Verfasst von: Anna | 4. Juli 2010

Sicherheits-Getue

Y. ist letzte Woche allein nach Israel geflogen. Er will eine Woche Ferien in der Heimat machen, Familie,  Freunde und unsere Gräber besuchen – all das eben, was man so macht, wenn man einmal im Jahr auf Heimaturlaub fährt. Der einzige Unterschied zu sonst: ich komme nicht mit.

 Ich habe seit meinem letzten Mal in Israel vorerst die Nase voll von El Al und dem Sicherheits-Getue am Flughafen in Tel Aviv. Nicht, dass damals etwas Besonderes vorgefallen wäre. Nein, gar nicht, ich habe die Sicherheits-Prozedur nur inzwischen viel zu häufig erlebt und kann all die Frage- und Antwort-Spielchen auswendig. Es hängt mir zum Hals heraus, mir, nur weil ich einen nicht eindeutig jüdischen Namen trage, das ganze Repertoire an scheinheiligen „Einstiegsfragen“ anzuhören, die letztlich nur dazu dienen, herauszufinden, ob ich Jüdin bin (direkt darf das natürlich nicht gefragt werden) und zu entscheiden, ob ich die milde Prozedur für „Auslandsjuden“ oder das erweiterte Programm für „nichtjüdische westliche Touristen“ bekomme.

 Ja, ich weiß, die  investigative israelische Art der Sicherheitskontrolle gilt zurzeit als vorbildlich und für Israel als quasi überlebensnotwendig.  Lustigerweise erklären mir gerade deutsche Israel-Touristen immer mal wieder, dass man doch Verständnis für diese „strengen“ Sicherheitsmaßnahmen haben müsse. Die kapieren in ihrer naiven deutschen Weltsicht alle nicht, dass sich hinter der oberflächlichen Freundlichkeit der frisch aus der Armee entlassenen Jugendlichen, die beim Check-In das Empfangskomitee eines gigantischen Sicherheitsapparates bilden, ein knallhartes ethnisches Profiling verbirgt, das jeden Passagier  in einem ersten Schritt erst einmal schön ordentlich in eine bestimmte Kategorie (grob gesagt: Jude, Nichtjude, Araber) einsortiert, um ihn dann im zweiten Schritt der Kategorie entsprechend mit höchstpersönlichen Fragen, peniblen Gepäckinspektionen und – wenn es ganz hart kommt – Striptease im Separee und persönlicher Eskorte bis zum Gate sicherheitstechnisch auseinanderzunehmen.  Ich mag das momentan einfach nicht sehen. Lieber verzichte ich auf Israel und bleibe zu Hause. Ist eh zu warm dort im Juli.

Und nächstes Mal fliegen wir mit Lufthansa. Das ist zwar teurer aber menschenwürdiger.

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Responses

  1. Hallo !
    Ich lese deinen Blog seit einiger Zeit mit, aber diesen Beitrag kann ich überhaupt nicht verstehen. Was ist denn menschenunwürdig daran zielgerichtete Sicherheitskontrollen durchzuführen? Die Gefahr für Israel geht nun mal von einer bestimmten ethnischen Gruppe aus; daher ist es doch vollkommen vernünftig genau diese Gruppe genauer zu überprüfen.
    Ich fühle mich auf dem Weg nach Israel auf alle Fälle in einer El-Al-Maschine sicherer als in einer Lufthansa-Maschine. Schließlich verbringen die israelischen Sicherheitsleute nicht die Zeit damit harmlose ältere Leute zu durchsuchen, während die statistisch gesehen gefährlicheren Leute nicht überprüft werden.

    Viele Grüße,
    Klaus

  2. „harmlose ältere Leute“

    Wenn’s mal so einfach wäre.

