Verfasst von: Anna | 27. September 2009

Gmar chatima tova

Eine gute Unterschrift im Buch des Lebens wünsche ich meinen jüdischen Lesern zum Jom Kippur 5770.

Für uns, für meine Familie, ist der Jom Kippur jedes Jahr auch der Tag der Erinnerung an den Jom-Kippur-Krieg von 1973. Es ist die Erinnerung an den Moment, als Y. seinen Vater so unerwartet in den Krieg ziehen lassen musste. Y. war damals noch ein kleines Kind, und der überstürzte Abschied des Vaters an die Front ist eine seiner frühesten Erinnerungen überhaupt. Jedes Jahr an Jom Kippur kommt dieses traumatische Erlebnis wieder in ihm hoch. Und dann regt er sich auf – den ganzen Weg bis zur Synagoge – über die Siedler, die dem Frieden regelrecht im Weg stehen, über die Charedim, die ihr Leben an der Front gar nicht erst aufs Spiel setzen mögen (und über den Staat, der ihnen dieses Privileg gewährt) und über Einwanderer, die in den USA oder Europa in Frieden und Wohlstand aufgewachsen sind, die in keinem Krieg gekämpft und keinen vollen israelischen Militärdienst geleistet haben und sich einem Frieden einfach so aus ideologischen Gründen entgegenstellen.

Tja, so ist das bei uns: Jom Kippur hat auch eine nichtreligiöse Komponente, der Tag ist auch eine Erinnerung an eine vergangene Zeit, in der sich Israel gegen einen hinterhältigen arabischen Angriff zur Wehr setzen musste und an eine Kindheit, in der es dennoch immer einen alltäglichen Umgang zwischen Israelis und Palästinensern gab. 

So, und jetzt genug der Politik, hier ist zur Einstimmung „Avinu Malkenu“

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Responses

  1. „Umgang zwischen Israelis und Palästinensern gab.“ – ich verstehe diese Differenzierung sind. Es gibt doch jede Menge Palästinenser mit israelischem Pass.

    Dir auch gmar chatima tova aus Haifa! (einer gemischten Stadt übrigens mit knapp 10% palästinensischem Bevölkerungsanteil)

  2. „ich verstehe diese Differenzierung nicht“

    Wirklich nicht?

  3. hmm, sorry: sind=nicht

    Sie ergeben keinen Sinn, es sei denn, man setzt Israelis mit Juden gleich, oder? Wobei sich natürlich die Frage stellt, inwiefern jüdische Palästinenser weniger „palästinensisch“ sind als andere Palästinenser.

    So oder so muss man aber andere Begriffe gebrauchen, um eine richtige Differenzierung zu treffen, wie sie dein „Zwischen“ voraussetzt.

  4. Ach, Yoav, im üblichen Sprachgebrauch gibt das sehr wohl Sinn. Terminlogische Spitzfindigkeiten wie „jüdische Palästinenser“ versus „andere Palästinenser“ sind hier nicht das Thema.

  5. Gmar chatima towa we zom kal.

  6. Hallo, dazu hätte ich jetzt eine Frage. Ich verstehe nicht, wieso manche Palästinenser den israelischen Pass haben. Ich kenne einen davon, der hier studiert. Er ist ein sesshaft gewordener Beduine aus der Negefwüste. Da ich immer nur seine Art der Betrachtung erfahre, würde es mich mal sehr interessieren, wie ihr das seht. Ich hab bei ihm das Gefühl, dass er den Staat Israel sehr hasst, aber trotzdem den Pass hat. Das ist doch voll die Doppelmoral. Haben die den keine andere Wahl, wenn die dort leben möchten oder wie ist es? Gruss Y.

  7. @Yasmina, die Palästinenser, die
    1948 nach der Staatsgründung in Israel geblieben ist, haben alle die israelische Staatsbürgerschaft. Sie sind die Gruppe die man normalerweise als „arabische Israelis“ bezeichnet. „Palästinenser“ im aktuellen politischen Sprachgebrauch bezieht sich im Wesentlichen auf die Bewohner des Westjordanlands und des Gazastreifens, also auf diejenigen, die nicht in Israel leben und deshalb auch keinen israel. Pass haben (und mit denen es in früheren Jahrzehnten alltägliche Kontakte gab, weil sie in Israel gearbeitet haben oder weil die Israelis ihre Autos zur Reparatur zB nach Ramallah gebracht haben etc. pp.).

    Daneben gibt es die Beduinen im Negev. Sie sind eine eigene Gruppe und im Unterschied zu den arab. Israelis dienen sie normalerweise auch in der Armee oder sind im Polizeidienst. Ich wüsste nicht, dass die isr. Beduinen dem Staat so negativ gegenüberstehen wie dein Bekannter es dir erzählt hat.

  8. Danke erstmal für die Erklärung.
    Vielleicht kann man diese eine „Beduinische“ Meinung ja auch nicht pauschalisieren. Das kann ja durchaus auch auf persönlichen Erfahrungen beruhen. Er ist der einzige den ich von dort kenne, da er mit meiner Freundin verheiratet ist.

  9. @Yoav, ich habe echt keine Geduld für den von dir gewünschten terminologischen Diskurs.
    Dieser Blog handelt von einem (jüdischen) Alltag, dementsprechend sind die Worte für die breite Leserschaft alltäglich-verständlich gewählt („üblicher Sprachgebrauch in Deutschland“). Wir sind hier nicht in einem studentischen Zirkel an einem historischen Institut. Im übrigen gehen mir Kommentatoren auf die Nerven, die sich immer nur dann zu Wort melden, wenn sie meinen, an meinen Texten etwas „korrigieren“ zu können – wobei sich über diese „Verbesserungen“ dann erst recht trefflich diskutieren ließe.

    @Kritiker/Muslim: Kommentar gelöscht: hier wird nichts Sexuell-Anzügliches gepostet, und schon gar nicht unter verschiedenen Namen

  10. „@Kritiker
    hier wird nichts Sexuell-Anzügliches gepostet, und schon gar nicht unter verschiedenen Namen.“

    Ach das ist wahrscheinlich der, der momanten noch woanders herumtrollt. Absolut widerlich.


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