Verfasst von: Anna | 3. Mai 2009

Sind die jüdischen Gemeinden und Organisationen zu israelorientiert?

„Von jüdischen Organisationen wird ja leider zwangsläufig auch oft israelische Politik mit Vehemenz vertreten, so dass es da schon Schwierigkeiten gibt, das auseinanderzuhalten“ – schreibt meine neue Leserin Meryem (herzlich willkommen, Meryem!) in einem Kommentar zu einem ganz anderen Thema (tattoos).

Ich stelle diese Beobachtung hier gern in einem eigenen Beitrag zur Diskussion. Umso mehr, da ich diese Beobachtung selbst auch schon gemacht habe.  Meine Erfahrung bezieht sich allerdings nicht so sehr auf die öffentlichen Äußerungen von jüdischen Organisationen, sondern mehr auf die Kinder- und Jugendarbeit in den jüdischen Gemeinden. Ich frage mich seit langem, ob es sinnvoll ist, den (mittlerweile zumeist in Deutschland geborenen) Kindern in den jüdischen Jugendzentren eine so starke Israel-Orientiertheit mit auf den Weg zu geben, dass sie möglichst nach der Schule nach Israel gehen; ich meine nämlich, dass diese Kinder so auch daran gehindert werden, sich in ihrem Geburtsland heimisch zu fühlen (was ich für das natürliche Recht eines jeden Menschen halte). Und ich frage mich ernsthaft, ob es angemessen ist, in einer deutschen öffentlichen Einrichtung (und als „Körperschaft des öffentlichen Rechts“ ist eine jüdische Gemeinde eine deutsche öffentliche Einrichtung) an Jom Kippur oder Pessach die israelische Nationalhymne, also die Nationalhymne eines anderen Staates, zu singen (was in einigen jüdischen Gemeinden in Deutschland wirklich der Fall ist). Mich persönlich irritiert die Vermischung von jüdischem Gemeindeleben und israelischer Politik auch. Und ich kann mir vorstellen, dass diese Vermischung, soweit sie sich in der Öffentlichkeit manifestiert, auf den nichtjüdischen Normalbürger noch verwirrender wirkt. Andererseits: wer sonst soll öffentlich zu Israel stehen, wenn nicht die jüdischen Organisationen im Ausland? Ich bin gespannt auf eure Meinungen.

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Responses

  1. Danke, Danke für´s Willkommen, freu mich auch hierein gestolpert zu sein, es ist nämlich gar nicht so leicht, Kontakt zu Jüdinnen zu bekommen, die ihren Glauben praktizieren, äh- observantieren.

    Ich kann natürlich nichts zu dem sagen, was in jüdischen Gemeinden passiert. Aber warum muss wie ein Reflex immer Israels Politik verteidigt werden, an der es ja nun doch genug zu bemängeln gibt (behaupte ich mal frech). Wäre nicht gerade der Abstand nützlich, den Geschwistern dort mal den Marsch zu blasen?

    Mich ärgert es, dass anscheinend in Bezug auf Israel keine Kritik unter Freunden oder Glaubensgeschwistern möglich ist. Bis auf wenige Ausnahmen natürlich.

    Ich persönlich hab ein Interesse an Palästina, und das nicht erst seit ich Muslima bin, weil ich finde, dass die Palästinenser die Sünden unserer Großeltern ausbaden. Sie können ja nun am wenigsten dafür, dass Deutschland alle Juden ausrotten wollte.

    Und mit unserem geschichtlichen Hintergrund, müssen wir doch geradezu Israel wegen seiner Menschenrechtsverletzungen kritisieren.

    Ein bisschen kann ich die Israelorientierung in den Synagogen verstehen, weil es bestimmt hier noch kein wirklich sicheres Gefühl für Juden gibt. So bleibt sozusagen die Tür nach Israel offen.
    Ich bin ja auch froh, dass wir ein Haus in der TR haben und ich ggf. mit meinem Mann dahin abhauen kann, wenn sich die Stimmung hier zuspitzt.
    Besser wäre allerdings, noch mehr gegen die Hetzer im eigenen Land aufzustehen und da könnten Juden und Muslime eigentlich gut zusammenhalten, sind wir doch beide betroffen.
    Aber da muss man sich doch auch mal die Meinung sagen dürfen.

    Schalom, Meryem

  2. „wer sonst soll öffentlich zu Israel stehen, wenn nicht die jüdischen Organisationen im Ausland?“

    Die Frage muss man eigentlich umgekehrt stellen: Woran können sich Juden heute noch orientieren, wenn nicht an ihrem Nationalstaat? (sofern sie ihr Jüdischsein nicht aufs Religiöse bzw. ein Glaubensbekenntnis reduzieren, und selbst dann kommen sie nicht um Israel herum).

    Wenn ich in Amerika als Russe leben will, muss ich mich notwendigerweise in vieler Hinsicht an Russland orientieren. Das mit den Juden ist also keine Ausnahme.

