Verfasst von: Anna | 7. September 2010

Shana tova, ein gutes neues Jahr 5751

OK, ich gebs zu, mir ist wohl gestern der Geduldsfaden gerissen. Es ist aber auch unglaublich, was hier so an Kommentaren reinkommt. Inklusive handfester Drohungen, mir bis ins Privatleben nachzustellen, ist alles, einfach alles, schon einmal dabei gewesen. Umso mehr sage ich allen Lesern und Mitbloggern Danke, die mir seit gestern über die Kontaktfunktion geschrieben haben. Euer Zuspruch hat mich sehr gerührt.

Für uns heißt es heute Abend: ab nach London. Wir fliegen kurzfristig über die Feiertage zu Freunden.  Wir brauchen beide dringend Abstand vom Alltag, von der Arbeit, von allem hier. Da ist mir jetzt auch meine teure Synagogenkarte egal. 

Meinen jüdischen Lesern, den aktiven wie den stillen, wünsche ich Schana towa, ein gutes und gesundes Neues Jahr 5771.

שנה טובה ומבורכת

Verfasst von: Anna | 6. September 2010

Kommentarfunktion geschlossen

Die Kommentarfunktion ist bis auf weiteres geschlossen. Ich habe einfach momentan keine Lust mehr über die ewig gleichen Themen zu diskutieren. Vielleicht liegt es am Alter, vielleicht am Stress, vielleicht daran, dass alles schon x-fach durchgekaut worden ist. Böse gemeint ist es jedenfalls nicht, und vom Aufgeben des Blogs kann auch keine Rede sein.

Bei der Gelegenheit noch ein Hinweis an Leser, die neu hierher kommen und sich in der jüdischen Blogwelt noch nicht so auskennen: Es gibt inzwischen zahlreiche jüdische Blogs in deutscher Sprache im Internet.  Einige sind von Leuten mit extremen Ansichten, von Leuten, die in den einschlägigen Foren ihren Platz nicht gefunden haben und jetzt einen Blog nutzen, um ihre Propaganda in der Öffentlichkeit zu verbreiten. Es ist sogar ein Christ mit einem jüdisch wirkenden Blog unterwegs, bei dem nur Eingeweihte wissen, dass der Betreiber kein Jude ist. Solches Gebaren führt leider zu einem falschen Eindruck über jüdisches Leben und auch über die Vielfalt jüdischen Denkens. Auf meiner Blogroll rechts unten findet ihr aber einige ehrliche und verantwortungsvoll gemachte Blogs, die ich uneingeschränkt empfehlen kann.

Viel Spaß beim Lesen – und bis nach den Feiertagen. Schana Towa!

Verfasst von: Anna | 29. August 2010

Das jüdische Gen

Zugegeben, ich habe es wohl eher nicht, das „jüdische Gen“. Trotzdem weiß man doch heute, dass Juden wie andere Völker gemeinsame genetische Merkmale haben. Das ist keine rassistische Nazi-Ideologie, sondern eine humangenetische Binsenweisheit. Die jüdisch-orthodoxe Website aish.com schreibt hierzu geradezu begeistert:

„There is now new and exciting DNA evidence for common Jewish origin — not just among Cohanim, the Priestly Class, but among Jews scattered all over the globe.“

Und nichts anderes hat Thilo Sarrazin heute in Welt Online gesagt:

„Alle Juden teilen ein bestimmtes Gen, Basken haben bestimmte Gene, die sie von anderen unterscheiden.“

Das ist doch das gleiche, oder etwa nicht? Ich begreife diese reflexartige „Empörung“ nicht, mit der sich die gesamte Politikerriege und die Berufsbetroffenen über diesen harmlosen Satz ereifern. Entweder sind die alle total ignorant und reagieren auf Knopfdruck, wenn das Wort Jude überhaupt nur fällt, oder sie nehmen diesen banalen Satz  als Steilvorlage, um mit der üblichen Nazi-Keule ein Menschen mundtot zu machen, der – wenn auch manchmal etwas laut und markig – auf Probleme bei der Integration eines Teiles unserer „Migranten“-Bevölkerung hinweist, vor denen unsere Multi-Kulti-Ideologen am liebsten die Augen zumachen.  Ich kann die ganze Aufregung nicht verstehen.

