der juden in seinem eigenen land zu knüpfen“.

    Aber erst nochmal zu dem Überfall. Auf der Seite http://www.bpb.de/themen/U1VFVM,0,0,Die_Gr%FCndung_des_Staates_Israel.html steht:

    „Die ..Arabische Liga bzw. ihre sechs UN-Mitgliedsstaaten lehnten den Teilungsbeschluss vehement ab. Für den Fall seiner Verwirklichung kündigten sie an, militärische Maßnahmen zu ergreifen und eine „Arabische Befreiungsarmee“ aufzustellen.“ D.h. der Angriff war doch klar angekündigt.

    Außerdem kam es ja auch schon vor der Staatsgründung zu Gewaltausbrüchen:

    „Am 1. April 1948 begann mit der „Operation Dalet“ eine militärische Offensive der Haganah. Sie verfolgte das Ziel, alle dem jüdischen Staat zugedachten Gebiete, jedoch auch jüdische Siedlungen jenseits der UN-Grenzziehungslinie sowie die Verbindungswege zwischen den jüdischen Siedlungsgebieten und den freien Zugang nach Jerusalem zu sichern. Insbesondere an der Straße von Tel Aviv nach Jerusalem kam es zu heftigen Kämpfen, in deren Verlauf am 9. April 1948 Einheiten der Militärorganisation Ezel im arabischen Dorf Deir Jassin ein Massaker anrichteten, dem über 250 Männer, Frauen und Kinder zum Opfer fielen. Vergeltungsaktionen palästinensischer Freischärler trugen zu weiterer Eskalation bei.“

    Deswegen finde ich das Wort „Überfall“ einfach fehl am Platz, weil es einen hinterlistigen Angriff auf völlig ahnungslose und friedliche Menschen impliziert.

    Du sagst außerdem, dass die arabischen Staaten nicht wirklich an einer friedlichen Lösung des Konflikts interessiert waren. Aber ich frage mich schon – angesichts der Siedlungspolitik Israels – ob denn Israel wirklich daran interessiert war, oder ob die kriegerischen Auseinandersetzungen nicht doch ganz gut dazu geeignet waren, das israelische Einflussgebiet ständig zu vergrößern. Warum hat man nach 1948 die (750 000?) arabischen Flüchtlinge nicht wieder zurück in ihre Dörfer gelassen?

    Ihr wisst das alles sicher besser als ich und habt auch alles was ich sage schon tausend mal gehört, weil ihr euch schon wesentlich länger und intensiver mit der Sache auseinandersetzt.

    Deshalb – erklärt ihr mir doch bitte mal die Beweggründe für die Israelische Siedlungspolitik aus eurer Perspektive. Warum ist das heutige Israelische Gebiet viel größer als im Teilungsplan von 1947 vorgesehen? Warum sind so viele israelische Siedlungen im Westjordanland? usw.

    http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Jewish_settlements_1947.png&filetimestamp=20071129100117

    http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:UN_Partition_Plan_For_Palestine_1947.png&filetimestamp=20070805051738

    http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Israel.png&filetimestamp=20061026151059

    http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Israelisettlementswestbank.jpg&filetimestamp=20050823112349

    Grüße Sümeyye

  18. b’kizzur, in kürze:

    es ist richtig, dass der überfall angekündigt war. allerdings kannst du dir vielleicht vorstellen, wie schnell (achtung ironie) eine armee aufzustellen ist, wo vorher noch keine armee war. die hagana, die irgun zwi leumi (ezel) und noch ein paar andere militante grüppchen waren ja lediglich gruppen, sie stellten nicht eine armee auf wie es heute zb. die IDF ist. diese bewaffneten untergrund-gruppen waren politisch nicht einmal von den eigenen leute unbedingt gestützt (wenn du das ezel-museum am strand zwischen jafo und tel aviv siehst, bekommst du einen geschmackt, dass bis man vielleicht bis heute nicht unbedingt so stolz auf deren „aktivität“ ist – es ist eine armselige hütte mit angestaubten bildern) bzw. ben-gurion hat ihnen später schnell den garaus gemacht.