  3. „Und mit unserem geschichtlichen Hintergrund, müssen wir doch geradezu Israel wegen seiner Menschenrechtsverletzungen kritisieren. “

    @Meryem, über den Nahostkonflikt als solches diskutiere ich hier gar nicht so gern 😉 Das Thema ist kompliziert und endet normalerweise im Zitieren der üblichen Argumente. Du lieferst ja in deinem Kommentar selbst einige Beispiele dafür. Ich könnte jetzt also erst einmal die behaupteten „Menschenrechtsverletzungen“ aus israelischer Sicht präsentieren und dann auch den ganzen Rest der Problematik aufrollen:
    die Selbstmordattentate von Palästinensern auf israelische Zivilisten, den erklärten Willen der Hamas, der Hizbollah und des Irans, Israel von der Landkarte zu radieren, die Kriege, die die Staaten der Arabischen Liga geführt haben, um alle Juden ins Meer zu befördern, und so weiter und so fort. Da wären wir morgen noch nicht fertig und würden uns wahrscheinlich letztlich doch nur die „offiziellen“ Sichtweisen der jeweiligen Partei herunterbeten. (Wenn dich meine private Haltung zu Nahost interessiert, dann findest du einiges in der Kategorie „Israel“.) Mit den Organisationen ist es, denke ich, ähnlich. Eine jüdische Organisation wird Israel nicht hochoffiziell in den Rücken fallen. Muslimische Verbände werden die palästinensische Sache nicht verraten und radikal für Israel Stellung beziehen. Wenn solche Kritik geäußert wird, dann, so denke ich, allenfalls hinter verschlossenen Türen und nicht in der Öffentlichkeit.

  4. Oh, ich halte mich da auch gerne zurück, da hast Du schon recht, kriegt man sich schnell in die Wolle, selbst wenn man jeweils nicht die Taten der anderen Seite abstreitet, kann die Bewertung doch sehr verschieden ausfallen. Du hast ja auch Behauptungen aufgestellt, die ich für falsch halte.

    Also hier in München (bin ja Neu-Bayerin) muss nur ein bisschen ein israelkritisches Wort fallen und Frau Knobloch springt ein…das ist mir sonst nicht so aufgefallen, in Bremen wurde die wohl nicht so viel zitiert.
    Hab jetzt keine Artikel gespeichert vom Jahresanfang, ich fand das aber sehr auffällig.

    Andere Organisationen kenne ich allerdings gar nicht.

    @ Yoav: ich kann das ehrlich gesagt nicht verstehen, diesen Bezug: Russe sein, ist eine Nationalität. Jude (oder Muslima) sein, ist eine Religionszugehörigkeit.
    Ich bleibe doch deutsch, selbst wenn ich mal auswandere, logisch, das sitzt drin, da werde ich mich immer in gewisser Hinsicht unterscheiden. Aber Muslima bin ich hier wie dort auf die gleiche Art.
    Vielleicht seht Ihr das Jüdischsein anders, aber für mich hat Religion nichts mit Nationalität zu tun. Schließlich heißt es nicht umsonst „Weltreligionen“.
    Grüß, Meryem

  5. „Und mit unserem geschichtlichen Hintergrund, müssen wir doch geradezu Israel wegen seiner Menschenrechtsverletzungen kritisieren. ”

    Sorry, aber genau diese Meinung, die man leider ständig irgendwo zu lesen bekommt, ärgert mich jedes Mal.
    Ich verstehe diesen Hintergrund nicht? Was hat das mit den Nazis zu tun? Oder anders und provokant gefragt: Dürfen sich die Nachkommen der Täter (wobei klar ist, dass nicht alle Täter waren) und die in diesem Land leben ausgerechnet als Bewährungshelfer generieren, damit die Juden ja nicht rückfällig werden?
    Bitte einfach mal darüber nachdenken.

  6. @Meryem, Judentum ist nicht nur eine Religion, sondern auch eine Volkszugehörigkeit. Juden sind ein Volk mit einer eigenen Religion.

    „Also hier in München (bin ja Neu-Bayerin) muss nur ein bisschen ein israelkritisches Wort fallen und Frau Knobloch springt ein…“

    Keine Ahnung, was „ein bisschen israelkritisch“ ist, um Frau Knobloch jeweils konkret zum Einschreiten zu bewegen, aber ich denke, man muss da grundsätzlich unterscheiden zwischen ihren offiziellen Stellungnahmen als Vorsitzende des Zentralrats der Juden (das ist für mich eine jüdische Organisation) und ihren Meinungsäußerungen als Privatperson.

  7. @Yael: wieso Juden und rückfällig werden? Ne, wir sollten aufmerksam sein, weil wir wissen, wozu Menschen fähig sind. Aber das Thema sollten wir nun ja meiden.

    Also das mit dem jüdischen Volk: Kann man das tatsächlich noch sagen? Es handelt sich doch nun mal um eine weltweit verbreitete Religion mit derartig vielen Volksgruppen drin, völlig unterschiedlich-woran soll sich denn da die Nationalität festmachen, außer an der Religion natürlich, aber das klingt doch recht theoretisch..
    So wie das mit der islamischen Umma-klar teilen wir den Glauben, aber ansonsten sind wir doch sehr verschieden.

    Wann Frau Knobloch nun in welcher Position reagiert, hab ich noch nicht beobachtet, aber wahrgenommen wird sie ja immer „offiziell“ vermute ich.

    Guad´s Nächtle, Meryem

  8. Volk und Nation sind erst einmal verschiedene Begriffe, Nation ist ein relativ neuer und vor allem politischer Begriff.
    Juden waren immer ein Volk und eine Religionszugehörigkeit, was einmalig in dieser Kombination weltweit ist und es ist nicht voneinander trennbar.