  3. Liebe Anna, einfach erstmal nur DANKE! Ich habe zwar einen doch sehr eindeutig jüdischen Namen, kann den Quatsch aber auch nicht mehr hören. Am liebsten habe ich die Frage, wo ich denn zur „Hebrew School“ gegangen sei. Himmel, ich bin doch 1. nicht in den Staaten aufgewachsen und 2. kennen die sich hier doch eh nicht aus. Du hast ganz recht, man muss dahinter schauen. Und wenn man mit nichtjüdischen oder eben jüdischen Freunden reist, bekommt man schnell mit, dass der eine oder andere eben länger auf die Freunde warten muss. Warum nur? Als ob man als Jude nicht auch potentiell gefährlich sein könne…scheinheilig. Wenn, dann alle gleich. Bei Flügen in die andere Richtung aber, durfte ich als nicht US Citizen immer den berühmten Striptease machen…naja, wenigstens wurde man da nicht so ausgequetscht.

    Übrigens, mit Swissair war es auch immer recht entspannt…fliegen die noch?

  4. Am liebsten habe ich die Frage, wo ich denn zur „Hebrew School“ gegangen sei.

    Ja, das werde ich auch immer gefragt.

    „Als ob man als Jude nicht auch potentiell gefährlich sein könne…scheinheilig“

    Das isses doch. Vor allem wenn man den Fragenkatalog schon selbst runterbeten kann.

    Ob Swiss Air noch fliegt, ich weiß es nicht. Ist aber auch eine Option, halt mit Zwischenlandung.

  5. Die Swissair gibt´s nicht mehr (leider), aber die Swiss. Ist aber nicht dieselbe Gesellschaft.

    Lieben Gruß
    Ini

  6. Ich hätt ne Frage: Kommt es auf die Fluggesellschaft an, wie die Untersuchung danach läuft? Wenn ja, weshalb? Hatte die Swissair „bessere Beziehungen“? Oder lag das an den schweizerischen Zolluntersuchungen davor, die eine gewisse Sicherheit brachte für die israelischen Behörden? Frage aus reiner Neugier. Kenn mich nicht aus.

    Ah, noch ne Frage: Was ist mit Haarnadeln aus Metall, muss man die rausnehmen wie die Uhr ablegen wegen dem Detektor? – Tja, ich reiste bisher nur in Europa und auch da nur in Nachbarländer. gg

    LG Ini

  7. „Kommt es auf die Fluggesellschaft an, wie die Untersuchung danach läuft?“ Ja, dieses Frage-Brimborium gibt so nur bei El Al.

  8. Steht sogar bei Wikipedia, dass El Al strengere Sicherheitskriterien hat wegen der erhöhten Gefahr von Terroranschlägen, die ja offenbar real bestanden und weiterhin drohen. Auf der anderen Seite wurde die Fluggesellschaft offenbar deswegen angeklagt in Israel im Jahr 2008. Nur steht da nicht, mit welchem Ergebnis. Ich persönlich würde einfach die Fluglinie wechseln.

    Lieben Gruß
    Ini

  9. Mit der El Al bin ich noch nie geflogen, daher kann ich dazu nichts sagen. Ich musste in Israel nur immer wieder lachen, weil mich einmal drei Männer nacheinander gefragt haben, ob ich eine Waffe dabei hätte. Der Grund ist bekannt, aber man kommt sich reichlich bescheuert vor.

  10. „Was ist mit Haarnadeln aus Metall, muss man die rausnehmen wie die Uhr ablegen wegen dem Detektor?“

    Also bei Haarnadeln (und Stäben) habe ich teils schlechte Erfahrungen gemacht. Lass sie lieber weg. Allerdings geht es da weniger um den Detektor, als das es potentielle Stichwaffen sind. Abgesehen davon, sind die dafür notwenigen Frisuren eh nicht so langstreckengeeignet. 😉 Ich bin aber der Meinung, dass es immer Ermessenssache ist.