    die siedlungspolitik israels und das interesse der umliegenden arabischen staaten an friedlichen lösungen sind zweierlei stiefel: die siedlungspolitik begann erst nach 1967 (und es gibt durchaus berechtigte kritik mit verschiedenen argumentationsketten daran).
    bis dahin wären fast 20 jahre zeit gewesen, mit israel friedliche lösungen zu finden, und die palästinensischen flüchtlinge nicht in lagern im libanon, jordanien und sonstwo vor sich hin vegetieren zu lassen, sondern sie einigermassen zu intergrieren – zumindest vorläufig. immerhin haben sie in jordanien irgendwann die staatsbürgerschaft gekommen – anderswo nicht, auch nicht nach 60 jahren.
    statt dessen hilt man sie in armut. (soviel zu arabischer bruderliebe), damit die sehnsucht nach früher nicht aufhört.
    ja, warum hat man die 750.000 flüchtlinge nicht zurück in ihre dörfer gelassen? auch israeli ist nicht perfekt, ich vermute, dafür gab es triftige und weniger triftige gründe. um genaueres zu sagen, müsste ich jetzt viel lesen, dazu habe ich aber gerade die zeit nicht. vielleicht steht etwas dazu in brenner’s „geschichte des zionismus“.

    zur siedlungsgeschichte:
    ein andermal mehr, ich muss zu arbeit.

    interessant ist auch, einmal nachzulesen, wie überhaupt der nahe osten nach dem zerfall des osmanischen reiches neu verteilt wurde. wie die emirate entstanden, wie jordanien beispielsweise entstand, wie die einzelnen arabischen stämme sich untereinander bekriegt oder verbündet haben, welche rolle die briten darin spielten etc. das ganze ist sehr komplex – nicht nur die geschichte israels.

    es gibt wirklich viele aufschlussreiche texte zum thema, jeder hat einen anderen blickwinkel und wenn man zunächst einmal liest ohne zu werten, kann man sehr viel lernen.

    wikipedia finde ich übrigens in der regel keine gute quelle. ich lese lieber in spezifischen büchern guter historiker.

  19. ps sümeyye

    hab‘ gerade noch etwas gefunden:

    „Kriegsentscheidend waren neben dem merklichen personellen und technischem Übergewicht der israelischen Streitkräfte vor allem aber die bessere Ausbildung der israelischen Soldaten und die massive Unterstützung der israelischen Truppen mit Militärhilfe aus dem Ausland. Hinzu kamen organisatorische Mängel der arabischen Truppen, die nur dem Namen nach über ein einheitliches Oberkommando verfügten und die schlechte Kampfmoral der einfachen Soldaten auf arabischer Seite. Die meisten arabischen Soldaten kannten nur den Polizeidienst im eigenen Land, während die israelischen Soldaten zum größten Teil über Erfahrungen als aktive Soldaten in der britischen oder der US-Armee aus dem 2. Weltkrieg verfügten oder als Partisanen gegen Deutschland gekämpft hatten. Kern dieser israelischen Truppen waren die Jewish Brigade, die unter britischem Kommando in Italien gekämpft hatte, die Palestine Paraschuters, das Regiment The Buffs und andere Verbände auch osteuropäischer Staaten. Insgesamt verfügten 26.000 jüdische Männer und 4.000 Frauen über Erfahrungen aus der britischen Armee bzw. dem Frauenkorps. “

    http://www.hagalil.com/lexikon/index.php?title=Arabisch-Israelischer_Krieg_von_1948

    auch ansonsten kann ich die redaktionellen beiträge auf hagalil.com empfehlen, dort wirst du sicher fündig zum thema.

    grüsse,
    schoschana

  20. erklaere mir doch bitte warum der raketenterror auf sued israel erst begonnen hat nachdem israel den fehler gemacht hat gush katif und die anderen siedlungen im gazastreifen zu raeumen. es hiess doch immer die siedler sind das haupthindernis fuer den frieden. warum hat der raeketenterror auf sued israel sich dann nach dem abzug aus dem gazastreifen verschaerft ? was schliesslich zum notwendigen letzten krieg gefuehrt hat (aber das nur am rande). warum hat sich die lage im gazastreifen nicht verbessert nachdem die – an allem schuldigen – israelischen besatzer abgezogen sind ? gibt es seitdem mehr wohlstand, mehr schulen, mehr demokratie in gaza ? oder mehr terror und unterdrueckung nach innen und nach aussen ?