    „@Yael: wieso Juden und rückfällig werden?“

    Natürlich sind sie es nicht, aber wenn Deutsche meinen, gerade wegen der deutschen Geschichte müsste man angeblich hochmoralisch sein (und vor allem ist das auffälligerweise immer und speziell der Fall wenn es um Israel geht), stimmt etwas nicht. Israel begeht keinen Völkermord, Israel ist kein Naziland.
    Bezüglich Juden und Israel wird damit aber suggeriert, wir, die Deutschen müssten aufpassen, dass andere nicht so werden wir es Deutschland vor 70 Jahren war (das ist mit Rückfällig gemeint).
    Deutsche haben ein Problem mit der Vergangenheit, aber es ist ihr Problem und nicht das Problem vom Rest der Welt.

    Gerade wir als Deutsche –

    Klaus Bittermann; aus: Bittermann/Henschel, Das Wörterbuch des Gutmenschen. Zur Kritik der moralisch korrekten Schaumsprache

    http://www.comlink.de/cl-hh/m.blumentritt/agr28.htm

  9. @ meryem

    „Wäre nicht gerade der Abstand nützlich, den Geschwistern dort mal den Marsch zu blasen?“

    ich denke, diese befangenheit findest du doch in allen minderheiten.
    oder haben sich die deutschtürken in deutschland je dazu aufgeschwungen, den antisemitischen mitmuslimen in deutschland „den marsch zu blasen“ geschweige denn anderswo aufzuschreien, wenn unrecht geschieht gegenüber juden und anderen menschen? 😉

  10. „Die Frage muss man eigentlich umgekehrt stellen: Woran können sich Juden heute noch orientieren, wenn nicht an ihrem Nationalstaat? (sofern sie ihr Jüdischsein nicht aufs Religiöse bzw. ein Glaubensbekenntnis reduzieren, und selbst dann kommen sie nicht um Israel herum).“

    ja. genau so ist es.

  11. Den Staat Israel praktisch ins Zentrum pädagogischen Tuns zu stellen (ich verschärfe mal Annas These der Diskussion willen) liegt in zwei Dingen begründet:
    1. dem Wegfall religiöser Werte und dem Verlust eines eigenen Selbstverständnisses
    2. der Angst davor, junge Leute in den Jugendzentren könnten andere „Inhalte“ zurückweisen. Die jüdische Gemeinde hier besteht aus den verschiedensten Personen mit den verschiedensten Hintergründen. Ein fertiges identitätsstiftendes Element käme da gerade recht.
    (?? Ist es tatsächlich so??)

    Das bedeutet nicht im Umkehrschluß, dass Israel keine Rolle spielen sollte. Wie Yoav schon schrieb, spielt Israel ohnehin eine zentrale Rolle. Die Frage ist, ob es die einzige Rolle spielen darf, wenn man hier leben möchte.

  12. Hmmm-also ich geh schon gegen die antijüdischen Vorurteile bei den muslimischen Geschwistern an. Wobei ich sagen kann, dass in unseren shiitischen Kreisen hier, das nicht verbreitet ist, da alle einen relativ hohen islamischen Bildungsstand haben.

    Aber selbst mit meinem Mann muss ich immer über Verallgemeinerungen streiten. Da geht´s aber nicht nur um „die Juden“, sondern auch „die Araber“, „die Polen“ oder „die aus der Stadt XY“. Das ist in der TR ein sehr verbreitetes Denken und schwer rauszukriegen.
    Und auf den Anti-Kriegs-Demos Anfang des Jahres, ja ich war dabei, hab ich mich mit so hormongesteuerten jungen Bengels gestritten. Aber die hören nicht auf Frauen.

    Also am besten geht das immer über vernünftige islamische Erziehung.

    Ich bin trotzdem anderer Meinung, was die deutsche Verantwortung für Palästina angeht. Vielleicht seht Ihr es anders, aber ich erkenne reichlich Parallelen zum dritten Reich in israelischer Politik. Sicher fehlen mir Informationen von der anderen Seite, aber wer das nicht sieht, schaut auch einseitig. Die Kräfteverhältnisse sind nicht gleich.

    Und ich beschäftige mich damit, wie so ein Trauma sich über Generationen fortsetzen kann und wie man es auflöst. Das betrifft ja auch uns Kriegsenkel-meine Eltern haben viel mitgemacht als Kinder und das hat auch mich noch geprägt. Vermutlich hat mein Sohn dann auch noch was abgekriegt.

    Und da wir (also als Nation) uns nun mal am jüdischen Volk so schuldig gemacht haben, geht meine Aufmerksamkeit eben mehr dorthin. Zumal die anderen betroffenen Länder über Jahrzehnte praktisch unsichtbar für uns waren.
    Ich versteh auch nicht, warum für Deutschland Kritik an Israel praktisch unmöglich ist. Und an den USA – auf ewig unsere Befreier. Als ob die in den Weltkrieg eingegriffen hätten, ohne jegliches Eigeninteresse.

    Mit dem Begriff des „Volkes“ kann ich trotzdem nichts anfangen, auch wenn ich ihn benutzt habe.
    Weil ich nicht glaube, dass das „Volk“ an sich so unvermischt besteht und sowieso damit nichts anfangen kann. Die Deutschen sind auch alle verschieden, in der TR mischen sich viele Völker-und gerade der Versuch, alles Unterschiede einzuebnen hat viel Leid gebracht.

    Ich seh keinen Grund, warum nicht Volksgruppen sich mischen könnten. Und warum ein Staat sich gründet und andere die dort gelebt haben vertreibt. Und den Plan gab es schon bevor sich Menschen in größter Not dorthin geflüchtet haben.
    Kein Volk hat das Recht, ein anderes zu unterdrücken.