Verfasst von: Anna | 23. August 2010

Eine Synagogenkarte zu den Hohen Feiertagen

Zum ersten Mal überhaupt habe ich mir in diesem Jahr eine Platzkarte für die Synagoge gekauft. Heute hat sie im Briefkasten gelegen, nachdem ich dafür einen stattlichen Obolus auf das Gemeindekonto überwiesen hatte. Damit habe ich es jetzt gemeindeamtlich, dass ich und nur ich berechtigt bin, in der Reihe Y auf Platz X zu sitzen. Jede, die sich dorthin verirrt, wird das Feld räumen müssen, sobald ich ihr mit meiner Platzkarte vor der Nase herum wedele. Das wird ein wahrscheinlich ganz neues Feeling sein. Bislang bin ja ich immer weggescheucht worden. Meist von irgendwelchen aufgetakelten Damen, die man sonst das ganze Jahr über nicht in der Synagoge sieht und die mangels Ahnung und Interesse an der Liturgie dann stundenlang lautstark die neuesten Kochrezepte und den aktuellen Gemeindeklatsch austauschen. Das ist auch, neben der Geldfrage, der zweite große Nachteil an dem Platzkarten-System: Wenn einem die Nachbarn nicht gefallen, kann man sich zwar einen anderen Platz suchen, aber dann hat man die „Investition“ eben in den Sand gesetzt.

Ich finde es sowieso schräg, für Sitzplätze in der Synagoge noch einmal extra abzukassieren. Immerhin zahle ich jeden Monat schon eine beträchtliche Summe an „Kirchen“-Steuer. Nächstes Jahr wird es deshalb auch wieder ohne Platzkarte gehen müssen. Dieses Jahr bin ich halt wegen Knieproblemen auf einen festen Patz angewiesen und muss auf das übliche Sitzplatz-Hopping verzichten. Hoffentlich kommt da bei mir vor lauter Platzkarte keine Theaterstimmung auf.

Verfasst von: Anna | 13. August 2010

Big Rabbi is Watching

In Jerusalem hat eine selbsternannte Sittenpolizei Fotografen beauftragt, die Besucher von bestimmten Konzertveranstaltungen zu filmen, bei denen Frauen und Männer anwesend sind und die deshalb als unanständig gelten. Die ultraorthodoxen Kontrolleure, die sich hinter dem ehrenwerten Namen „Committee for Preserving Sanctity and Education“ verbergen, wollen damit in flagranti Schüler von Jeschiwot (Talmud-Schulen) erwischen, die an solchen Veranstaltungen anscheinend nicht teilnehmen dürfen. Die Fotos werden an die jeweiligen Schulleiter weitergeleitet, wo die Missetäter dann, nehme ich mal an, ordentlich sanktioniert werden. Und da die Sünde bekanntlich überall lauert, durchforsten die Fotografen mit ihren Motorrädern auch gleich noch die Straßen der Stadt und fotografieren die Gäste in Bars, Restaurants und Cafés. Krass, echt. Da lehnt man jede Modernität ab, meidet Fernsehen und Internet und überhaupt alles Weltliche, kleidet sich wie im Mittelalter – und heuert dann Fotografen an, säkulare noch dazu, um die auf Abwegen wandelnden Schäflein mit modernsten Methoden zu überwachen. Alle Achtung. Der Iran lässt grüßen.

Verfasst von: Anna | 11. August 2010

Und wann sucht Deutschland den Super-Imam?