  21. „nachdem israel den fehler gemacht hat gush katif und die anderen siedlungen im gazastreifen zu raeumen“

    @grenzgaenger, du schreibst das so, als ob das ein allgemein anerkannter Fakt wäre. Das ist aber nur eine Meinung. Ich hielt die Räumung der Siedlungen im Gazastreifen für richtig, Israel hat dort nichts verloren, das ist ja noch nicht einmal ursprünglich jüdisches Land sondern Philisterland. Und warum der Raketenbeschuss danach erst richtig begonnen hat? Ganz einfach: weil es keine jüd. Siedlungen und keine israel. Straßensperren mehr gibt, die die Palästinenser davon abhalten, sich der Grenze mit IL zu nähern und ihre Raketen abzufeuern. Wenn man es bös ausdrücken will, dann kann man sagen, die Siedlungen waren Schutzschilde für den Staat Israel.

  22. @sumeyye

    vergiss Wikipedia, nicht umsonst darf das nicht mal in der Schule als Quelle benutzt werden.
    Lies einfach besser Bücher.

    Diesen Tipp habe ich dir ja schon einmal gegeben:

    Israels Existenzkampf:
    http://www.bpb.de/publikationen/97CE06,0,0,Israels_Existenzkampf.html

  23. Hallo,

    danke für eure ausführlichen Antworten. Das mit Wikipedia ist sicher richtig – würde ich natürlich auch nie an der Uni oder so verwenden – aber wenn man auf die schnelle was sucht ist die Versuchung groß doch darauf zurückzugreifen. Von Wikipedia waren bei meinem letzten Beitrag aber nur die Graphiken – die Zitate waren aus einem Artikel von der bpb. Die kenne ich übrigens ganz gut, weil ich mir schon während des Studiums dort oft Bücher bestellt habe.

    Schoschana,

    „es gibt wirklich viele aufschlussreiche texte zum thema, jeder hat einen anderen blickwinkel und wenn man zunächst einmal liest ohne zu werten, kann man sehr viel lernen.“

    Das ist eine sehr richtige Aussage – und wenn ich mal wieder ein bisschen mehr Zeit für mich habe als im Moment nehme ich mir vor mich mal vertiefter in das Thema einzulesen.

    Im Moment werde ich mal beobachten, was der „Wechsel“ in Amerika für Folgen für Israel hat… Ich habe mal ein bisschen gesucht, was ich über die Positionen der neuen Regierung – insbesondere auch über Rahm Emanuel finde. Das hier schreibt die Welt:

    Geradezu für Begeisterung hatte die Berufung von Rahm Emmanuel zum Stabschef des Weißen Hauses gesorgt. „Unser Mann im Weißen Haus“, titelte die Zeitung „Jediot Achronoth“, weil Emmanuel einen israelischen Vater hat. In Wahrheit dürften Emmanuels politische Ansichten zum Nahostkonflikt die israelische Regierung nicht allzu glücklich stimmen. Er unterstützt nämlich die Genfer Initiative, die einen Rückzug Israels auf die Grenzen vor dem Sechstagekrieg 1967 und die Räumung der meisten Siedlungen fordert.

    Ich weiß nicht ob das richtig ist – aber wenn dem so wäre, was haltet ihr von dieser Genfer Initiative?

  24. Hier nachzulesen:

    http://www.boell.org.il/download_en/Die_Genfer_Initiative1.pdf

  25. da ich immer furchtbar wenig zeit für die internetbloggerei habe, verweise ich dich, sumeyye, jetzt der einfachheit halber mal an hagalil.com, an deren forum: dort werden nahostthemen andauernd und unermüdet diskutiert. beim überfliegen sah ich, dass dort gerade das thema „siedlungen“ on ist. ich hoffe, dort wirst du fündiger als hier (z.b. mit mir, die einfach nie die nötige zeit hat, um ausdauernd am thema zu bleiben. sorry dafür.). und anna, ich hoffe, du nimmst es mir nicht übel, hier an andere foren verwiesen zu haben.

    eine gute woche allen –
    schoschana

  26. @Schoschana, ist schon Ordnung 😉 Wobei man allerdings hinzufügen sollte, dass es in dem bei dir genannten Forum etwas, sagen wir mal, rabiat zugeht.