    So gesehen sind ja überhaupt „Nationalstaaten“ problematisch, aber ohne ein solches Konstrukt kommen wir wohl nicht zurecht. Warum aber jüdische Identität damit zusammenhängen soll, will mir nicht einleuchten. Vielleicht hab ich eine andere Betrachtung von Religion – „Gott ergeben“ kann jeder Mensch sein, egal wo er herkommt. Und wären wir das alle, würde es solche Konflikte gar nicht geben, denn die widersprechen Gottes Auftrag an uns Menschen.

    Ich mag übrigens diesen Begriff „Gutmensch“ gar nicht. Klar möchte ich ein guter Mensch sein. Vielleicht irrt man beim Versuch auch mal etwas herum. Aber darum muss man Leute die sich darum bemühen nicht so lächerlich machen.

    So, wie nun wieder die Kurve zur Ausgangsfrage zu kriegen ist, weiß ich auch nicht. Hat ja irgendwie schon alles miteinander zu tun. Es gibt ja auch Juden mit anderer Sichtweise. Hab da z.B. ein Martin Buber Zitat auf meiner Seite. Ich bin doch auch urdeutsch, aber das hält mich doch nicht davon ab, Deutsche oder deutsche Politik zu kritisieren, wenn mir was stinkt. Darum eben: warum tun das Juden (oder jüdische Organisationen) kaum, wenn es um Israel geht, wenn es doch Euer Nationalstaat sein soll?

    Ich glaub ich hab jetzt gerade etwas wirr geschrieben, in scha Allah (so Gott will), könnt Ihr trotzdem damit was anfangen.

    Grüße; Meryem

  13. interessantes Thema- ich habe jetz übrigens einen account, leider war akru schon vergeben…!

    „Ein fertiges identitätsstiftendes Element käme da gerade recht.“
    Ich würde sogar sagen, ein identitätsstiftendes Element ist unbedingt notwendig. Und dieses Element scheint momentan Israel zu sein, vielleicht, weil es das ist, was (fast) alle Juden verbindet- Säkuläre, Orthodoxe, Russische Juden, Deutsche Juden, Amerikanische Juden etc..! Alle haben als Juden(=Volkszugehörigkeit) wenigstens einen indirekten bezug zu Israel.

    Da, wo die Religion keine oder eine unbedeutendere Rolle spielt, muss dann die Volkszugehörigkeit „herhalten“, um eine Identität zu schaffen. In Deutschland scheint das der Fall zu sein.

  14. „Ich versteh auch nicht, warum für Deutschland Kritik an Israel praktisch unmöglich ist. “

    Ich verstehe nicht, wie du das behaupten kannst. Israel wird doch nun ständig von allem möglichen Seiten kritisiert. In den jüdischen Gemeinden ist es nicht anders, nur ist das eben mehr intern.

    „Vielleicht seht Ihr es anders, aber ich erkenne reichlich Parallelen zum dritten Reich in israelischer Politik.“

    Und welche? Nun mal Butter bei de Fische.
    In Israel findet kein Völkermord statt und es gibt keine KZs und und und.
    Warum immer wieder dieser unsägliche Vergleich? Was bringt das?

    “ wenn es um Israel geht, wenn es doch Euer Nationalstaat sein soll?“

    Deutschland ist mein „Nationalstaat“, da ich und andere hier keine Israelis sind und die deutsche Staatsbürgerschaft haben.

    Alles in allem scheinst du sehr von Vorurteilen, was Israel und deren Geschichte angeht, geleitet zu sein. Du wirst zwar nicht konkret, aber zwischen den Zeilen bekommt man das doch mit.

    Aber da Anna das Thema nicht gern hier besprechen möchte, lasse ich es jetzt. Obwohl es da noch viel zu tun gäbe.

    Mal ein Tipp zur Geschichte Israels:

    http://www.bpb.de/publikationen/97CE06,0,0,Israels_Existenzkampf.html

    Ist nicht teuer und sehr empfehlenswert.

  15. Ich habe doch einige Probleme mit dem Begriff Israels als unser Nationalstaat.
    Klar kann man sofort Aliyah machen, wenn man möchte und natürlich ist mir als Jüdin Israel sehr nahe. Jedoch ist Israel deswegen nicht „mein“ Nationalstaat.

  16. Ich bin mir nicht sicher, ob du den Begriff „Nationalstaat“ im üblichen Sinne verwendest. Die USA sind z. B. kein Nationalstaat. Sie versuchen keiner Nation oder Volk, dessen Existenz der des Staates vorausgeht, gerecht zu werden. Im Gegenteil: Es ist der Staat, von dem eine „Staatsnation“ abgeleitet wird.

    Staatsangehörigkeit und Volkszugehörigkeit sind zwei verschiedene Sachen, obwohl man sich oft gerne verwechselt.

    Unterm Strich heißt es: Nicht jeder, der sich zur jüdischen Nation zählt, muss im jüdischen Nationalstaat leben. Auch nicht jeder Bürger dieses Staates ist Jude. Genauso wie es einerseits Deutsche in Namibia/Siebenbürgern etc. gibt und andererseits Bürger der Bundesrepublik, die nicht deutscher, sondern sonstiger Volkszugehörigkeit sind.

  17. Hallo Yael, ne ich werd nun gerade nicht konkret, wegen Annas Hinweis, also jedenfalls nicht hier. Aber warum das dann immer nur Vorurteile sein sollen, weiß ich auch nicht. Ich bin ja nun nicht alleine mit meiner Auffassung und viele Juden teilen sie.