Noch nie bin ich auf die Idee gekommen, dass mir ein Fernsehsender die wöchentlichen Schabbat-Zeiten anzeigen könnte. Noch dazu so ein Prollsender wie RTL II. Wozu sollte das auch gut sein, wenn bei Frauentausch oder Big Brother die Uhrzeit für das Kerzenzünden am Freitagabend über den Bildschirm läuft? Ich beziehe diese Informationen doch nicht aus dem Fernsehen, und das nichtjüdische Publikum interessiert sich für meine religiösen Termine erst recht nicht. Wahrscheinlich interessieren sich Leute, die sich freiwillig RTL II antun, noch nicht einmal für ihre eigene Religion (wenn sie überhaupt noch eine haben). Religion und RTL II, das passt einfach nicht zusammen. Warum also blendet der Sender dieses Jahr während des Ramadans den täglichen Beginn und das Ende des Fastens ein?

Die erste offizielle Erklärung: der Sender will ein „klares Signal der Integration“ setzen. Ach so. Nur bedeutet Integration eigentlich, dass sich die Minderheit bemüht, ihren Platz in der Mehrheitsgesellschaft zu finden. Hier ist es aber umgekehrt: es werden Informationen über eine Minderheiten-Religion in ein Programm integriert, das überwiegend von der Mehrheit gesehen wird. Das passt also nicht. Die zweite offizielle Erklärung: der Sender will die nichtmoslemischen Zuschauer für den Islam sensibilisieren, da dieser im deutschen TV-Programm sonst faktisch nicht präsent sei. Auch komisch. Ein Fun-Sender, der sich um die Akzeptanz des Islam in Deutschland sorgt? Rührend, aber passt auch nicht. Und überhaupt: Welcher Zuschauer lässt sich denn schon gerne zwangssensibilieren?   

A propos Sensibilisierung: in den Medien ist die Belehrung der Bevölkerung über den Islam seit Jahren voll im Gange. Jedes Provinzblättchen meint doch mittlerweile, etwas für die gesellschaftliche Akzeptanz des Islam in Deutschland tun und seine Leser ausführlich über den Ramadan informieren zu müssen, wenn dieser Monat bevorsteht. Wenn mich das schon nervt, dann will ich mir gar nicht ausmalen, wie so etwas wie die RTL-Aktion auf den deutschen Otto Normalverbraucher wirkt, der dem Islam eh skeptisch gegenübersteht. Wenn solche Initiativen überhand nehmen, dann wird sich manch einer in seinem Eindruck bestätigt fühlen, dass wir hier von „den Moslems“ überrollt werden. Tja, und das wäre ja nun etwas kontraproduktiv.

Aber zurück zu RTL II: Von den hehren Beteuerungen glaube ich kein Wort. RTL ist ein Privatsender, da geht um Profit, Profit und noch mal Profit. Es hat doch bekannt, dass  die Muslime in Deutschland als Zielgruppe gerade erst entdeckt werden. Wenn RTL jetzt also die Muslime umgarnt, bitte sehr. Ich freu mich schon mal auf „Deutschland sucht den Super-Imam“. In Malaysia ist das Format schon äußerst erfolgreich.

Meinen muslimischen Lesern einen gesegneten Ramadan!

Verfasst von: Anna | 25. Juli 2010

Das gibt es in Israel: eine gewaltfreie Vergewaltigung

In Israel ist ein Mann wegen Vergewaltigung zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden, obwohl der Geschlechtsverkehr mit der betroffenen Frau einvernehmlich stattgefunden hat.

Der Palästinenser hatte der Frau wohl vorgegaukelt, er sei Jude und Junggeselle. Als diese dann aber erfuhr, dass er in Wirklichkeit Araber und verheiratet war, zeigte sie ihn an. Verurteilt wurde er daraufhin wegen „Vergewaltigung durch Täuschung“. So einen Paragraphen gibt es anscheinend tatsächlich in Israel.

Das Land wird mir immer unheimlicher. Wann hat bloß diese unheilvolle Verquickung von Religion und Staat endlich ein Ende?

Verfasst von: Anna | 22. Juli 2010

Apple iPod Touch 8GB 3G: Mikrofon anschließen

Geniale Nachricht für alle Nutzer des Apple iPod Touch 8GB 3G: mit original Apple Earphones mit Mikro kann man das Sprachmemo-Programm und Skype benutzen. Leider scheinen das nur die wenigsten zu wissen. Im Netz habe ich immer wieder gelesen, dass Sprachaufnahme beim 8GB 3G nicht geht. Und im Apple-Store heißt es sogar ausdrücklich, die Kopfhörer mit Mikrofon funktionieren nur beim 2G. Interessanterweise stimmt das aber nicht. Man kann den 8 GB 3G perfekt dafür nutzen, mit Skype durch alle Welt zu telefonieren. Habe es im Selbstversuch erprobt.

