Verfasst von: Anna | 13. Juli 2010

Chelsea Clinton – jüdische Hochzeit?

Die internationale yellow press fiebert einem amerikanisch-royalen Großereignis entgegen: der Hochzeit von Chelsea Clinton mit Marc Mezvinsky, einem jüdischen Investment-Banker, am 31. Juli 2010. Wobei aber noch unbekannt ist, wie die beiden eigentlich heiraten werden. Jüdisch? Oder christlich? Oder etwa „jüdisch-christlich“ (ja, das gibts in USA, ich war mal dabei).

Die „Bunte“ hat in dem Zusammenhang doch tatsächlich eine Umfrage gestartet, wo man abstimmen kann, ob die Clinton-Tochter nun zum jüdischen Glauben übertreten oder doch lieber ihre „eigene Konfession“ behalten solle.

Warum fragen die im Zeitalter der Emanzipation nicht mal, ob der junge Mann vielleicht Christ werden soll? Ja, ich weiß, die Frage ist rein rhetorisch. In der Praxis wird so ein Paar wohl eher zivil heiraten, als dass der Mann zum Christentum übertritt. Nur hat das andere Gründe, als die, die in der Bunte-Frage mitschwingen. Da wird einem nämlich suggeriert, dass das Judentum so eine Macho-Religion ist, in der ein Religionswechsel von der Frau halt einfach erwartet wird. Wo haben sie das denn her?

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Responses

  1. Die wissen eben nicht, dass sich das Judentum über die Mutter weiterträgt. Darin liegt ja oft warum man das wünscht. Da passt eben besser die angebliche Machoreligion hinein. Aber anstatt nachzufragen, muss eben das beliebte Klischee herhalten.

  2. Kommt vielleicht daher, dass das Judentum über die Mutter geht und man deshalb annimmt, dass der jüdische Vater sein jüdisches Erbe ev. offiziell weitergeben will an die Kinder. Wäre für mich auch logisch. Aber das spielt wohl eher in orthodoxen Kreisen eine Rolle, nehme ich an. Kenn mich da zu wenig aus, aber so wurde es mir übermittelt von Juden bzw. ich hab diesen Schluss (ev. fälschlicherweise?) daraus gezogen. Mit Macho-Religion hat das sicher nichts zu tun. Ich kann mir auch vorstellen, dass christliche Frauen mit einer Konvertierung kein Problem haben, solange sie nicht streng orthodox leben müssen, sofern nicht eine rein religiöse Entscheidung dahintersteckt. Kommt eben darauf an, ob sich Christentum und Judentum für sie verbinden lässt. Unmöglich fände ich es nicht bei genug Toleranz und Liberalität.

  3. @Ini,

    wenn man auch nicht religiösen Gründen Jude wird, ist diese als wäre sie nicht vollzogen. Sie gilt dann schlicht nicht.

  4. @Yael1: Damit meinte ich eher liberales Judentum, weniger streng orthodox. Also schon religiös. Gibt ja auch liberale Christen, die keine Probleme haben, ihren Glauben mit dem Judentum oder anderen Religionen mit gleichen ethischen Prinzipien und religiösen Vorstellungen zu verknüpfen.

  5. Ich bin mir nicht sicher, ob das im liberalen Judentum nicht so anders gesehen wird.
    Aber auch in der Orthodoxie ist man Giurim wegen einer Heirat nicht mehr so abgetan, wenn es sich nicht wirklich nur um eine reine Formsache handelt.

  6. Nun, ich sehe das pragmatisch. Es ist doch die Realtitaet, dass eine betraechtliche Anzahl von Giurim durch Hochzeit zustande kommt. Was dabei in den Koepfen der Leute vorgeht, weiss man nicht. Ich kenne so viele nichtobservante Juden dass ich da von Gerim auch nicht viel mehr erwarte.

  7. Ich kenne einige orthodoxe Rabbiner, die dann sagen, wenn schon der Ger nicht sehr religiös lebt, dann vielleicht die Kinder. Deswegen sind sie in ihren Entscheidungen einen Giur aus Heiratsgründen zu akzeptieren, nicht mehr ganz so streng.

  8. Also, es heisst, dass es weniger darauf ankommt, wie man in den Giur-Prozess hineingeht, als darauf, was dann im Laufe des Prozesses daraus wird, bzw. welche Beweggruende sich „ergeben“ im laufe der Zeit. Denn es kann viel passieren, im Laufe der Zeit. Manchmal lebt eine Frau, die fast nur ihres Mannes wegen konvertiert war, wenn sie sich spaeter scheiden lassen, religioeser weiter (auch allein), als es der Mann tat.
    Man weiss also nie, was daraus wird.
    NOa


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