    Irgendwie versteh ich aber nicht:
    -einerseits ist der Nationalstaat Israel, dass was Juden verbindet und woran sie sich orientieren.
    Da komm ich nicht mit, weil:

    -andererseits ist der Nationalstaat dort wo man lebt, den Pass hat und zu Hause ist. Was ich nachvollziehen kann.

    Chaim vermutet dazu, dass durch den Verlust religiöser Werte, das Thema Israel identitätsstiftend ist.
    Liegt es daran, dass so viele osteuropäische Juden eben nur die „Volkszugehörigkeit“ haben, aber gar keine oder fast keine religiöse Erziehung oder Tradition?

    Was sagt Ihr eigentlich zum Thema Religionsunterricht in den Schulen? Unter Muslimen ist ja nun oft erwünscht, islamischen Unterricht zu haben. Ich bin da etwas gespalten, weil wir ja nun auch so was wie konfessionelle Differenzen haben und ich Bedenken hätte, dass die shiitische Sicht zu kurz kommt. Also ich kann gut mit einem Ethik-Unterricht leben, der über alle Religionen einen Überblick vermittelt und die Feinheiten dann für die Gemeinden lässt. Schließlich machen die Kirchen es ja auch so.

    Aber jüdischen Unterricht habe ich noch niemanden fordern hören. Traut man sich nicht?
    Kommt das Thema in „Ethik“ dran? Gibt es überhaupt einen Zugang zum Judentum ohne den Bezug zu Israel?

    Und noch was: ich kann in jede Moschee gehen, aber die Synagogen sind dicht, außer auf Anmeldung. Ich hatte mal eine Einladung in eine liberale Gemeinde in München (ist dann wegen Krankheit ausgefallen), das war schon konspirativ. Ist denn die Bedrohung zu realistisch, dass man sich so abschotten muss, oder ist das einfach Vorsicht?

    Grüße, Meryem

  18. „Ich bin ja nun nicht alleine mit meiner Auffassung und viele Juden teilen sie.“

    Sorry, aber das ist doch kein Argument.

    Die Bedrohung ist natürlich sehr real. Ich erinnere nur an den versuchten Anschlag auf die Synagoge in München.
    Auch wenn du mitbekommst, wieviel Einrichtungen beschmiert, Friedhöfe, vor einiger Zeit die Schule in Berlin von Chabad, werden, jüdische Menschen angegriffen werden, ist das eine sehr reale Bedrohung. Das bekommt man doch mit, oder?

    Hier allein antisemitisch motivierte Staaten des Jahres 2008

    http://www.amadeu-antonio-stiftung.de/die-stiftung-aktiv/gegen-as/antisemitismus-heute/chronik-antisemitischer-vorfaelle/chronik-antisemitischer-vorfaelle-2008/

    „Aber jüdischen Unterricht habe ich noch niemanden fordern hören. Traut man sich nicht?“

    Jüdischer Religionsunterricht findet innerhalb der Gemeinden statt. Wenn dort Interesse der Eltern besteht, kann jedes Kind daran teilnehmen.
    An jüdischen Schulen ist das sowieso klar.

    „Staatsangehörigkeit und Volkszugehörigkeit sind zwei verschiedene Sachen, obwohl man sich oft gerne verwechselt.“

    Ja, das ist klar.

    Danke für die Erklärung, ich verstehe jetz besser, worauf du hinauswillst.

  19. Hallo yael, was denn nun, ich will hier nicht eine Diskussion führen, die nicht erwünscht ist. Und mit meinem Hinweis auf andere die meiner Meinung sind, möchte ich nur sagen, dass ich ja vielleicht nicht gänzlich uninformiert bin. Also wenn, dann muss man das anderswo besprechen, ich lade gerne zu mir ein, 🙂

    Mir ist schon klar, dass es viele antijüdische Straftaten gibt, so blöd bin ich ja nun auch nicht. Gibt aber insgesamt auch viele ausländerfeindliche – und wenn ich mich hier so umschaue, ist auch genug Potential für antiislamische Anschläge unterwegs (ich meine nicht hier im Blog, sondern im wordpress gesamt).
    Und trotzdem sind die Moscheen offen, aber vielleicht liegt es an der Vielzahl,dass es so eine konkrete Bedrohung ist, während Synagogen ja nur wenige sind.

    Ich hab aber glaube ich anhand der Diskussion hier jetzt verstanden, warum Antizionismus immer mit Antisemitismus gleichgesetzt wird, was aus der Sicht derer, die sich so äußern, nicht stimmt.
    Aber wenn ich betrachte, wie eng ihr Euch mit Israel verbunden fühlt, dann muss es ja so ankommen.Während unsereins sich wundert, was denn nun eine politische Frage damit zu tun haben soll, ein Volk, oder eine Religion abzulehnen.
    Wenn ich damit richtig liege, dann wäre immerhin mal ein grundlegendes Mißverständnis geklärt.

    Schönen Abend, Meryem

  20. @alle: Wegen des großen Interesses an den aktuellen Beiträgen habe ich die Kommentarfunktion kurzzeitig auf unmoderiert gestellt. Ausgerechnet heute habe ich nämlich keine Zeit, hier dauernd mitzulesen. Bitte seid freundlich miteinander und, wie schon gesagt, bleibt wenigstens einigermaßen beim Ausgangsthema 🙂

  21. Mir ist schon klar, dass es viele antijüdische Straftaten gibt, so blöd bin ich ja nun auch nicht.

    Das habe ich auch nicht behauptet. Aber die Bereitschaft der Gewalt gegen Juden (und das sicher nicht nur von rechts) ist insgesamt viel höher und die Hemmschwelle deutlich niedriger.
    Außerdem wäre in Dtl. die Hölle los, wenn ein Anschlag in einer Synagoge klappen würde. Hier spielt die Geschichte sehr deutlich eine Rolle und die Politik reagiert hier empfindlicher.

