Verfasst von: Anna | 25. Juli 2010

Das gibt es in Israel: eine gewaltfreie Vergewaltigung

In Israel ist ein Mann wegen Vergewaltigung zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden, obwohl der Geschlechtsverkehr mit der betroffenen Frau einvernehmlich stattgefunden hat.

Der Palästinenser hatte der Frau wohl vorgegaukelt, er sei Jude und Junggeselle. Als diese dann aber erfuhr, dass er in Wirklichkeit Araber und verheiratet war, zeigte sie ihn an. Verurteilt wurde er daraufhin wegen „Vergewaltigung durch Täuschung“. So einen Paragraphen gibt es anscheinend tatsächlich in Israel.

Das Land wird mir immer unheimlicher. Wann hat bloß diese unheilvolle Verquickung von Religion und Staat endlich ein Ende?

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Responses

  1. Nun, nicht gleich das ganze Land verteufeln. Es gibt auch durchaus positive Seiten hier. …:-)
    Noa

  2. Ich kann nur eines sagen: mir wird schlecht!

    Ich war heute schon geschockt, dass Anat Hoffman jetzt angezeigt wird wegen Entweihung eines heiligen Ortes, weil sie eine Sefer Tora and der Kotel getragen hat. Mir ist fast die Kinnlade runtergeklappt….Verquickung ist das richtige Wort. Aber es muss noch ein anderes als unheimlich geben…..

  3. Finde ich jetzt auch etwas seltsam, wobei ich von arabischen Ländern allerdings noch krassere Folgen höre. Ehrenmord etc.

    LG Ini

  4. @Anna

    Das Gesetz basiert auf britischem Recht. In einigen Ländern gibt es dieses Gesetz, unter anderem in den USA. Es ist also nicht Israeltypisch und hat mit Religion nichts zu tun.

  5. In Deutschland sitzt einer deswegen, weil er Schweizer ist. Die Frau hat sich die zur Erhärtung der Vergewaltigung vorgewiesenen Verletzungen offensichtlich selber beigebracht – das ist egal: der sitzt, der sitzt, der sitzt. Dessen Karriere ist auf jeden Fall im Eimer, auch wenn er wieder frei kommt.

    Ob das nun religiös begründet wird oder sonst irgendwie: wurscht. Für einen Mann, der einen vermeintlich einvernehmlichen Geschlechtsverkehr im Nachhinein bei Nichtgefallen mit Freiheitsentzug von einigen Tagen bis einigen Jahren büßen muss, ist das völlig egal.

    Die spinnen doch …

  6. Der Fall Kachelmann hat aber nichts mit dem Thema zu tun.

  7. „Das Gesetz basiert auf britischem Recht“

    @Yael, was du alles weißt 😉

    Nichtsdestotrotz hat die Religion hier aber eine entscheidende Rolle gespielt. Man hätte den Mann ja nicht wegen der „Lüge“ bezüglich der Religion verurteilen müssen. Aber man hat dies eben als so schwerwiegend bewertet, dass man es als Täuschung im Sinne dieses Gesetzes angesehen hat.

    Den Hinweis auf Kachelmann finde ich schon interessant, auch wenn es ein ganz anderer Fall ist. Manchmal haben Männer da einfach einen schweren Stand. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Fall in Israel umgekehrt möglich gewesen wäre. Vergewaltigung durch Täuschung von einer Frau ausgeführt? Aber vielleicht gibts ja auch das. Mich wundert ja bald gar nichts mehr.

  8. Ich habe das zufällig gelesen.

    Ich sage nicht, dass Männer keinen schweren Stand haben. Dass Frauen, die einen nachweislich falschen Vorwurf der Vergewaltigung machen, ist sehr schlimm und ich finde es gerade für wirklich vergewaltigte Frauen furchtbar (die immer noch ziemlich schrecklich durch die Polizei behandelt werden), aber wenn es bei Männern möglich wäre, wäre es sicher nicht anders. Oder?

    Ich halte Kachelmann, bei dem was man bisher vernehmen konnte, für nicht schuldig, aber wer weiß das schon wirklich? Ich hoffe, das Gericht kann es entscheiden.

    Aber was ist z.B. mit Polanski, wo der Fall einer Vergewaltigung bewiesen ist? Er kommt ziemllich gut weg, wie ich finde.

    Mich würde auch interessieren, ob es im Falle eines Mannes auch möglich wäre? Kennst du jemanden in Israel den du fragen könntest?
    Denn in diesem Fall war ja keine Gewalt vorhanden, daher müsste es umgekehrt auch so sein. Ich werde mal schauen, ob ich heraus finde, wie es in den USA ist.

  9. Das mit Kachelmann ist noch nicht geklärt. Ich persönlich fand ihn immer sexistisch in seiner Art und traue es ihm durchaus zu. Wenn er es nicht war, wird er auch nicht verurteilt werden. Wenn er es war, unter Umständen auch nicht. Die Beweispflicht liegt bei der Frau, was oftmals nicht einwandfrei möglich ist, durch die Umstände erschwert.

    Aber ich finde es auch übertrieben, wenn eine arglistige Täuschung mit Vergewaltigung gleichgesetzt wird, damit tut man den echten Vergewaltigungsopfern Unrecht. Wenn, dann müsste es eben als arglistige Täuschung behandelt werden. Obwohl: Sie hätte nicht mit dem Mann schlafen müssen, sollte sie auch eigentlich nicht aus religiösen Gründen, nicht? Weshalb sich also auf religiöse Motive berufen, wenn der Akt an sich nicht von der Religion her abgesegnet wurde.?

