Verfasst von: Anna | 11. Dezember 2009

Privatleben

Eine Leserin hat mich gefragt, warum ich so wenig aus meinem Familienleben schreibe. Sie wundert sich, ob es in meinem Alltag denn keine Hochzeiten, Geburten, Beschneidungen und Beerdigungen gibt und fragt sich, ob ich eigentlich Kinder habe. Zugegeben, im ersten Moment fand ich die Fragen aufdringlich. Im Grunde aber trifft diese Leserin einen Punkt, mit dem ich mich selbst immer wieder herumschlage: was schreibe ich und was schreibe ich nicht.

Zuerst einmal: Natürlich gibt es in unserem Alltag Hochzeiten, Geburten, Beschneidungen, Bar Mitzwa und Bat Mitzwa, Scheidungen und Todesfälle. Bei uns ist sogar dauernd etwas los, die vielen langen Blogpausen sprechen da für sich. Aber ich kann über diese Ereignisse leider nicht viel schreiben, weil ich damit meine Identität und letztlich auch die meiner Familie und Freunde preisgeben würde.

Der Haken ist, dass die jüdische Gemeinschaft in Deutschland klein ist, so klein wie ein Dorf, in dem jeder jeden kennt und sich alles in Windeseile herumspricht. Ein paar Einzelheiten zu einer Familienfeier, ein harmloser Satz wie „wir waren letzte Woche zu einer Hochzeit in einem Hotel eingeladen“  können schon ausreichen, um mich hier zu outen und mein Familienleben öffentlich zu machen. Das geht natürlich nicht. Ehrlich gesagt, habe ich diesen Aspekt selbst unterschätzt, als ich den Blog gestartet und mit „mittendrin – ein jüdischer Alltag in Deutschland“ betitelt habe. Aber spätestens seit mir eine Bekannte einmal meinen eigenen Blog zum Lesen empfohlen hat, ist mir klar, dass ich mit Details aus meinem Privatleben vorsichtig sein muss, wenn ich uns hier nicht öffentlich zur Schau stellen will. Seitdem bleibt halt vieles ungeschrieben und unbeantwortet, zum Beispiel auch die Frage, ob wir Kinder haben.

Schabbat Schalom und Chanukka Sameach wünscht Euch
Anna

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Responses

  1. liebe anna,

    ich kann deinen beitrag nur unterstuetzen. man muss wirklich nicht alles schreiben was so passiert.

    mein blogg ist vielleicht schon etwas offener. aber ich schreibe auch nicht alles auf was mich bewegt. es gibt dinge die hinter verschlossene tuere gehoeren.

    ich kann deine sorge um die privatsphaere absolut verstehen und unterstuetzen.

    herzliche gruesse,
    der grenzgaenger


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