Verfasst von: Anna | 17. Mai 2009

Ein Freund weniger

Ein guter Freund meiner Eltern hat doch tatsächlich heute bei einer Geburtstagsfeier in meinem Elternhaus meinem Vater gegenüber einen krassen antisemitischen Spruch losgelassen. Woraufhin mein Vater den alten Knacker samt seiner verblüfften Gattin kurzerhand und ohne Umschweife  nach Hause geschickt hat. Ruhig und gelassen, ohne dass Y., ich oder die anderen Gäste davon überhaupt etwas mitbekommen haben. Erst am Abend, nachdem alle weggegangen waren, haben meine Eltern ihrem Ärger Luft gemacht. Die beiden haben sich dermaßen aufgeregt, dass Y. und ich sie kaum beruhigen konnten. Es ist aber auch selten frech, einem Mann, der eine jüdische Tochter und einen israelischen Schwiegersohn hat,  in seinem eigenen Haus mit judenfeindlichen Parolen zu kommen – und dann auch noch Zustimmung dafür zu erwarten.  Schade nur, dass der Kerl sich nicht schon früher verplappert hat. Meine Eltern hätten sich doch nie mit einem Antisemiten abgegeben. Immerhin wissen sie jetzt, woran sie sind.

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Responses

  1. hi anna,

    ich denke den typen einfach nach hause zu schicken war die einzig richtige situation. solche leute muss man sich nicht antun.

    uebrigens finde ich deinen neuen header klasse. wirklich toll 🙂

    liebe gruesse und schawua tov,
    der grenzgaenger

  2. @grenzgaener, lange nichts mehr von dir gehört, sei gegrüßt 😉 und dir auch eine gute Woche!

  3. Tolle Reaktion deiner Eltern und sehr dreiste Aktion des „Freundes“!
    Schön, dass er die Feier damit nicht ruinieren konnte!
    lg

  4. ich habe eine solche situation auch schon einmal vor einigen jahren erlebt. da hat ein freund von uns, in unserem heim, bei juden zu gast, auch plötzlich mit antisemitischen phrasen angefangen. den habe ich dann kurz abgebügelt und nie wieder eingeladen. wir waren bis dahin wirklich befreundet.
    später habe ich mir oft überlegt, was besser ist: sich mit den leuten (oft vielleicht ohne befriedigendes erlebnis) auf diskussionen einzulassen oder sie aus dem eigenen leben zu verabschieden…

  5. @Schoschana, ich glaube, lange Diskussionen sind bei manchen Leuten einfach sinnlos. Die hegen und pflegen ihre Vorurteile, egal, was man ihnen an sachlichen Argumenten bringt.

  6. Ist es euch schon mal passiert, daß jemand einen antisemitischen Spruch losläßt, ohne das überhaupt zu realisieren? Klassiker: „Der sieht ja gar nicht wie ein Jude aus“. Auf die Frage, wie Juden denn aussähen wurde der Person dann klar, wie tief und unbewußt Vorurteile sitzen können. Entsprechend erschocken und betroffen war die Person dann. In dem Fall war wirklich keine böse Absicht im Spiel, die Person hatte nur überhaupt nie Kontakt mit Juden gehabt und sich nie Gedanken über Antisemitismus gemacht. Ich nehme an, die Fälle, die ihr beschreibt, lagen da anders…

  7. @Me, ich denke, dass es bei „antisemitischen“ Sprüchen auch auf den Tonfall ankommt. Abfällig oder gedankenlos eben. In unserem Fall war es leider eindeutig abfällig gemeint.

  8. Erschreckend an dem Beispiel ist, dass es um Freunde oder Verwandte geht, denen man es nie zugetraut hätte. Leider merkt man erst in bestimmten Situationen wie Menschen ticken.
    Ich habe das leider auch schon des öfteren erlebt, wenn auch nicht immer so grass wie hier geschildert.
    Mit notorische Antisemiten kann man kaum ins Gespräch kommen, die versuchen aufzuklären usw., da ist leider Hopfen und Malz verloren.

  9. Man sollte sich jede Art von menschenverletzenden Sprüche oder Gedanken aus dem Leib reißen, egal wogegen sie sich richten.

  10. Mazal tov zu solchen wunderbaren Eltern!
    Und liebe Grüsse aus Schweden
    P.S. bin unter meines Liebsten Account drine, nicht wundern


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