    LG Ini

  10. Ich habe da noch etwas gefunden:

    „Zitiert wird unter anderem ein Fall, in dem ein Israeli zu zwei Jahren Haft verurteilt worden war, weil er sich als Neurochirurg ausgegeben und damit eine Frau ins Bett gelockt hatte. In einem anderen Fall wurde 2008 ein Mann zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt, weil er sich den Sex mit allerlei Versprechen erschlichen hatte. Er spielte sich damals als «eine ganz große Nummer im Bauministerium» auf.“

    Daher hat dieser Straftatbestand wohl nichts mit der Religion zu tun.

    Oder noch woanders:

    „Wie in dem Fall der Frau, die durch einen Trick zum Sex verführt wurde – mithilfe der Penis-Salben-Behandlung. Der aus Syrien stammende Pilot einer Fluglinie schaffte es, einer Engländerin einzureden, dass der Geschlechtsverkehr mit ihm eine Entzündung (die sie sich mit ihm eingefangen hatte) kurieren könnte
    Auch dieses Verfahren lief unter der Rubrik „Vergewaltigung durch arglistige Täuschung.“ .“

  11. „Weshalb sich also auf religiöse Motive berufen, wenn der Akt an sich nicht von der Religion her abgesegnet wurde?“

    @Ini, das habe ich mich auch gefragt.

    Aber mal egal, ob es solche Gesetze auch noch in USA oder sonstwo gibt, ich denke auch, für echte Vergewaltigungsopfer muss das irgendwie wie ein Hohn klingen.

    @Yael, bis jetzt hab ich zum umgekehrten Fall (Frau belügt Mann) nichts gefunden. Ich werd mich mal umhören.

  12. Also wenn diese arglistige Täuschung bei einem geistig nicht voll ausgewachsenen Menschen geschähe, könnte man von einer Vergewaltigung sprechen, aber diese Frauen waren offenbar alle erwachsen und entscheidungsfähig. Wenn sie sich täuschen lassen durch Geld, Ruhm oder einer fragwürdigen medizinischen Methode ist das eher auf ihre eigene Dummheit zurückzuführen. Arglistige Täuschung unter Umständen ja, aber Vergewaltigung nein, solange das getäuschte Opfer sich darauf einließ. Ich meine, das Opfer war einverstanden mit dem Sex, aus welchen Gründen auch immer. Es wurde nicht erpresst oder genötigt. Es war einfach nur naiv und informierte sich zu wenig. Wenn das überall ein durchsetzbares Gesetz wäre, gäbe es unzählige Gerichtsfälle in höchst absurdem Ausmaße. Da könnte im Prinzip jeder behaupten, getäuscht worden zu sein, weil jemand nicht immer die Wahrheit erzählte.

    LG Ini

  13. @Ini, so sehe ich das auch. Außerdem: mit Lügen, Unwahrheiten und „geschönten Wahrheiten“ muss man immer rechnen, überall im Leben. Warum also sollte man also ausgerechnet bei einer Affäre 100% Ehrlichkeit erwarten dürfen? *kopfschüttel*

  14. „@Yael, bis jetzt hab ich zum umgekehrten Fall (Frau belügt Mann) nichts gefunden. Ich werd mich mal umhören.“

    Ja, gern. Über die USA habe ich leider bisher nichts finden können.

  15. Hallo zusammen,

    also ich sehe das genauso wie Ini. Frauen, die freiwillig mit Männern ins Bett gehen, die sie kaum kennen, sind (zu großen Teilen) selber schuld, wenn ihnen so etwas passiert. Klar ist das Lügen der Männer schlimm und verwerflich – aber die Frauen, die das mit sich machen lassen schalten schon auch aus „niederen Beweggründen“ (z.B. weil sie glaubt, dass der Mann reich ist) ihren Kopf aus – finde ich jedenfalls. Wenn man in so einer Situation alle Vorsicht und Bedenken bei Seite lässt, weil man grade seinen Spaß haben will, dann muss man eben später auch die Konsequenzen dieser Unvorsicht tragen.
    Klar ist das ein „Betrug“ oder auch eine „Täuschung“ durch den Mann – aber sicher keine Vergewaltigung. Denn im Wort Vergewaltigung steckt ja schon drinnen, dass da Gewalt im Spiel ist.

    Gruß Sümeyye

  16. Schau mal bitte hier nach, bei Lila, sie hat eine voellig andere „Wahrheit“ aufgetan.
    http://rungholt.wordpress.com/2010/09/07/und-noch-eine-quak-meldung/

    relativ weit unten rollt Lila den fall noch einmal auf und praesentiert eine andere Version
    Weshalb wir doch sehr vorsichtig sein sollten, mit unseren schnellen empoerten Rufen, dass das doch KEINE Vergewaltigung war. Wer von uns war schon dabei?
    Noa

  17. @Noa, dir auch ein gutes neues Jahr. So viel Zeit sollte sein, so kurz vor Erew Rosch Haschana, oder?

    Im übrigen bin ich immer „vorsichtig“ mit meinen Äußerungen. Das ist eines der Grundprinzipien meines Blogs.

  18. Liebe Anna,

    Schana Tova Umetuka. Genieße London.

    LG

    Yael


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