  11. ich kann mich nicht beklagen , als wir nun unten waren zu Jacobs Bar Mitzvah so ging die Kontrolle superschnell ( 5 min Befragung war alles und wir wurden aus der Schlange vorgerufen) vorbei.Und ich denke all das ist zu unsrer eignen Sicherheit. Liebe Sommergrüsse aus Schweden

  12. Mit Haarnadeln meine ich nicht die langen Stäbe, sondern die kurzen modernen, stumpfen. Zur Not gäbe es natürlich auch so Kinderhaarklammern, aber die sind auch aus Metall. Ist wegen der Perücke … Da müssten doch viele verheiratete orthodoxe Jüdinnen Probleme kriegen wegen dem Metalldetektor …

    Liebe Grüße
    Ini

  13. „Da müssten doch viele verheiratete orthodoxe Jüdinnen Probleme kriegen wegen dem Metalldetektor“

    Braucht man denn für eine Perücke Haarnadeln?

  14. Irgendetwas zum Fixieren schon, sonst würde ich mich nicht wohlfühlen. Könnte verrutschen …

    Lieben Gruß
    Ini

  15. Nur wegen der läppischen Sicherheitskontrolle am Flughafen auf Israel-Urlaub verzichten? Ist das nicht ein wenig albern? Einstellungssache, aber ich finde das ganze Getue von meiner Seite her inzw. meist recht amüsant – kenne die Fragen auch mittlerweile auswendig. *schulter.zuck* Dafür haben andere Länder andere Nachteile. Aber von 15-45 min lasse ich mir doch nicht mehrere Tage/Wochen verderben …. Und bei uns ist es so, daß ich immer fix durch bin, aber mein Mann dann eben ewig braucht. Ich habe oft schon ein Getränk organisiert, wenn er dann endlich fertig ist. 🙂
    p.s. Ich piepe immer – bei jedem Metalldetektor in aller Welt: Schuhe und BH ……. 😉

  16. @Jüdisch-Anonym, wenns albern wäre, wäre ich mitgeflogen. A propos finde ich deinen Nick hier schon sehr seltsam. Ist dir kein Name eingefallen? 😉

  17. Besser so? Ist ein Name wichtig? Ich glaube, wir leben in der gleichen Stadt und sind uns sicher schon über den Weg gelaufen. Aber Dein Blog willst Du ja genauso anonym halten wie ich eben meinen Namen derzeitig. *schulter.zuck*

  18. „Ich glaube, wir leben in der gleichen Stadt“

    Netter Versuch.

    „Aber Dein Blog willst Du ja genauso anonym halten …. “

    Dirzuliebe breite ich hier nicht mein Privatleben mit Namen und Adresse aus.

    „… wie ich eben meinen Namen derzeitig.“

    Wenn du dir noch nicht einmal einen Nick zulegen kannst, wirst du hier nicht schreiben.* auchschulterzuck*

  19. „Braucht man denn für eine Perücke Haarnadeln?“

    @ Anna
    Nein, gar nicht. Man zieht den Scheitel (Perücke)an wie eine Kappe.
    Kein Problem , das hält. Ausser man ist grad in Arad und es windet wir verrückt!
    Dann ist es angezeigt, mit beiden Händen festzuhalten..

    Noch etwas zu nicht eindeutig jüdischen Familiennamen und evtl. Problemen damit.
    Es gibt doch sehr viele Menschen mit einem goyischen Familiennamen, wenn nur die Mutter jüdisch war.
    Ich denke nicht, dass die Kontrolle bei der Security allein davon abhängt, wie man behandelt wird.
    Vielmehr ist es das Auftreten der jeweiligen Person., welche möglicherweise Signale der Unsicherheit/ Unbehagen aussendet. Das psychologisch geschulte Personal hakt ( nicht hackt!)dort nach.
    Ich kann aber gut verstehen, dass man nicht immer gleich gut drauf ist und nicht immer Verständnis dafür hat.
    Trotzdem wünsche ich dir wieder mal einen entspannten Urlaub in Israel. 🙂

    Rachel


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