    Aber abgesehen davon, sind Synagogenbewachungen und die Bewachung jüdischer Einrichtungen in ganz Europa die Regel. Dtl. bildet hier keine Ausnahme.

    „Während unsereins sich wundert, was denn nun eine politische Frage damit zu tun haben soll, ein Volk, oder eine Religion abzulehnen.“

    Das hat damit sehr viel zu tun, denn die Vernichtung der Juden war ein Politikum genauso wie es Antisemitismus ist.
    Außerdem wer Juden hasst, weil sie Juden sind oder Juden das Recht auf einen eigenen Staat abspricht, ist Antisemit. Daran gibt es nichts zu deuteln, auch in der Wissenschaft nicht.

  22. „Bitte seid freundlich miteinander und, wie schon gesagt, bleibt wenigstens einigermaßen beim Ausgangsthema“

    Hast schon Recht Anna, aber sobald von Israel im web die Rede ist (und auf „jüdischen“ Seiten sowieso), geht es ja leider immer sofort um die Politik Israels.
    Liegt wohl in der Natur der Sache.

    Schöne Woche

    Yael 😉

  23. N´Abend,
    also die Gleichstellung von „Juden hassen weil sie Juden sind“ und „Juden das Recht auf einen eigenen Staat absprechen“, die soll mir mal jemand belegen.
    Aber darum geht es in der Regel ja auch nicht, sond ganz konkret um das Geschehen in Palästina.

    zurück zum Thema:

    Also mal unterstellt, es gibt diese große Israelorientierheit, weil es sonst schwierig ist, etwas Gemeinsames aller jüdischen Bürger zu finden – will man sich denn in jüdischen Kreisen damit zufriedengeben, oder meint Ihr nicht, dass eine größere Ausrichtung auf die Religion als verbindendes Element erstens für die jüdische Gemeinschaft gut wäre und auch eine Öffnung zur Gesellschaft bedeuten könnte? Im Sinne von „Integration“-ich weiß das ist ein dämliches Wort für deutsche Staatsbürger, aber mir müsst Ihr verzeihen, ich bin auch noch nicht integriert, :-).

    Also was ich meine, abgesehen vom spirituellen Wohl eines jeden gläubigen Menschen: Jüdische Religion ist doch hier gesellschaftlich kaum präsent. Nachvollziehbar nach der Geschichte-aber räumt nicht einzig der Dialog mit Vorurteilen auf? Geht Muslimen ja auch so, nur im Gespräch bewegt sich was. Ich geh gerne auf solche Veranstaltungen, aber außer einmal, als Rabbi Magonet zu Gast war, hab ich immer nur Christen und Muslime getroffen, auch auf einem Abraham-Seminar.
    Also Wunder erwarte ich davon auch nicht, aber was bleibt uns schon übrig? Hier in München tauchen auf jeder Dialog Veranstaltung die üblichen Verdächtigen auf, eine Clique von Islamhassern, wenn die Moderation nicht sehr fit ist, sprengen die jede Veranstaltung. Da bin ich schon bespuckt worden und an mir rumgezerrt-Spaß macht das nicht. Aber es gab auch immer sehr gute Gespräche und ich hab gelernt, dass sich seit meinen Kindheitszeiten auch in der Kirche was bewegt hat.
    Vielleicht krieg ich auch nur einfach nicht alles mit. Hier gibts ja auch die „Freunde Abrahams“, aber zu deren Tagungen hab ich es noch nicht geschafft.
    Jedenfalls rede ich ganz gerne mal über jüdische Religion unabhängig von Israel-Politik.
    Und weiß darüber ganz wenig.
    Drum bin ich ja ganz froh, Annas blog entdeckt zu haben.

    Salam, Meryem

  24. N´Abend,
    „also die Gleichstellung von “Juden hassen weil sie Juden sind” und “Juden das Recht auf einen eigenen Staat absprechen”, die soll mir mal jemand belegen.“

    Ich glaube wir reden wie immer, aneinander vorbei.

    Machs gut.

  25. Juedisch sein ist nicht NUR Religion sondern auch Volkszugehörigkeit.
    Bei meinem Uebertritt wurde ich im „Volk Israel“ willkommen geheissen.
    Das ist eine Besonderheit die es in keiner anderen Religion so gibt.
    Die Diskussion dreht sich wie immer bei dem Thema im Kreis, wir können nur versuchen, als Jude im persönlichen Umfeld mit „andersglaeubigen“ respektvoll umzugehen und das gleiche wuensche ich mir von den Moslems, Buddhisten (die tun das meist ohnehin..), Christen usw…
    Das Persönliche kann etwas in ganz kleinem Kreis ändern, so sehe ich das.
    Aber – wie in meinem Artikel „Nach Giur auf der „anderen Seite“? – zu lesen ist, ist es selbst im kleinsten Umfeld schwierig, manchmal unmöglich.
    Noa

