Verfasst von: Anna | 27. Juni 2012

Verbot der Beschneidung: sinnloses Urteil des Landgerichts Köln

Zugegeben, man kann die Beschneidung eines nicht einwilligungsfähigen acht Tage alten Jungen als Körperverletzung bewerten. Zugegeben auch, dass ich mir über diese Frage schon ähnliche Gedanken gemacht habe. Die Beschneidung der Vorhaut ist schließlich tatsächlich ein irreversibler Eingriff, der einem Menschen sein Leben lang anhaftet – egal ob er das als Erwachsener will oder nicht.

Durch ein Gericht wirkungsvoll verbieten kann man die Beschneidung aber nicht. Für Juden ist ein solches Verbot ein Angriff auf ihre Religion schlechthin, die Beschneidung ist immerhin eines der wichtigsten Gebote überhaupt. Beschneidungsverbote hat es in der jüdischen Geschichte des öfteren gegeben, und Juden haben schlimmere Strafandrohungen als die Sanktionen eines bundesdeutschen Gerichts auf sich genommen, um ihre Söhne dennoch beschneiden zu lassen.

Das Urteil des Landgerichts Köln ist daher strafrechtlich gesehen sinnlos. Es wird seinen Weg durch die Instanzen gehen und letztlich wieder aufgehoben werden. Kein deutsches Gericht wird sich wagen, jüdischen Eltern zu sagen, dass sie ihren Sohn in Deutschland nicht beschneiden lassen dürfen oder sie gar dafür verurteilen.
Spannend bleibt die Frage, ob und wie die deutsche Politik sich dazu stellt. Man kann nicht auf der einen Seite ständig die jüdisch-christliche Tradition beschwören, jüdisches Leben in Deutschland wünschen und fördern und auf der anderen Seite ein Gerichtsurteil gutheißen, das jüdisches Leben in Deutschland unmöglich macht.
Feines Dilemma, das sich da auftut.

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Responses

  1. Das ist kurz und knackig sehr treffend auf den Punkt gebracht.

  2. Also ich habe eben von solch einem Beschneidungsverbot gehört und mich als Moslem gewundert. Ich glaube, man sollte einem nicht mal einen Monat alten Kind direkt ein „Skalpell“ zumuten. Aber nach ein paar Jahren sollte eine Beschneidung möglich sein. Vielleicht ist das Gerichtsurteil ein Anstoß an die Legislative, einheitliche Regelungen zu schaffen. Sinnvoll wäre es m.E. einzuhaltende Regelungen zu etablieren (z.B. Beschneidungen nur durch Ärzte, zwischen bestimmten Altersjahren). Bei uns -in Deutschland- werden die Jungs bspw. bei Ärzten beschnitten. Man hat dadurch die Gewähr, dass ein Mindestmaß an Hygiene und Kontrolle vorliegt. Wie das nun bei Juden ist, kann ich nicht wissen. Gerne würde ich aber mehr erfahren.

  3. Danke Anna, sehr schön. Und ich freue mich sehr, dass du wieder etwas geschrieben hast.

  4. Juristisch gesehen ist es nun mal Körperverletzung, von daher ist das Urteil ein absolut klares. Die Religionsfreiheit wird zwar vom Grundgesetz auch gewährleistet, aber sie hört selbstverständlich dort auf, wo das Recht des einzelnen beginnt. Andernfalls könnte ja jede Religion darauf pochen, ja sogar katholische Priester könnten den Missbrauch von Kindern per se als Religionsritual definieren… das Beispiel ist zugegeben etwas grotesk, aber man sollte so etwas ebenfalls in Betracht ziehen, wenn man laut nach Religionsfreiheit schreit…

  5. „wenn man laut nach Religionsfreiheit schreit“

    Hier hat niemand geschrien. Am besten erst mal genau lesen, bevor man sinnlose Kommentare abgibt.

  6. @Ka ma

    Sie stellen ohne Wissen einfach mal fest, dass es Körperverletzung ist, da Sie sich nur auf ein einziges Urteil beziehen. Kennen Sie nicht einmal andere Ansichten? Wahrscheinlich nicht.
    Aber Ihnen kann geholfen werden.

    „Nach dem StGB-Standardkommentar des Bundesrichters Thomas Fischer ist es hingegen herrschende Meinung, dass die religiöse Zirkumzision nicht den Straftatbestand der Körperverletzung erfülle. “

    Schreien tun übrigens nur Sie.

  7. Brit Mila mit Missbrauch von Kindern in einem Satz….. das hatten wir ja noch gar nicht…
    Alle Achtung fuer die weiterfuehrende Phantasie..
    Noa


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