  27. Hier ist eine Sammlung über 60 Jahre Israel:

    http://israel.hagalil.com/2008-60/index.htm

    Das Forum würde ich nicht unbedingt empfehlen, weil es, sagen wir für unbedarfte User, nicht geeignet ist, auch tauchen da von Zeit zu Zeit merkwürdige Gestalten auf.

  28. „Das Forum würde ich nicht unbedingt empfehlen, weil es, sagen wir für unbedarfte User, nicht geeignet ist, auch tauchen da von Zeit zu Zeit merkwürdige Gestalten auf.“

    ich denke schon, dass ein einigermassen vernünftiger mensch sehr schnell trennen kann – in diejenigen, die nur rumstänkern und in diejenigen, die ernsthaft diskutieren. ich bin selten in diesem forum, habe nur die tage quergelesen und festgestellt, dass dank einiger erfahrener und im nahost-thema gebildeter teilnehmer die diskussion relativ komod schien.

    hinweisen sollte man trotzdem auf dieses forum, sumeyye wird dann selbst entscheiden können, ob es für sie brauchtbar ist.

  29. Das Problem ist, wie schon immer Schoschana, dass man wirklich kaum normal diskutieren kann, weil es zu viele Querulanten gibt. Man ist auch ständig in einer Verteidigerposition Israels gegenüber und kommt im Grunde zu kaum etwas anderem. Ein Austausch über Israel und auch dessen Fehler ist dort kaum bis nicht möglich. Überfliegen reicht da nicht mehr aus.

  30. „Ein Austausch über Israel und auch dessen Fehler ist dort kaum bis nicht möglich“

    @Yael, das kann ich mir gut vorstellen. Ich habe das Problem auch schon hier auf dem Blog. Ich muss öfters israelische Standpunkte verteidigen, die ich selbst eher für diskussionswürdig halte, nur um nicht erklärten Israelfeinden oder unbedarften Nichtwissern in die Hände zu spielen.
    So richtig kann ich mich nur mit Juden über israelische Politik sprechen – außerhalb des Internets.

  31. „@Yael, das kann ich mir gut vorstellen. Ich habe das Problem auch schon hier auf dem Blog. Ich muss öfters israelische Standpunkte verteidigen, die ich selbst eher für diskussionswürdig halte, nur um nicht erklärten Israelfeinden oder unbedarften Nichtwissern in die Hände zu spielen.
    So richtig kann ich mich nur mit Juden über israelische Politik sprechen – außerhalb des Internets.“

    Ich empfinde das wirklich ein Dilemma. Im persönlichen Umfeld funktioniert das wirklich viel besser, zumal man die Menschen einfach besser kennt und einschätzen kann.
    Interessanterweise geht es auch manchmal Nichtjuden so. Gerade heute hatte ich darüber ein Gespräch mit einem nichtjüdischen Bekannten, der ähnliche Erfahrungen gemacht hat.

  32. Aber das ist doch genauso pervers wie der Katastrophen-Tourismus, der in der NDR-Satire-Sendung lächerlich gemacht wird…

    Hören Sie life: ein Vater, der um seine Kinder weint!

  33. „Hören Sie life: ein Vater, der um seine Kinder weint!“

    Wie bist du denn drauf?

  34. Im ersten Video-Clip, den du hier eingestellt hast, hört man den Vater am Telefon weinen, er ist verzweifelt, weil er nicht weiss was mit seinen Familienangehörigen passiert ist.

    Das finde ich letztlich genauso pervers, wie den Raketen-Tourismus, der in der Satiresendung von NDR zu Recht kritisiert wird, auch wenn er vielleicht nicht so weit verbreitet ist wie diese Satire-Sendung vermuten lassen könnte.

  35. Also falls es nicht klar genug war: Ich finde es pervers, dass man Leute in ihrer Verzweiflung für Nachriten-Sendungen (oder sonstige Sendungen) instrumentalisiert.


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