  26. Und Meryem: BItte respektiere auch, dasss Israel unsere Heimat ist.
    (wer nun „Recht“ hat, wird nicht zu klären sein, nur bitte ich dich um eines: bei der Berichterstattung, wie du sie zitierst: Israel untedrückt die armen Palaestinenser.. (ist jetzt überspitzt ausgedrückt..) halte bitte auch das andere Auge mal offen, und höre dir an, was gesagt wird , z.B. dass auch ein arabisch-muslimischer STaat wie Ägypten sagt: unser wirklicher feind ist die Chamas, und Hisbollah,
    du musst nicht plötzlich Israelfreundlich sprechen, nur halte die Augen auch auf.
    Immerhin ist es in Israel möglich, als Jude auch gegen die eigene Regierung was zu sagen, und auf Demos zu gehen und Kritik an Israels Regierung zu üben, (was die LINKEN auch tun) , während man Kritik aus den eigenen Reihen z.B. in „Palästina“ oder anderen arab. Staaten so gut wie nie hört. DAs gibt mir auch zu denken.
    Noa

  27. „Und Meryem: BItte respektiere auch, dasss Israel unsere Heimat ist.“

    @Noa, das kann man so pauschal ja nicht sagen. Meine Heimat ist Deutschland.

    „wer nun “Recht” hat, wird nicht zu klären sein“:
    @Noa, das lässt sich im Einzelfall schon klären, denke ich, wenn man die Geschichte des Nahostkonflikts detailliert und objektiv aufarbeitet und studiert. Die „Wahrheit“ wird sich dann wohl irgendwo dazwischen finden lassen, nicht 100% auf Seiten Israels und nicht 100% auf Seiten der Palästinenser. Wer mit offenen Augen durch Israel fährt und die dauernde latente Bedrohung einmal selbst gespürt hat, wird für viele Maßnahmen der israelischen Regierungen Verständnis haben. Wer aber mit offenen Augen durchs Westjordanland fährt oder früher sogar einmal im Gazastreifen war, dem wird auch einmal die Problematik der Palästinenser plastisch vor Augen geführt. Ich habe das alles gesehen, die israelische Seite und die palästinensische. Seitdem meide ich alle Nahostdiskussionen, in denen sich die Leute doch letztlich nur die offiziellen Sichtweisen ihrer jeweiligen „Partei“ um die Ohren hauen.
    —-
    Und jetzt bitte nix mehr zum Nahostkonflikt. Dafür gibts einschlägige Foren. Nur wer noch was zur Ausgangsfrage sagen will (sind die jüdischen Gemeinden und Organisationen zu israelorientiert), wird jetzt noch freigeschaltet 😉

  28. [Anmerkung: Yael, ich habs gelesen. Das ist schon ok gewesen, ich hab dich auch gar nicht gemeint; aber hier laufen noch andere Kommentare im Hintergrund auf, die das Ganze hier aus dem Ruder laufen lassen würden … ]

    Nun zum Thema: Ich habe keine Probleme die Hatikwa an Pessach zu singen, da sie älter ist als der Staat Israel und ich den Bezug daher auch darauf lege. Ansonsten ist es aber im Rahmen normal, sich mit Israel in den Gemeinden zu beschäftigen, nicht nur in Bezug auf den Staat Israel, sondern auch eben auf die Geschichte des jüdischen Volkes, die Religion (wenn sich z.B. Mitzwot auf Israel beziehen), wegen Hebräisch usw.

  29. Ich finde es richtig, dass die Kinder mit dem Thema Israel gross werden, einfach deshalb, weil sie sich so entscheiden können, ob sie später nach Israel gehen oder hier bleiben. Das war HIER ist, bekommen sie ja jeden Tag mit, das was Israel bedeutet, nicht unbedingt, vor allem nicht, wenn sie mit den Eltern nie dorthin fahren.
    Ich finde es schon wichtig, dass Jugendliche erfahren, dass es auch anders geht, als sich mühselig den einzigen Kosherladen in der Stadt zu suchen, immer eine (oft missverstandene ) MInderheit zu sein etc.
    Einfach mehr zu erfahren über eine ganz andere Weise sein Juedisch-Sein leben zu können… dafür finde ich den starken Israelbezug wichtig.
    Noa

  30. „Mich persönlich irritiert die Vermischung von jüdischem Gemeindeleben und israelischer Politik auch. Und ich kann mir vorstellen, dass diese Vermischung, soweit sie sich in der Öffentlichkeit manifestiert, auf den nichtjüdischen Normalbürger noch verwirrender wirkt.“

    Für den deutschen Normalbürger ist das wenig bis gar nicht zu begreifen, zumal wie Du sagst zwischen Politik/Religion/Nationalität von allen Seiten nicht ausreichend differenziert wird. Da kann man jemandem, der sich mit dieser Thematik nicht täglich befaßt, nicht wirklich einen Vorwurf machen, und oft sind Vermischungen von nicht-jüdischer Seite nicht böse Absicht sondern Unwissen.

    Die Diskussion hier ist das beste Beispiel für das ‚Grundproblem‘ jüdischer Kinder, hier Wurzeln zu schlagen. Es wird eben nicht als normal empfunden, als Jude in Deutschland zu leben, v.a. wenn man Holocaust-Opfer in der Familie hatte, man fühlt sich als Fremdkörper, und daher kommt meiner Meinung nach die starke Israelbezogenheit. Was in gewisser Weise sehr, sehr verständlich ist.