Verfasst von: Anna | 13. Juli 2010

Chelsea Clinton – jüdische Hochzeit?

Die internationale yellow press fiebert einem amerikanisch-royalen Großereignis entgegen: der Hochzeit von Chelsea Clinton mit Marc Mezvinsky, einem jüdischen Investment-Banker, am 31. Juli 2010. Wobei aber noch unbekannt ist, wie die beiden eigentlich heiraten werden. Jüdisch? Oder christlich? Oder etwa „jüdisch-christlich“ (ja, das gibts in USA, ich war mal dabei).

Die „Bunte“ hat in dem Zusammenhang doch tatsächlich eine Umfrage gestartet, wo man abstimmen kann, ob die Clinton-Tochter nun zum jüdischen Glauben übertreten oder doch lieber ihre „eigene Konfession“ behalten solle.

Warum fragen die im Zeitalter der Emanzipation nicht mal, ob der junge Mann vielleicht Christ werden soll? Ja, ich weiß, die Frage ist rein rhetorisch. In der Praxis wird so ein Paar wohl eher zivil heiraten, als dass der Mann zum Christentum übertritt. Nur hat das andere Gründe, als die, die in der Bunte-Frage mitschwingen. Da wird einem nämlich suggeriert, dass das Judentum so eine Macho-Religion ist, in der ein Religionswechsel von der Frau halt einfach erwartet wird. Wo haben sie das denn her?

Verfasst von: Anna | 13. Juli 2010

Alles hat seine Zeit

„Alles hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde: geboren werden hat seine Zeit und sterben hat seine Zeit“.

Dieses Zitat aus dem Buch Kohelet (Prediger), das ich vor ein paar Monaten von einem Pastor auf einer Beerdigung gehört habe, hat mich wirklich emotional erreicht. Normalerweise finde ich bei Tod und Trauer überhaupt keinen Trost in der Religion. Ich bin zu realistisch, als dass mir die religionsüblichen Vorstellungen vom Jenseits und einem etwaigem Leben nach dem Tod im Ernstfall wirklich etwas geben könnten. Allein dieser eine schlichte Satz hat einmal mein Herz erreicht. Ich sage ihn mir jedes Mal, wenn die Bilder vom Sterben des geliebten Menschen wieder einmal in meinem Kopf aufblitzen. Und ein bisschen hilft das. Gerade weil der Text eben keine Verheißungen irgendwelcher Art enthält.

Abgesehen von Schmerz und Trauer frage ich mich aber auch: Wie ist es möglich, dass es ausgerechnet ein christlicher Geistlicher geschafft hat, mir eine echte Hilfestellung mit auf den Weg zu geben? Warum hilft mir hier meine eigene Religion nicht? Immerhin stammt der zitierte Satz ja aus dem Tanach.

Ich denke, es gibt zwei Gründe. Der erste ist die Sprache. Auf Deutsch erreicht mich der Text besser als auf Hebräisch. Deutsch ist meine Muttersprache, meine Sprache für Herz und Gefühl, Hebräisch ist und bleibt eine gelernte Fremdsprache. Der andere Grund war die Professionalität des Trauerredners. Er hat sich sehr geschickt auf ein religiös gemischtes Publikum eingestellt und keine superchristliche Ansprache gehalten. Von seinem allgemeinreligiösen Vortrag konnte man sich auch als Nichtchrist angesprochen fühlen. Letzteres ist eine Erfahrung, die ich auch schon im Krankenhaus gemacht habe. Auch die Seelsorger dort sind normalerweise flexibel im Umgang mit nicht- oder anders religiösen Patienten und Angehörigen, woraus sich dann über alle Religionsgrenzen hinweg sehr gute Gespräche ergeben können.

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