    Hier ein paar Beobachtungen zur „Normalität“ von jüdischem Leben außerhalb Deutschlands
    – aus einer kleinen Synagoge in den ländlichen USA: zunächst mal – Sicherheitsbewachung? Fehlanzeige. Im Sanctuary: rechts von den Torahrollen steht die amerikanische Flagge, links die israelische. Die deutsche Fahne auf der Bimah? Undenkbar!?
    – selbe Gemeinde: es finden regelmäßig Spendensammlungen für Projekte in Israel statt, und auch Gemeindefahrten nach Israel, aber die Jugendarbeit befaßt sich eigentlich nicht mit Aliyah und die Gemeindemitglieder sehen sich ganz selbstverständlich als ganz normale jüdische Amerikaner – wohlwollend, manchmal auch kritisch (!) gegenüber Israel, aber eben als Amerikaner.
    – aus einem englischen Siddur: da gibt es doch tatsächlich ein blessing auf die Queen!! In einem deutschen Siddur eins für die Kanzlerin? Nicht in diesem Jahrhundert.

    Dagegen entsprechende Beobachtungen aus Deutschland:
    – aus einem Gymnasium, ca. 10. Klasse: bei Diskussionen zum Thema Nahostkonflikt werden die jüdischen Schüler automatisch in die Rolle des Anwalts Israels gedrängt, weil die Mitschüler und oft leider auch die Lehrer nicht begreifen, daß Jude nicht gleich Israeli ist. Wie soll man denn da in Deutschland Wurzeln schlagen wenn man quasi verbal ausgebürgert wird?
    – ebenfalls aus der Schule: Da war dieser jüdische Mitschüler, der mir ernsthaft erklärte, daß man als Jude in Deutschland nicht leben kann und deswegen auswandern muß. Auf die Frage, wieso denn nicht, kommt im wesentlichen nur raus, weil ihm das so eingeredet wurde, und zwar sowohl von der Familie als auch von der Gemeinde.

    Man darf nicht vergessen, daß in einigen deutschen Gemeinden diejenigen Funktionäre, die die Leitlinien der Jugendarbeit vorgeben, vielfach eine große Portion second generation syndrome abgekriegt haben. Man kann nur auf weitere friedliche 60 Jahre hoffen und daß hier Generationen nachwachsen, die diesen Balast nicht mit sich rumtragen müssen. Und eben ganz normale Deutsche sind, wie die Deutschen christilichen/atheistischen/muslimischen/… Glaubens auch.

  31. der israelbezug ist einfach eine realität. natürlich kann man die frage stellen, ob er u.a. auch deshalb so hoch ist, weil die leute eher wenig religiös sind, und darum identitätsstiftendes z.b. aus der beschäftigung mit israel ziehen – was für manche ein grösseres spektrum eröffnet, politisch, kulturell und nicht „nur“ religiös.
    ich persönlich finde den israelbezug wichtig, einfach, weil es den staat gibt, und dort eine der grössten jüdischen gemeinschaften der welt lebt. israel hat auch nicht nur kulturell und politisch einen einfluss auf uns in der diaspora, sondern auch religiös. viele der entscheidungen, die dort von rabbinern bzw. poskim getroffen werden, betreffen uns, und jeder rechts- oder linksruck im religiösen spektrum hinterlässt auch seine spuren im galut.
    und: „kol jisrael arevim se ba’se“ – warum also bei israel eine ausnahme machen?
    ich denke aber, es tut auch gut, nicht nur einmal eine reise nach israel zu unternehmen, sondern auch in starke diaspora-gemeinden wie london, manchester, antwerpen oder in den staaten.

  32. Noa – nicht nur das Judentum setzt Religionszugehörigkeit und Volkszugehörigkeit gleich, bei den Drusen zB ist das genauso. Und es stößt auf dasselbe Unverständnis bei Leuten, die gewöhnt sind, zwischen beiden zu unterscheiden und sich nicht vorstellen können, daß es woanders anders ist…

  33. @ Lila
    So viel ich weiss, gibt es aber bei den Drusen keine Möglichkeit eines Uebertritts zu ihrer Religion/ bzw. zu ihrem Volk.

    Rachel

  34. […] Annas blog habe ich mich an einer Diskussion über die Frage beteiligt, warum jüdische Gemeinden in […]

  35. Hallo Lila,

    danke für den Hinweis mit den Drusen, das war mir auch neu.

  36. Hallo zusammen und Selamunaleykum Meryem,

    schön das hier mal eine weitere Muslima reingestolpert ist. Von dem was Meryem so geschrieben hat möchte ich mich vielem anschließen. Ich bin ganz sicher nicht Judenfeindlich. Aber dem Staat Israel stehe ich sehr kritisch gegenüber – und deswegen ist auch für mich der Dialog hier manchmal echt schwer, weil sich fast alle Juden die hier leben doch sehr stark mit den Handlungen dieses Staates identifizieren. Aufgrund dieser starken Verbindung ist auch im Dialog eine Trennung von religiösem und politischem oft kaum mehr möglich.

    Das hat aber dann wohl wiederum sehr stark mit der doppelten Difinition von „jüdisch sein“ als Religions- und Volkszugehörigkeit zu tun.

    Da stellt sich für mich aber sehr die Frage, warum – oder in wie fern – sich jemand, wie du, der die jüdische Religion angenommen hat , auch dem „jüdischen Volk“ zugehörig fühlt.

    Für mich ist das sehr schwer zu verstehen, weil – auch wenn ich jetzt Muslima bin und einen Türken geheiratet habe, bin ich ja noch lange jeine Türkin geworden. Meine Volkszugehörigkeit kann sich doch nicht ändern. …?

    Wie empfindest du das Anna?

    Liebe Grüße Sümeyye

  37. Der Kommentarbereich ist geschlossen. Zum Zusammenhang „Religion – Volk“ gibt es einen neuen Beitrag.


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